Resident Evil 2
22.02.2019 von Michael Zmuda
Review
Harte Fakten
  • Beeindruckende Technik
  • Endlich wieder klassischer Survival-Horror
  • Düstere Atmosphäre
  • Fehlende Gegnertypen aus dem Original
  • Kampagnen zu ähnlich
  • Etwas zu geringer Umfang

Als sich Nintendo im Jahr 2002 die Exklusivrechte für 4 kommende Resident Evil Titel sicherte, waren gerade die PlayStation Fans mehr als nur schockiert. War es nicht die Sony Konsole, die der Marke zum Durchbruch verhalf?!

Ich hingegen war von der Entscheidung angetan, lag es ja auf der Hand, dass Nintendos GameCube der PlayStation 2 bezüglich der Technik ein ganzes Stück voraus war. Als dann das Remake des ersten Teils und das ursprünglich für das Nintendo 64 erscheinende Resident Evil Zero auf für den kleinen Würfel vorgestellt wurde, fielen mir fast die Augen aus dem Kopf. Die Grafik war so atemberaubend, mir lief es schon vor dem offiziellen Release eiskalt den Rücken herunter. Wie sollte es sich erst anfühlen, wenn ich selbst die Kontrolle übernehmen würde. Ich begann mir zusammenzureimen, wie denn mein absoluter Lieblingsteil (Resident Evil 2) in neuem Gewand und zusätzlichen Arealen aussehen würde und begann zu schwelgen. Doch außer ein Remaster der Dreamcast Version (höhere Auflösung, besserer Sound und Texturen als die PSX Version) wurde von Capcom nichts veröffentlicht. Als Capcom dann auch noch entschloss mit Resident Evil 4 die Marke in eine Action lastigere Richtung zu entwickeln und die Verkaufszahlen diese Entscheidung schienen zu rechtfertigen, war es erstmal vorbei mit der Hoffnung auf ein Remake des zweiten Teils in Art des ersten Teils. Doch Capcom hatte wohl nicht mit der Eigeninitiative der Resident Evil Fans der ersten Stunde gerechnet mit Hilfe der Unreal Engine begannen an einem Remake zu basteln. Capcom bat die Hobby-Entwickler darum, ihre Bemühungen aus Rechtlichen Gründen zu beenden doch die positive Resonanz welche das Fanprojekt einstrich ging nicht unbemerkt an Capcom vorbei und so lotete man mit Hilfe von Umfragen aus, ob sich den Fans denn ein Remake alter Marken wünschen würden. Im November 2015 war es dann endlich soweit. Capcom teilte mit seinem mittlerweile legendäreren „We Do it!“ mit, dass man offiziell mit den Arbeiten am Resident Evil 2 Remake begonnen hätte und man noch nichts näheres präsentieren könne und um Geduld bittet. Knapp 3,5 Jahre später und vielen Gerüchten zum trotz über die Einstellung des Projektes wurde auf der Sony E3 Pressekonferenz dann der erste Trailer mit Gameplay Szenen präsentiert und begeisterte die Masse. Mit im Schlepptau hatte Capcom auch den Veröffentlichungstermin der mit dem 25.01.2019 angegeben wurde. Die Zeit ging nun doch schneller um als erwartet und Resident Evil 2 steht in den Regalen bereit um die „Ur“ Resident Evil Fans (von denen sich immer noch viele die fixe Kamera zurückgewünscht haben) glücklich zu machen und neue Fans hinzuzugewinnen. Packen wir’s an, denn als Fans der Originalfassung von 1998 testen wir das Spiel auf Herz und Nieren und verraten euch, ob das Remake seinen hohen Erwartungen gerecht wird.

Um Surrvial-Horror perfekt umzusetzen bedarf es vieler kleiner Puzzleteile die ein perfektes Ganzes ergeben müssen. Eines der größten Puzzleteile ist dabei die Technik und diese wird von Capcoms Hauseigener RE-Engine, dem Nachfolger der MT-Framework-Engine dargestellt, eben jener, die bereits in Resident Evil 7 zum Einsatz kam und zu überzeugen wusste. Kurze Ladezeiten, auf der PlayStation 4 Pro und Xbox One X mit bis zu 60 FPS und 2880x1620p, auf der PlayStation 4 Pro leider mit etwas mehr Treppchenbildung in Form von Aliasing.  Insgesamt ist die Technik die Geboten wird jedoch erstklassig. Die Stärken wie knackig scharfe Texturen und fantastische Lichteffekte wurden durch herrliche Schatten und Partikel und Regeneffekte ergänzt. Gerade wenn Leon seine Taschenlampe zwischen Schulter und Hals packt und sich durch das nachladen atmosphärische Schattenspiele ereignen und über Wände und Boden bewegen bleibt uns förmlich die Spucke weg. Eine weitere Stärke und somit echter Hingucker stellen die Animationen der Zombies und Mutanten selbst dar. Nehmen wir uns die Zombies einmal genauer zur Brust. Detailverliebt bis in die kleinste, faulende Pore wanken uns diverse Zombies durch die engen Gänge und großen Räume der Polizeistation immer auf der Suche nach frischem Fleisch. Um sie uns vom Leibe zu halten können wir dabei auf verschiedene Arten und Weisen zu Werke gehen. Zum einen können wir versuchen die Zombies einen Kopf kürzer zu machen und somit endgültig uns Jenseits zu befördern. Zum anderen bietet sich die Möglichkeit an, durch Schüsse in Arme und Beine ganze Gliedmaßen von den Untoten zu ballern. Eingeschlagene Projektile reißen ganze Fleisch und Hautfetzen von den Knochen und verändern somit das Aussehen der Widersacher. Sollte es uns dann doch einmal nicht gelingen uns einen Zombie vom Leib zu halten und wir machen nähere Bekanntschaft mit ihm, kann es schon einmal sein, dass die Hälfte seine Gesichts einfach fehlt und der halbe Schädel frei liegt. Wie im Remake muss dies aber nicht zur Konsequenz haben, dass wir gebissen werden, verfügen wir nämlich über eine ausgerüstete Nahkampfwaffe wie Granate oder Messer, können wir im diese in die Brust rammen und uns somit vom Leibe halten. Gerade in diesen Situationen kommt mächtig Gruselstimmung auf denn das Spiel zeigt diese Angriffe aus nächster nähe indem die Kamera ganz nah heranzoomt.

Insbesondere wenn ein Gegner im toten Winkel auf uns lauert und versucht seine Chance zu nutzen uns unbemerkt seine Zähne in den Hals zu rammen sorgt das für den ein oder anderen extra Herzschlag. Waren im Original, Blutlachen die besiegte Gegner nach ihre Ableben hinterließen noch ein Garant dafür, dass diese endgültig im Reich der Toten angekommen waren, kann man sich daran nun nicht mehr orientieren und muss andere Möglichkeiten ausloten sich davon zu überzeugen. 
 
Obwohl das Remake wesentlich moderner daherkommt als das Original, fühlt sich es sich zu keinem Zeitpunkt wie ein modernes Actionspiel an. Auch das fehlen der fixen Kamera Perspektiven hat nicht zur Folge, dass die Gruselstimmung flöten geht. Zwar hätten wir uns gewünscht, man könnte sowohl die Fixen Kamera-Perspektiven und Türsequenzen in den Optionen dazu schalten, doch die Entwickler wollten uns offenbar diese Möglichkeiten nicht geben. Schade!
 
Kommen wir zum Sound und der Sprachausgabe. Fans des Originals haben die Möglichkeit den original Soundtrack über mit der Deluxe Edition direkt zu erwerben oder im Store dazu zu kaufen. Wir für unseren Teil finden, dass das Spiel mit dem Original Soundtrack noch einmal eine ganze Ecke an Atmosphäre hinzugewinnt und auf keinen Fall fehlen darf. Der „neue“ Soundtrack ist gut, aber einfach nicht das Wahre! Die englische Synchronisation ist sehr gut gelungen, was man von der deutschen in überhaupt nicht behaupten kann. Gerade Leons Stimme wirkt dermaßen deplatziert, es ist schon fast traurig was die Ohren hier zu hören bekommen. Die Stimme passt überhaupt nicht zu Leon, wirkt wie ein Fremdkörper und obendrein noch unprofessionell. Unsere Bitte deshalb. Bitte spielt das Spiel in englischer Originalsynchronisation mit deutschen Untertiteln.

Alles neu?

Um alte und potentielle neue Fans hinter dem Ofen hervorzulocken bedarf es jedoch mehr als eine phänomenale grafische Präsentation. Zudem möchte man den Spielern einen Grund geben den ein oder anderen zusätzlichen Ausflug nach Raccoon City zu wagen. Ihr habt also die Wahl zwischen drei Schwierigkeitsgraden. Diese unterscheiden sich in der Art und weiße wie man seinen Spielfortschritt speichert. Neulinge und weniger hartgesottene Spieler probieren sich etwa im „einfachen“ und „normalen“ Schwierigkeitsgrad und müssen zum speichern keine Farbbänder sammeln. Man entdeckt einfach eine der fair platzierten Schreibmaschinen und speichert so oft man will. Fäll man einem Gegner zum Opfer wird man automatisch an den letzten automatischen Speicherpunkt zurückversetzt.  Veteranen und Risikoliebende Spieler die auf der Suche nach einer größeren Herausforderung sind kämpfen sich mit weniger Munition an stärkeren Gegnern vorbei uns müssen dabei stets die Augen nach Farbbändern für die Schreibmaschinen offen halten. Beißt man ins Gras, wird man an den letzten Speicherpunkt zurückversetzt. 

Die aus dem original bekannten A und B Szenarien sind in abgewandelter Form wieder mit von der Partie. Das bedeutet, dass, dass Spiel weiterhin die Geschichten der beiden Helden – Leon S. Kennedy und Claire Redfield erzählt welche im großen und Ganzen ein ähnliches Abenteuer durchleben, jedoch unterscheiden sich diese hinsichtlich der NPCs welche sie treffen von einander ab.
Kenner des Originals müssen hingegen mit dem fehlen einiger klassischen „Dinge“ leben und verschmerzen. Beruhigen können wir euch aber, Hunk und Tofu sind wieder mit dabei!

So und nicht viel anders!

Endlich ist in Resident Evil wieder das drin, was in Resident Evil hineingehört. Kein übertriebenes Aktion-Feuerwerk, keine Mutanten die uns mit Maschinengewehren versuchen nach dem Leben zu trachten oder ein Leon. S. Kennedy der in bester Neo (Matrix) Manier seine Widersacher verprügelt und durch die Level rollt uns springt. Back to the Roots ist voll und ganz aufgegangen ohne dabei komplett auf die Implementierung modernerer Mechaniken zu verzichten. Die Mischung macht es einfach und diese ist lecker geworden. Nehmen wir zum einen die Rätsel, die schon immer einen Wiedererkennungswert der Marke ausmachten. Vielen Neulingen wird dies etwas „seltsam“ vorkommen, doch sie wurden klasse ins Gameplay integriert und gerade Fans der ersten Stunde werden sich neu verlieben. Wir unterscheiden zwischen Rätseln die zwingend gelöst werden müssen um in der Story voran zu kommen und optionalen Rätseln die das Spiel leichter machen sollen. So können Tresore und Spinte geknackt werden indem man seine Augen nach Hinweisen offen hält denn in den stellenweise sehr interessanten Briefen und Notizen die sich überall verstreut im Spiel vorkommen bergen so manches Geheimnis und Leseratten erfahren noch mehr über die Story. Als Fan-Service versteht es Capcom ebenfalls Content welcher für vergangene Teile geplant war und der Schere zum Opfer viel in Resident Evil 2 zu integrieren. Die betrifft Kostüme welche diverse Charaktere spendiert bekommen haben, die Taschenlampe für Leon und Claire welche aus Resident Evil 3.5 stammt oder Räume aus Resident Evil 1.5.

Nostalgiefaktor hin oder her…

Wir hätten uns sehr darüber gefreut, wenn es möglich wäre, Items die man nicht benötigt außerhalb der Inventarkisten „abzulegen“ ohne das diese endgültig verschwinden. Das hat doch schon in Resident Evil Zero sehr gut funktioniert und es macht einfach keinen Sinn das diese Möglichkeit nicht geboten wird.
Fazit

Wer hätte das gedacht? Capcom hat zu sich zurückgefunden…und WIE! Nachdem Capcom die eigene Marke „Resident Evil“ über die letzten Jahre regelrecht demontiert und vom Survival-Horror entfremdet hat, war es nicht verwunderlich, dass
Die Zweifel enorm waren, dass Capcom ein würdiges Remake zu Resident Evil 2 auf die Beine stellen würde. Doch Hut ab, die Ruhe kam vor dem Sturm und der hat es in sich. Resident Evil 2 ist eine Hommage an die Fans der ersten drei Teile und fühlt sich in keinster Weise eingestaubt an, obwohl die Kernelemente welche die Reihe ausmachen wieder integriert wurden. Die fehlende fixe Kamera tut zwar ein wenig weh, dass dadurch aber keine Gruselstimmung erzeugt werden trifft zum Glück nicht zu. Sehr geschickt spielt Capcom mit Licht, Schatten, Rauch und Feuer und anderen moderneren Möglichkeiten um uns das Fürchten zu lernen. In Kombination mit dem separat erhältlichen Original Soundtrack aus dem Jahre 1998 haben wir fast das perfekte Resident Evil Feeling. Es bleibt nur zu hoffen, dass der Fleiß der Entwickler durch hohe Verkaufszahlen gewürdigt wird und Resident Evil nun endlich wieder dort angekommen ist, wo es hingehört und was diese tolle Marke ausmacht!
SURVIVAL-HORROR der Extraklasse. Danke Capcom, nun gebt uns ein Remake zu Resident Evil 3!  

GCult getestet

Verdiente Gems

Ein Gem für die Grafik
Hier kann sich das Auge sattessen! Dieser Titel begeisterte mit seiner Optik
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