Horizon Zero Dawn
06.02.2018 von Nadine Pahn
Review
Harte Fakten

“Ich schätze, ich hätte mir gewünscht, dass sie neugierig und stur ist. Unaufhaltbar sogar. Aber mit genug Mitgefühl um die Welt zu heilen.

“Ich schätze, ich hätte mir gewünscht, dass sie neugierig und stur ist. Unaufhaltbar sogar. Aber mit genug Mitgefühl um die Welt zu heilen. Nur ein bisschen.” In der Rolle von Aloy, einer Ausgestoßenen, werden wir in eine postapokalyptische Welt geworfen. Die Menschheit lebt in einem prähistorisches Zeitalter zwischen den Ruinen der ‘Alten’ und hat sich in verschiedene Clans aufgeteilt. Im drastischen Gegenteil dazu, laufen uns Cyberpunk ähnliche Dinosaurier-Maschinen über den Weg. Wie kann das bloß sein? Innerhalb der ersten Spielminuten finden wir heraus, dass die Menschheit einst hoch entwickelt war. Das Wissen hierüber scheint allerdings verloren gegangen zu sein. Also, was geschah mit der Menschheit? Woher stammen die Maschinenwesen? Diese Fragen stellen wir uns ebenso, wie die neugierige Aloy. Ihr Hauptaugenmerk liegt dennoch auf einer – für sie - viel wichtigeren Frage. Aufgezogen durch ihren Ziehvater Rost möchte Aloy vor allem wissen, aus welchem Grund sie bereits als Säugling von dem Nora-Clan ausgestoßen wurde. Rost berichtet Ihr von der Erprobung, einem Ritual, an dem auch Ausgestoßene teilnehmen dürfen, um wieder in den Clan aufgenommen zu werden. Dem Sieger wird ein Wunsch erfüllt, selbst wenn es sich dabei nur um Informationen handelt. Leider lässt sich die Geschichte gerade zu Beginn ein wenig zähflüssig spielen. Es dauert, bis sie ein wenig ‘Fahrt’ entwickelt. Alsbald die Weltkarte aber zum freien Erkunden geöffnet und die ersten Brotkrumen der Geschichte ausgestreut wurden, ändert sich dies. Das Mysterium um die vergessene Technologie und der Maschinen bleibt Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Der Fokus geht nicht verloren und Aloy wird zusammen mit uns in ein immer größer werdendes Gewirr aus Fragen geworfen, das wir Stück für Stück aufklären.

Die Liebe zum Detail

Ein Punkt, in dem Horizon Zero Dawn richtig glänzt. Die Flora ist liebevoll gestaltet. Dichte Wälder, Flüsse, Wiesen erwarten uns im ersten Drittel. Alles ist detailliert und abwechslungsreich ausgeschmückt. Dazwischen mogeln sich mit Moos bewachsene und von Kletterpflanzen umschlungene Hochhäuser der vergessenen Zivilisation, die wir erklimmen können. Hier dürften selbst weniger Erkundungsbegeisterte dazu verführt werden abseits der Hauptgeschichte durch die wunderschöne Landschaft zu stromern. Haben wir den Anfang durchgespielt, eröffnet sich erst der Hauptteil der Karte. Kluftige Wüstenlandschaften mit wunderschönen Oasen laden ebenso zum Erkunden ein, wie die eisigen stürmischen Gebirgsklippen. Alles wirkt behutsam platziert und dadurch auch lebendig. Wollt ihr Aloy in der wunderschönen Landschaft abfotografieren? Kein Problem. Dafür gibt es den Fotomodus. Eure festgehaltenen Momente könnt ihr dann mit der Community teilen. Der friedliche Teil der Fauna hingegen, ist leider etwas kurz geraten. Wir sehen die üblichen Verdächtigen: Wildschwein, Hase, etc., die oft an uns vorbei huschen. Das Spiel macht damit grundsätzlich nichts falsch. Auf neue exotische Gattungen wurde in diesem Bereich verzichtet. Das mag auch seine Begründung in der Hintergrundgeschichte haben. Die Artenvielfalt ist damit unseren Gegnern vorbehalten. Neben der Landschaft und ihren Tieren lässt sich auch das Design der verschiedenen Clans sehen. Außer dem Nora-Clan, der im Heiligen Land lebt und von indianischen und nordischen Völkern inspiriert wurde, gibt es zum Beispiel die Carja im Sonnenreich, deren Kreation einer Mischung aus römisch-arabischen Einfluss entstammt. Große Städte suchen wir in Aloys Welt, mit vielleicht einer Ausnahme, vergebens. Die Natur hat sich ihre Welt zurück erkämpft, aber die Maschinen herrschen über sie.

Ausgestoßene, Sucherin und Maschinenjägerin

Unsere Hauptfigur ist eine sympathische wilde rothaarige Bogenschützin, die sich nicht nur durch ihren Status als Ausgestoßene von allen anderen Charakteren im Spiel abgrenzt, sondern vor Allem durch ihre Neugierde und den Wissensdurst glänzt. Sie hinterfragt und akzeptiert nicht einfach. Aloy ist ein Freigeist und verfolgt ihre Ziele entschieden. Gerade ihr anfänglicher Status als Ausgestoßene ist eine pfiffige Idee von Guerilla Games, denn ebenso wie der Spieler, kennt Aloy - durch ihr bisheriges Leben im Exil - viele Brauchtümer, Regeln oder Hintergründe nicht. Als Spieler haben wir daher die gleichen Fragen wie Aloy und das schafft den ersten Anknüpfungspunkt mit dieser Figur. Nach einem ähnlichen Prinzip, wie es in Mass Effect Commander Shepard als Specter inne hatte, erhält auch Aloy einen weiteren besonderen Status, der ihr Privilegien einräumt. In diesem Fall eröffnet er ihr, die Spielwelt zu bereisen. Als Sucherin stehen ihr Tür und Tor offen, die Grenzen des Heiligen Landes zu verlassen. Zudem schafft es unsere findige Aloy sogar Maschinen nicht nur erfolgreich im Alleingang zu bekämpfen, sondern auch zu überschreiben, um sie auf verschiedene Arten für ihre Zwecke einzusetzen. Das befähigt sie, Aufgaben zu vollbringen, welche bisher niemand in dieser Welt erreicht hat. Dadurch wird auch klar, warum ihr im weiteren Spielverlauf einigen Figuren mit deutlicher Ehrfurcht begegnen.

Leider verliert der Charakter von Aloy an manchen Stellen an Glaubwürdigkeit. Fasziniert sie uns mit ihrer Neugierde, verwirrt ihre nicht vorhandene soziale Zurückhaltung. Laut Guerilla Games beginnt Aloy ihre Reise mit 19 Jahren. Dafür muss sie dem Anführer eines großen Clans nicht ehrfürchtig gegenüber treten, verständlicher wäre ein wenig Unbeholfenheit oder unangemessenes rüdes oder störrisches Verhalten. Nein, das gibt es nicht. Aloy weiß sich in jeder Situation angemessen zu benehmen. Durch ihre Unerfahrenheit besitzt sie natürlich auch keine Vorurteile über die verschiedenen Clans. Hier und da hapert es aber an der Durchsetzung von Aloys wildem Freigeist. Sie eckt nicht an. Das Aussehen unserer Protagonistin ist originell gewählt. Weder ihr etwas krauses Haar sitzt perfekt, noch muss Aloy einen übermäßigen Vorbau (a la Lara Croft) mit sich herum tragen. Auch auf unglaubwürdige leicht bekleidete Rüstung mit einem stark wackelnden Hintern wurde verzichtet. Aloy ist robust gebaut. Eine echte Frau aus dem Norden mit ausgeprägten Wangen-, und Kieferknochen, buschigen Augenbrauen, ja sogar ihre Zähne stehen hier und da ein wenig schief! Das tut Aloys Schönheit natürlich keinen Abbruch. Sie ist weder in ihrem Aussehen noch Charakter ein archetypischer femininer Heldentyp. Als Spieler haben wir außerdem die Möglichkeit Aloys Antworten in den Dialogen an einigen Stellen der Geschichte zu bestimmten. Das hat zwar keinen Einfluss auf die Spielwelt sondern nur auf die direkte Situation, dadurch können wir uns – wenn wir wollen - aber auch einmal verhalten, wie eine freche 19-Jährige auf Wanderschaft!

Fantastische Maschinenwesen und wie sie zu bekämpfen sind

Nicht weniger lebendig wirkt das eigentliche Glanzstück von Horizon Zero Dawn: Die Maschinen. Zwar sind diese nicht Aloys einzige Gegner im Spiel, aber sie lassen alle anderen im Schatten stehen. Und viele Maschinen werfen einen riesigen Schatten, denn hier hieß es klotzen und nicht kleckern bei Guerilla Games. Im gesamten Hauptspiel kann man 25 verschiedenen Arten begegnen. Während uns der kleine wendige Wächter bei Blickkontakt angreift, flüchtet ein Graser in der bekannten Manier eines Hirsches. Vorsicht ist bei dem bulligen aggressiven Breitkopf geboten. Er verfolgt Aloy noch eine ganze Weile, wenn sie flieht, während der monströsen Donnerkiefer allein durch seine schiere Größe Ehrfurcht in unserer Jägerin wecken sollte. Die Vielfalt dieser Tiere macht das Spiel äußerst unterhaltsam. Fantasievoll gestaltet und abwechslungsreich in ihrem Verhalten stellt uns jeder neue Gegnertyp vor eine andere Herausforderung. Deren Stärken und Schwächen gilt es herauszufinden und zu unserem Vorteil zu nutzen. Es sind die lebensecht (ha, Ironie!) wirkenden Maschinen, die Horizon Zero Dawn von den üblichen Open World Titeln abheben. Das Beste zum Schluss, denn wir können nicht nur gegen die Maschinenwesen kämpfen, sondern auf einigen von Ihnen sogar reiten! Zwar benötigt Aloy dafür erst ein passendes Waffenteil, aber auch dieses wird uns früh im Spiel zur Verfügung gestellt. Mit der Hilfe umprogrammierter Maschinen ist es uns möglich in Windeseile zu unseren Zielen zu gelangen. So wunderbar und beeindruckend die Maschinen auch sind, sei hier erwähnt: Die KI lässt zu wünschen übrig. Dies fällt bei den Maschinen weit weniger ins Gewicht als bei den menschlichen Gegnern. Immerhin schöpfen Letztere Verdacht, finden sie einen Leichenhaufen von fünf Kameraden. Auch werden nahe gelegen Büsche von ihnen durchsucht. Dummerweise vergessen sie den Verdacht auch schnell wieder und gehen ihres Weges. Übliche Problematiken, die auch bei der Batman-Reihe von Rocksteady Studios vorkamen, aber das Spielerlebnis nicht zu sehr beeinträchtigen.

Nützliches für die Jägerin

Um diese Vielzahl an Gegnern mit ihren unterschiedlichen Schwachpunkten und Verhaltensweisen zu bezwingen, werden uns zum Glück einige nützliche Utensilien an die Hand gegeben. Im Laufe des Spiels werden daraus eine Menge mehr. Dadurch ergeben sich verschiedene Herangehensweisen. Wollen wir durch die Farne und Büsche schleichen, um unsere Gegner aus dem Hinterhalt mit einem Stolperdraht außer Gefecht zu setzen oder doch lieber gleich in die Menge hinein und sie mit Eisbomben und Explosionspfeilen Schachmatt setzen? Die Wahl bleibt dem Spieler überlassen - allerdings sollte man sich hier an dem Gegnertyp orientieren. Auch kein Innovationsschub, aber was das Spiel uns an Möglichkeiten an die Hand gibt, reicht für ein abwechslungsreiches Spielerlebnis aus. Durch Aloys besonders Gadget, ist es uns außerdem möglich die Laufroute eines Gegners vorher zu sehen. Und zwar aller Gegner, nicht nur der Maschinellen. Ein taktischer Vorteil, von dem das Spiel aber auch verlangt, dass wir ihn regelmäßig nutzen. Anders sind manche Passagen nur mit brachialer Gewalt und einem furchtbaren Durcheinander zu lösen. Dabei würde uns eher der Game Over Screen grüßen als ein Erfolgserlebnis.

Unsere besonderen Fertigkeiten dürfen an dieser Stelle auch nicht vergessen werden. Das Skillsystem ist übersichtlich und einfach gehalten. Wir können zwischen Fertigkeiten aus drei Skillbäumen wählen. Die Fähigkeiten sind nützlich und erleichtern das Spiel. Allerdings leveln wir automatisch und müssen uns auch keine großen Sorgen darum machen, nicht genügend Punkte zu erhalten. Am Ende werden wir alles wirklich Notwendige freigeschaltet haben. Kopfzerbrechen brauchen wir uns an dieser Stelle also keine machen. Der Fokus des Spiels liegt eindeutig nicht an dieser Stelle. Wer allerdings klug wählt, kann sich das Spielerlebnis gerade zu Beginn enorm erleichtern. Ausgewählte Gegner mit einem Pfiff zu sich zu locken, ist schließlich immer ein taktischer Vorteil. Was fehlt noch für unser Arsenal? Genau, selber Zeug basteln. Mit gesammelten Blumen, Holz oder Maschinenbauteilen kann Aloy Heilmittel, Bomben und Pfeile herstellen. Das System ist auch hier einfach und übersichtlich. Zu Beginn des Spiels wird zwar nicht der Eindruck erweckt, als müsse man diese Funktion ausreichend nutzen, doch im weiteren Verlauf stehen während einer Quest nicht dauerhaft Händler zur Verfügung. (Und die Questreihen können lang sein.) Gut also, dass alles mit einfachen ‘Handgriffen’ schnell herzustellen ist. An Rüstungen mangelt es Aloy über den Verlauf ihres Abenteuers auch nicht. Mit verschiedenen Resistenzen oder Boni können sie zielgerichtet für die jeweilige Aufgabe ausgerüstet werden. Das sorgt für Abwechslung. Immerhin beobachten wir Aloy das ganze Spiel über und je nach Gebiet kann es wirklich nützlich sein, die passende Rüstung anzuziehen. Das Design unserer Kleidung ist dabei an die verschiedenen Clans angepasst, denen wir begegnen. Farbenfroh oder in Brauntönen, mit Seide oder dicken Fellen bekleidet, darf Aloy die Welt erkunden.

Langeweile - Fehlanzeige

Banditenlager ausmerzen, Prüfungen an Jägerhütten, verdorbene Zonen säubern, Aussichtstürme erklimmen, Datenpunkte sammeln, Nebenquests erledigen – sonst noch Fragen? Wenn man möchte, kann man sich lange mit Horizon Zero Dawn beschäftigen. Sehr lange. Dabei nimmt es nicht ganz die Ausmaße, wie in einem Assassins Creed, an. Anders als bei Ubisofts Dauerschlager gewinnt man hier den Eindruck, dass der Entwickler zwar nicht den Mut hatte von der Pflichtkür eines Open World Titels abzuweichen, aber zumindest der Versuch unternommen wurde, die verschiedenen Elemente möglichst sinnvoll in die Welt ein zu betten. Die Nebenaufgaben sind ansprechend gestaltet und die Belohnungen angemessen gewählt. Also schalten wir in den Jägerhütten mit der Erledigung unterschiedlicher Aufgaben neue Waffentypen frei und lernen diese zu nutzen. Wenn wir die riesigen Langhälse in schwindelerregender Höhe erklimmen, werden Gebietsteile für uns vom dichten Kartennebel befreit und gesammelte Datenpunkte geben uns Hintergrundinformationen zur Geschichte.

Die Freischaltung neuer Waffentypen oder Verstärkungen helfen uns zwar im Spiel, sind aber nicht unbedingt notwendig um Horizon Zero Dawn durchzuspielen. Die Datenpunkte zu sammeln kann bisweilen ziemlich lästig werden und es gibt eine Menge davon (über 200 Stück). Bei den Nebenquest müssen wir oft Orte verteidigen, jemanden suchen oder einen speziellen Gegnertypen erledigen. Zwar keine Neuerung, allerdings werden wir hier auch mit kleinen Zwischensequenzen belohnt und erhalten einen Einblick in das Leben und Probleme – vor Allem Probleme - der Menschen in dieser Welt. Das Ausmerzen der Banditenlager gehört eigentlich ebenso zu einer (recht langen) Nebenquestreihe. Kuriose Questgeber gibt es im Übrigen einige. Die Nebenmissionen erinnern vom Aufbau des Menüs, den Zwischensequenzen und Länge der Quests an The Witcher 3. Dabei erreichen die Aufgaben keinesfalls eine derartige Tiefe und wie treffen auch keine moralischen Entscheidungen, die uns zittern lassen. Erkundungen von alten Forschungsanlagen der hochtechnologischen untergegangenen Zivilisation fehlen auch nicht. Dabei erforschen wir wirklich wunderbar gestaltete unterirdische Ruinen. Am Ende jeder Anlage wartet uns eine 'Boss-Maschine', welche den bis dato stärksten Gegnertypen darstellt. Dafür gibt es reichlich Kleinkram zum aufsammeln und eine Menge Erfahrung.

Von technischer und musikalischer Natur

Auch hier hat das Spiel keine ausschlaggebende Schwäche. Die Menüpunkte lassen sich per Kreisauswahl schnell ansteuern. Allenfalls im hektischen Kampfgetümmel kann es dazu kommen, dass wir die falsche Bombe oder Pfeilart auswählen. Aloy lässt sich flink und gewandt steuern. Wir rollen uns dabei ziemlich oft durch das Dickicht, aber die Übersicht zum Gegner ist jedes Mal vorhanden. Werfen wir uns allerdings unvorbereitet ins Kampfgetümmel, kann es schnell unübersichtlich werden, da andere Gegner auch gerne mal plötzlich dazu stoßen. Dann heißt es unter Umständen besser mal die Flucht ergreifen. Das wäre aber nicht der Steuerung geschuldet, sondern unserem ungestümen Spielstil. Ein wenig hakelig kann die Steuerung unseres Reittieres in voller Fahrt werden. Hier biegt man schnell eine Ecke zu spät ab und landet ungewollter Weise vor einer Horde aggressiver Maschinen. Das Speichern am Lagerfeuer sowie die Kletterpassagen erinnern eindeutig an das Reboot von Lara Croft. Dabei hangelt sich Aloy ebenso an bunt markierten Felsformationen hinauf, wirkt dabei aber nicht weniger wendig. Ein stimmiger Soundtrack, darf in einem guten Spiel nicht fehlen. Nimmt man alle Tracks zusammen, erhält man eine Laufzeit von ca. 4 Stunden. Zwischen Naturklängen und Fantasy/Cyberpunk Melodien, mischen sich in den Kampfpassagen trommelnde und etwas düstere Klänge hinein. Die Musik schafft, was sie machen soll: Besondere Momente unterstreichen und das Spielerlebnis stimmig zu unterstützen, aber es dabei nicht zu überschatten. Wer sich Zeit nimmt wird feststellen, dass nicht nur die Landschaft eine Verschnaufpause wert ist, sondern auch die jeweilige musikalische Untermalung. Auch die deutsche Synchronisierung ist gut gelungen. Die Stimmen passen und die Betonungen sitzen. Grobe Schnitzer gibt es keine. Ein kleiner Hinweis am Rande: Jeder Maschinentyp hat seinen ganz eigenen Sound. Im Laufe des Spiels lernt man dadurch die Gegnertypen auch ohne Sichtkontakt auseinander zu halten. (Ganz im Sinne von:'Aha, hier schleicht sich wohl ein Pirscher an.' oder 'Verdammt, da bin ich wohl in das Territorium eines Tramplers gestolpert!’)

Und was kann das Ganze nun?

Eine Menge. Klar gibt es hier und da einige Schwachpunkte, aber Horizon Zero Dawn war für mich eine Überraschung. Nicht, weil ich mir wenig davon versprochen habe, sondern da es mich auf andere Weise begeistert hat, als anfangs gedacht. Für ein schönes Spielerlebnis brauche ich allerdings kein ausgeklügeltes Skillsystem, tausende Gegnerhorden oder Trillionen Sammelobjekte. Eine gute und spannende Geschichte mit einigen Twists und Turns hingegen ist unerlässlich - vor Allem für ein langes Spiel. Die Steuerung muss gut von der Hand gehen und ich sollte auch keine Stunden in meinem Beutel nach dem passenden Kram suchen müssen. Zeitaufwendig von Punkt A nach Punkt B reiten möchte ich auch nicht. Und

Und was hat Horizon Zero Dawn gemacht? Tatsächlich habe ich mich erwischt, in jeden noch so kleinen Winkel der Karte zu schauen. Verdammt ist diese Welt schön! Man wird mit einer unglaublichen Aussicht belohnt. Über Datenpunkte stolperte ich dabei nicht selten ohne speziell danach gesucht zu haben. Es lohnt sich Zeit und Ruhe für das Spiel zu nehmen. Immerhin tragen einen selbst die Aussichtstürme durch die Gegend und von dort aus kann man hervorragend den nächsten Plan zur weiteren Erkundung schmieden, auch ohne auf die Map zu schauen. Ich muss keinen statischen Turm erklimmen, sondern ein Wesen dieser Welt. Eine schöne Abwechslung! Horizon Zero Dawn leiht sich unübersehbar einige Spielelemente großer Titel, aber vereinigt sie fließend im eigenen Setting. Leider setzt das Spiel dadurch auch keine eigenen Meilensteine. Hier wäre sicher Raum für mehr gewesen. Auch gab es nicht die erwartete Rollenspieltiefe. Hier hätte ich mir an mancher Stelle gewünscht, noch mehr erfahren zu können. Immerhin ist das Setting nicht nur hinsichtlich der Maschinen interessant. Auch die unterschiedlichen Clans haben ihre eigene Kultur und Lebensweise. Entscheidungen, die unseren Spielverlauf in irgendeiner Weise beeinflussen, gibt es nicht. Wenn man dabei ist, sich bei großen Titeln Inspiration zu holen, hätte es bestimmt einige weitere Optionen gegeben. Zum Beispiel Fraktionen etc. einzuführen. Was allerdings erfrischend war: Wir begegnen auf unserer Reise auch Charakteren alles sexuellen Ausrichtungen oder ethnischen Abstammungen. Die bandbreite an unterschiedlichen Typen passt zum Szenario. Vielfältigkeit sorgt für eine lebendig wirkende Welt, in der man sich auch innerhalb der Siedlungen gerne bewegt. Wo die Rede von Vielfältigkeit ist, darf man die Maschinenwesen nicht vergessen. Ich habe mich auf jeden neuen Kampf gefreut und habe nicht selten die Maschinen nur aus sicherer Entfernung beobachtet. Es kann auch mal passieren, dass man nichtsahnend auf einem Feldweg entlang reitet und plötzlich rast ein riesiger geschnabelter Roboter mit Säurefüllung am Bauch 100 Meter vor einem aus dem Wald und greift einige Banditen an. Da heißt es Abbremsen und den Moment nutzen, um das Verhalten der Maschine zu beobachten. Oder doch besser Einmischen? Da sowohl die Jägerhütten als auch die Banditenlager jeweils Aufgaben von Nebenquests sind und mit Hintergrundgeschichten und Zwischensequenzen belohnt werden, fühlte sich dies auch nie wie ein stures Abarbeiten von Aufgaben an. Und weil der Kampf wirklich Freude macht, gab es ohnehin kein zurück mehr vor den Jägerhütten. Gegen Ende werden die Aufgaben hier nämlich etwas knackiger.

Fazit

Habe ich zu Beginn nicht von verhassten weiten Wegen gesprochen? Die muss man in Horizon Zero Dawn schon hinter sich bringen - oder man kauft ein Item für die Schnellreise um von Lagerfeuer nach Lagerfeuer zu porten. Allerdings sprach die Möglichkeit jederzeit eine Maschine zähmen zu können, für die langen Reisen. Es bereitet eben Spaß mit einem mechanischen Bullen ordentlich Staub in der Wüste auf zu wühlen! Alles in Allem weiß das Spiel seine Vorzüge eben hervorzuheben und mit dem interessanten Setting zu begeistern. Die Geschichte bleibt das ganze Spiel über interessant. Für einige Überraschungen wird hier auch gesorgt. Als ich den Endscreen dann gesehen habe, war es ein wirklich schönes Gefühl, wenn auch ein bisschen Wehmut mitschwang. Insgesamt eine angenehme Spiellänge und auch ein zufriedenstellendes Ende. Ich freue mich auf einen zweiten Teil. Das Potential sollte nicht liegen gelassen werden. Bis dahin kann man auf das erschienene DLC Frozen Wilds zurück greifen. Auch hier wurden neue Maschinentypen eingeführt und Aloy kämpft sich durch weitere verschneite Landschaften. Die Geschichte wird ein wenig erweitert und das bewährte Spielsystem beibehalten.

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