Kingdom Come: Deliverance
11.07.2018 von Michael Zmuda
Review
Harte Fakten
  • Schöne Landschaften
  • Hoher Realismus-Anspruch
  • Speichersystem

Am 22.01.2014 ursprünglich als Kickstarter Projekt gestartet fand das kleine tschechische Entwicklerstudio Warhorse Studios schnell einen Publisher. Inspiriert durch die Spieleserien wie Skyrim und Dragonage möchte Kingdome Come Deliverance mit einer Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht und einem realistischen Schwertkampf-System punkten. Ob uns ein Mittelalterliches Festessen erwartet oder ein totaler Ernteausfall, wir werden sehen. Also Blu-Ray ab ins Laufwerk und ab nach Böhmen.

Wir schreiben das Jahr 1403 und schlüpfen in die Rolle des jungen Schmiedesohns Heinrich, einem Bewohner des kleinen böhmischen Städchens Skalitz. In dieser Epoche war es noch üblich, dass der Sohn des Vaters Handwerk lernt und übernimmt und somit steht der junge Bursche in der Pflicht seinen Vater nach Kräften zu unterstützen. In Wahrheit jedoch gilt sein ganzes Interesse dem Erlernen des Schwertkampfes. Doch bevor es ans Eingemachte geht, machen wir uns durch das Absolvieren diverser Botengänge erst einmal mit der Spielmechanik und der Welt vertraut. Was anschließend passiert, lassen wir aus Spoilergründen einmal unerwähnt, doch lobend eines können wir definitiv bestätigen, die Geschichte ist wirklich gut und spannend erzählt!

Wer viel herumkommt, macht viele Bekanntschaften (auch negative) und lernt fürs Leben. So ist es nur selbstredend, dass wir unsere erlernten Kampfkünste und Techniken in actionreichen Nahkämpfen mit unseren Feinden unter Beweis stellen.
Von der Umsetzung ähnelt das Kampfsystem dabei an ein Ritterspiel eines französischen Entwickler und Publishers. Auch bei Kingdom Come können wir mit Waffen wie dem Schwert oder der Axt aus mehreren Richtungen angreifen. Dadurch lässt sich der Umgang mit dem Schwert sehr detailliert steuern, was interessante und abwechslungsreiche Nahkämpfe ermöglicht. Neben den unterschiedlichen Richtungen stehen uns mit dem Schlag sowie dem Stich zudem zwei verschiedene Angriffstypen zur Verfügung, die für weitere Variationsmöglichkeiten sorgen. Verbinden wir die beiden Angriffsarten, entstehen darüber hinaus mächtige Kombos, die den Feinden ordentlich zusetzen. Um das gelungene Kampfsystem abzurunden, können wir natürlich auch auf diverse defensive Optionen zurückgreifen, vom Blocken der gegnerischen Schläge bis hin zum Ausweichschritt. Da hier ein exaktes Timing erforderlich ist, um erfolgreich zu sein, ist gerade am Anfang etwas Geduld angesagt, denn einfach zu meistern sind die Nahkämpfe definitiv nicht ohne dabei unfair zu sein. Doch die Motivation wird stets hoch gehalten an seinen Fähigkeiten zu arbeiten und den nächsten Kampf siegreich zu beenden oder seinen Kampfstil zu perfektionieren.
Die Entwickler der Warhorse Studios sind vom Können ihren Kunden dermaßen überzeugt, dass beim Bogenschießen gänzlich auf eine Zielhilfe verzichtet wurde. Zwar ist das sehr authentisch doch den Spielern hier die Möglichkeit anzubieten 
ein Fadenkreuz zu aktivieren ist sehr schade, denn insbesondere sich bewegende Ziele zu treffen ist pures Glück. Aus dem gleichen Horn bläst man hier beim knacken von Schlössern welches zu einem hohen Verschleiß von Dietrichen führt. Die Feinjustierung der beiden Analogsticks, welche in einer bestimmte Richtung navigiert werden und anschließend gedreht werden müssen geht nicht wirklich gut von der Hand. Hier hätte man sich lieber ein Beispiel an einem Titel nehmen sollen welcher bei einem französischen Entwickler im Jahr 2014 entstand. 
Wie es zum guten Ton des Mittelalters gehört ist auch die Tugend des Diebstahls mit von der Partie. So sind weder vorbeilaufende Passanten vor unseren Langfingern sicher noch Häuser deren Eigentümer gerade auf dem Markt sind um einzukaufen oder sonstige Besorgungen zu erledigen. Zeit ist Geld und es wird der mit dem meisten Mumm belohnt, bedeutet, je länger man in den Taschen der NPCs nach wertvollem herumwühlt, desto größer ist die Chance etwas richtig wertvolles zu ergaunern.  Nichts was man nicht schon aus anderen Titel kennt aber gerade das Diebstahlsystem in Bezug auf die NPCs hat es uns angetan und ist etwas neues. Insgesamt eine kleine aber feine Zugabe die den Spielspaß steigert.
Nur weil die Warhorse Studios noch ein relativ unbekanntes Entwicklerstudio darstellen, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass eine gänzlich unspektakuläre und unbekannte Engine genutzt wurde um das Kingdome Come Universum zu erschaffen. Mit Cryteks CryEngine 3 ist ein grafischer Augenschmaus und eine lebendige Spielwelt vorprogrammiert, oder etwa nicht? Es ist bereits bekannt, dass die CryEngine 3 schon diverse Entwickler abseits der Firma CryTek vor Probleme zwecks Optimierung gestellt haben (bestes Beispiel stellt ein Titel aus dem Jahre 2016 aus dem Hause THQ Nordic dar) Wie schlägt sich Kingome Come? Die grafische Umsetzung darf als positiv bezeichnet werden. Das Dorfleben ist idyllisch, es ist überall etwas los und die größeren Städte kommen realistisch daher. Besonders stimmungsvoll fanden wir die einsamen Reisen durch die böhmischen Wälder die uns den Eindruck vermittelten wirklich dort umherzustreifen.  Auch Abseits von Dörfern, Städten und Wäldern wurde viel Wert auf Natürlichkeit gelegt. Ein Tag und Nacht Wechsel ist ebenso mit von der Partie wie ein dynamisches Wertsystem und eine natürliche Flora und Fauna. Leider wird das Gesamtbild von gelegentlich auftretenden Textur und Clipping-Fehlern getrübt. Auch die Weitsicht ist noch nicht das gelbe vom Ei. Hier möchte man allerdings durch Patches auf schnellstem Wege Abhilfe schaffen.  
Kingdom Come macht vieles richtig um den Spielspaß hoch zu halten und uns an Böhmen zu fesseln. Die Missionen lassen sich oftmals auf mehrere Arten bewerkstelligen. So können wir um an einen wichtigen Quest-Gegenstand zu gelangen den Besitzer des Objektes unserer Begierde den Schlüssel für die passende Truhe durch Diebstahl abluchsen oder das Schloss mit einem Dietrich knacken. Wer allerdings weniger zimperlich zu Werke gehen möchte  kann den NPC einfach in einem direkten 1:1 Kampf zu Strecke bringen und den Schlüssel an sich nehmen oder feige überraschen und ins Jenseits befördern. Aus unserer Perspektive weniger Nutzerfreundlich umgesetzt wurde (bisher) das Speichersystem. Zwar speichert das Spiel an wichtigen Stellen automatisch, manuell hingegen bedarf es allerdings eines sogenannten, kostspieligen „Retterschnapses“ um seinen Fortschritt außer der Reihe zu speichern.  Hier möchte der Entwickler allerdings auch nachbessern.
 
Fazit

Aus eins mach drei! Was ursprünglich nur für den PC erscheinen sollte wurde über die durchweg positive Resonanz bzw. die hohen Spendengelder zur Chance ein noch breiteres Publikum zu erreichen. Und was soll man sagen, die Chance wurde am Schopf gepackt und alle profitieren davon. Die Warhorse Studios liefern mit Kingdom Come Deliverance einen atmosphärischen Auftritt auf der PlayStation 4 und der Xbox One ab. Man spürt die Verantwortung des Entwicklerteams diese auf einer wahren Begebenheit basierenden Geschichte zu erzählen. Es macht einfach Spaß durch das malerische Böhmen zu wandern und die Geschichte um Heinrich zu erleben und das trotz der kleinen Macken mit dem der Titel ausgeliefert wurde. Die Warhorse Studios haben bereits einen Day-One Patch mit sage und schreibe 21 GB veröffentlicht welcher einen großen Teil der Bugs bereits beseitigen konnte, es wird aber auch in Zukunft noch weiter nachgepatched. Da es der erste Auftritt der Warehose Studios auf den Konsolen war wollen wir das ganze noch einmal verzeihen, für den nächsten Titel wünschen wir uns zum Release allerdings etwas mehr Feinschliff.  

GCult getestet

Verdiente Gems

Ein Gem für das Gameplay
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