The Evil Within 2
23.10.2017 von Michael Zmuda
Review

Nachdem sich Capcom mit Resident Evil immer weiter vom Survival Horror Pfad abkam entschloss sich der Vater der Marke, Shinji Mikami mit seiner eigens gegründeten Entwicklerschmiede: Tango Gameworks das Genre weiter zu führen.  Mikami versprach mit The Evil Within großes, doch konnte der Titel nicht vollends überzeugen und begeisterte nicht einmal die eingefleischten Horror Fans von Anfang bis zum Ende. Seht hierzu unseren Test:  The Evil Within Nun, drei Jahre spä...

Nachdem sich Capcom mit Resident Evil immer weiter vom Survival Horror Pfad abkam entschloss sich der Vater der Marke, Shinji Mikami mit seiner eigens gegründeten Entwicklerschmiede: Tango Gameworks das Genre weiter zu führen.  Mikami versprach mit The Evil Within großes, doch konnte der Titel nicht vollends überzeugen und begeisterte nicht einmal die eingefleischten Horror Fans von Anfang bis zum Ende. Seht hierzu unseren Test:  The Evil Within

Nun, drei Jahre später ist es soweit. Die Geschichte um Sebastian Castellano wird fortgesetzt und Tango Gameworks hat sich sehr viel vorgenommen. Es gibt für das Entwicklerteam viel zu tun um The Evil Within 2 besser zu machen als seinen Vorgänger und wir wollen nicht lange um den heißen Brei herumreden, es wurde vieles verbessert und die gesteckten Ziele die man sich 2014 mit Teil 1 gesetzt hatte, wurden nun erreicht. Den Posten des Creative Directors hat Shinji Mikami nicht mehr inne und ist nur noch geringfügig an der Entstehung von The Evil Within 2 beteiligt gewesen. Da er seine Finger allerdings im Spiel hatte fühlt man immer wieder. Der neueste Teil spielt teils in einer offenen Spielwelt und fühlt sich somit wesentlich freier an als vorher. Das Gameplay ist zugänglicher, das Spiel besser ausbalanciert und die Technik um einiges opulenter als zuvor.

Grauen in Union!

The Evil Within 2 führt Sebastian Castellanos nach Union, eine Kleinstadt in der von Mobius erschaffenen STEM-Zwischenwelt. Hier von der Hölle auf Erden zu sprechen, trifft den Nagel ziemlich auf den Kopf. Doch unser Detective hat sich nicht zum Spaß auf die Reise in die von Monstern verseuchte Zwischenwelt begeben, er muss etwas finden, dass ihn seit drei Jahren den Schlaf raubt und seine Seele zerfrisst.  Überall lauert das Grauen in verschiedenen Formen darauf unseren Helden in Stücke zu reißen oder zu verspeisen.

Wie bereits kurz erwähnt, gestaltet sich deutlich offener als im Vorgänger. Zwar unterteilt Tango Gameworks den Titel in Kapitel, diese sind aber eher inhaltlicher Natur. Grundsätzlich gibt es größere Areale, die ihr erkunden dürft. Wer jetzt denkt, das schadet dem Grusel, der irrt gewaltig. Diese Offenheit ist der Atmosphäre sogar zuträglich. Die ruhigen Phasen stehen im krassen Kontrast zu den hektischen Kämpfen und den brutalen Bossen und tun der Inszenierung sehr gut. Die Stimmung und die Atmosphäre sind einfach ausgezeichnet. Zu jeder Sekunde stehen wir hier unter Anspannung und klammern uns förmlich ans Gamepad.

„The Evil Within 2“ erschafft ein stetes Gefühl der Bedrohung und der Unsicherheit. So verändert sich die Spielwelt ständig. Das stört die Orientierung und erschwert das Zurechtfinden. Hinzu kommen natürlich die ausgezeichneten Soundeffekte, die einen immer wieder zusammenzucken lassen. Hier ein Stöhnen, dort ein rascheln– diese alten Bausteine sind auch im Jahr 2017 noch die perfekte Würze für das Genre. Monster aus der Hölle

Um euch das gruseln nicht zu verderben machen wir es kurz und ohne euch zu spoilern. Beim Gegnerdesign hat Tango-Gameworks bewiesen, dass man es schaffen kann noch grausamere Gegner zu erschaffen als es Konami mit Silent Hill getan hatte. Die Widersacher sind teilweise derart abstoßend, dass man sich fragt, wie man auf solche Ideen überhaupt kommen kann. Jeder Boss hat seine eigene, unverkennbare Seele spendiert bekommen und auch die Zombies und Mutanten sind eigen und extrem gefährlich und tückisch. Deshalb ist es ratsam nicht mit der Brechstange vorzugehen sondern mit Bedacht und Ruhe seine Ziele zu erledigen sonst ist der Spuk ruck zuck vorbei. Munition und die Komponenten zum Herstellen dieser sind rar, insbesondere ohne aktivierte Zielhilfe geht schon mal der ein oder andere Schuss daneben da die Gegner sich drehen und winden und nie still stehen.

https://youtu.be/KvP2H0UERZw

Aus alt mach neu

Tango Gameworks hält auch an Elementen des Vorgängers fest. So können die Eigenschaften Sebastians durch das einsetzen des „grünen Gels“ welches die Gegner nach ihrem Ableben oftmals von sich übrig lassen, verbessert werden. In The last of Us Manier lassen sich Waffen an Werkbänken modifizieren (vorausgesetzt man hat Waffenteile dafür gefunden) oder es lassen sich aus Schießpulver, Rohren und Nägeln Munition oder durch Kräuter Erste-Hilfe-Spritzen herstellen. Die Waffenauswahl ist sehr realistisch überschaubar gehalten. Mal von der Armbrust samt verschiedenen Pfeilklassen abgesehen gibt es hier wenig Überraschendes.

Praktisch: Gehen euch mal unterwegs die Kugeln aus, könnt ihr diese im Feld bauen. Allerdings frisst das mehr Ressourcen, sodass ihr immer wieder abwägen müsst. Sebastian selbst wertet ihr mit Hilfe des grünen Gels auf, das ihr durch das Erledigen von Besessenen erhaltet. Bei ihm verstärkt ihr Talente wie die Kampfstärke oder seine Gesundheit. Wirklich frisch ist das System nicht, aber es motiviert aufgrund der größeren Spielwelt deutlich mehr als noch im Vorgänger.

Ein wenig eingerostet..

Die durchlebte Familientragödie und Hiobsbotschaften sind nicht spurlos an Hauptcharakter Sebastian Castellanos vorbei gegangen. Die vielen Flaschen harten Alkohol und Zigaretten haben sich negativ auf die Agilität des Hauptprotagonisten ausgewirkt. Beweglichkeit und Kondition sind nicht seines alters würdig, doch zäh ist der Gute wie nicht viele andere. Zwar spielt sich Sebastian nicht mehr ganz so träge wie im Vorgänger, doch ein wenig mehr Gelenkigkeit hätte ihm nicht geschadet. Auch das Deckungssystem spielt sich hölzern und ungenau, weswegen man sich damit abfinden muss, dass man das ein oder andere Mal von seinen Widersachern entdeckt wird. Wieder, Technik aus der Hölle?

Nein, hier können wir für The Evil Within 2 Gott sei Dank Entwarnung geben. Hatte der Vorgänger selbst auf PlayStation 4 und Xbox One noch mit Framerate-Einbrüchen zu kämpfen läuft der neueste Teil fast immer mit 30 FPS über die Mattscheibe. Auch die Ladezeiten sind im Großen und Ganzen in Ordnung. Hin und wieder dauert es mal ein wenig länger, was insbesondere bei gescheiterten Schleichpassagen nerven kann. Auf den Punkt gebracht, macht die Stem-Engine einen guten Job auch wenn sich die ein oder andere matschige Textur zeigt. Unsere Hoffnungen ruhen in dem kürzlich angekündigten PlayStation Pro und Xbox One X Patch, welche sich bei Tango Gameworks in der Mache befinden.

Fazit.

War ich noch skeptisch, ob es Tango Gameworks schaffen würde, aus den Fehlern die man mit The Evil Within 1 gemacht hatte zu lernen, so wurde ich positiv überrascht. The Evil Within 2 macht nahezu alles besser als sein Vorgänger. Technisch betrachtet ein Unterschied wie Tag und Nacht und auch das Gameplay und die Spielwelt an sich massiv verbessert. Die offenen, weitläufigen Areale laden zum entdecken ein und der Gruselfaktor kommt nicht zu kurz. Zwar ist The Evil Within 2 entfernt davon ein perfektes Survival Horror Spiel zu sein, aber Tango Gameworks hat sich die Kritik erfolgreich zu Herzen genommen, stellt den Vorgänger definitiv in den Schatten und beweist das Potential welches in der Marke und den Programmierern inne wohnt. Gerne mehr davon!

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