We Happy Few
23.08.2018 von Nadine Pahn
Review
Harte Fakten
  • kreative Welt und Geschichte
  • reptitives Gameplay
  • frustrierende KI

Ein Land ohne Erinnerungen ist ein glücklicher Ort.

Willkommen in Wellington Wells, dem glücklichsten Platz der Welt! Nie Sorgen, nie Probleme! Alles besteht aus purer Glückseligkeit. Hier, wirf' doch ein wenig Joy ein! Das Survival-Action-Adventure We Happy Few spielt mitten in einer retro-futuristischen Zeitlinie im England der 60iger Jahre. Deutschland hat den zweiten Weltkrieg für sich entschieden und alle Kinder als Geisel einkassiert. Um den nachfolgenden Qualen – wirtschaftlicher, persönlicher und finanzieller Natur- zu entfliehen, konsumieren die Bewohner die Droge Joy. Eine kleine Pille mit großer Wirkung, denn sie vernebelt sämtliche Erinnerungen an die tragische Lage.

Ein Leitfaden zur Glückseligkeit

Unser erster Protagonist, Arthur Hastings, arbeitet in der Stadtverwaltung als Zensor. ‚Unangebrachte‘ Artikel werden von ihm aus der Zeitung geschwärzt. Freie Meinungsäußerung unerwünscht!
Als sich Arthur, bedingt einen Zeitungsartikel an seinen verschwundenen Bruder Percy erinnert, fasst er den Entschluss fortan kein Joy mehr zu nehmen. So möchte er der Frage auf den Grund zu gehen, was mit Percy eigentlich geschah. Die düstere Realität erschüttert ihn direkt. Aus der farbenfrohen heiteren Welt wird plötzlich eine aus Elend, Melancholie und Traurigkeit geprägte Wirklichkeit.
Gleich in den ersten Spielminuten reißt We Happy Few uns in seine unwirkliche Welt. Wir möchten mehr erfahren und reisen mit Arthur durch Wellington Wells. Zwischen Ruinen, Giftmülldeponien und Pestausbruch beginnt die komplette Infrastruktur langsam auseinander zu fallen. Davon bekommen die abhängigen und überglücklich grinsenden Bewohner nicht mit. Bürger der besser situierten Bezirke laufen vor Freude strahlend über ihre Regenbogenstraßen. Neben Arthur erwarten uns später noch zwei andere spielbare Charaktere, die im Laufe seines Spielabschnittes auch schon vorgestellt werden. Sally Boyle ist Chemikerin und Arthurs Jugendschwarm, sowie der ehemalige schottische Soldat Ollie Starkey.
Nun würde ich gerne sagen, dass die Charaktere alle ihre Besonderheiten haben. Außer, dass Sally nebenher noch auf ein Kind aufpassen muss und Ollie ständig Insulin benötigt, ändert sich der Spielablauf aber nie grundlegend.

Die Geschichte ist das Prunkstück von We Happy Few und wer Lust hat die Geschichte hinter dieser dystopischen Welt zu erkunden, wird durchaus auf seine Kosten kommen. Ich habe We Happy Few seit seinem Erscheinen als Early Access Titel 2016 begleitet. Nach über 80 Stunden Spielzeit – davon 20 Stunden nach endgültigem Release – kann ich sagen:
Die erschaffene Welt ist interessant und es macht für einige Zeit wirklich Spaß dort herum zu stöbern. Zumindest solange die Geschichte weiter geht oder interessante Nebenquest erkundet werden können.
Oft benötigt man nämlich einen bestimmten Gegenstand um in weitere Gebiete vorzustoßen und das kann sich gelegentlich als wirklich Haare raufend herausstellen. Stagniert die Story, kommen die Schwächen des Spiels zum Vorschein. Gerade zu Beginn finden wir schnell heraus, dass unser neues Leben als sogenannter ‚Downer‘, also jemand ohne Joy Abhängigkeit, ein ziemlicher Drahtseilakt ist. Neben den Grundbedürfnissen, wie Hunger, Durst und Schlaf, gesellt sich nämlich auch unser Erscheinungsbild, Infizierungen durch belastete Nahrung oder Pest etc. dazu. All das muss gut im Blick behalten werden.
Um möglichst auf alles vorbereitet zu sein benötigen wir möglichst viel Nahrung, reines Wasser und Verbände. Craften ist angesagt und das nicht zu knapp. Leider braucht man von den vielen möglichen Gegenständen, Tränken etc. nur eine Hand voll wirklich. Gerade Verbände und Salben sind überlebenswichtig, denn…tanzt du aus der Reihe, gibt es einen auf die Mütze. Tagsüber von den Bewohnern und während der Nacht durch die Straßenkontrollen der ‚Bobbys‘. Mit einem glücklichen Grinsen prügeln sie auf einen ein. Um verdächtig genug zu sein reicht schon der falsche Anzug aus! Also versuchen wir in den heruntergekommenen Bezirken möglichst armselig auszusehen während in den reichen Bezirken ein schicker Anzug und ein wenig Joy hier und da helfen können, um weiter unbehelligt durch die Straßen zu wandern.
Leider sind besagte Straßen von ziemlich vielen kopierten Bewohnern, die auch keinen interessanten Tätigkeiten nachgehen, bevölkert. Es sei denn, sie wollen einen gerade lynchen. Allgemein gesehen ist die KI wirklich nicht der hellste programmierte Stern. Aber genau das war es auch, was mir bei meinem Spieldurchlaufen oft das Leben gerettet hat, denn die Bobbys können sehr aggressiv sein. So wurde aus dem Action Adventure manchmal eher ein Stealth Game.

Nice to know

  • Early Access als Windows-Version schon seit 2016
  • ab November 2018 veröffentlicht Dark Horse Comics ein 192-seitiges Buch „The Art of We Happy Few“

Fazit

Aber was heißt das nun? Ist We Happy Few zu empfehlen?
Stehst du auf ziemliche abgefahrene Geschichten? Dann wirst du mit We Happy Few für dein Geld gut entlohnt. Allerdings muss man hier und da Abstriche machen.
Die Grafik ist nicht vom neusten Schlag und auf den Konsolen laden die Texturen oft nach. Generell läuft We Happy Few auf dem Rechner flüssig und in seiner besten Qualität.
Der Soundtrack ist eine Überraschung. Man würde es anfangs nicht meinen, denn die musikalische Untermalung des Spiels ist wirklich sehr gut gelungen.
Die utopische Welt aus Paranoia mit einigen wirklich gut inszenierten Nebenaufgaben, kann für Stunden in den Bann ziehen. Oft stellt uns das Spiel auch vor moralische Entscheidungen, die Wirkung auf unsere unmittelbare Umwelt haben.
We Happy Few thematisiert in seiner Welt durch satyrische und kritischen Anspielungen erfolgreich Themen, wie Machtmissbrauch von Drogen, Zensur und den totalitären Überwachungsstaat.

Eingeschränkte Kaufempfehlung.

GCult getestet

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