A Plague Tale: Innocence
14.07.2019 von Michael Zmuda
Review
Harte Fakten
  • Emotionale Story
  • Schöne Grafik
  • Tolle Dialoge
  • Stellenweise zu leicht
  • Hölzerne Bewegungen

Schon mal etwas vom Asobo Studio mit Sitz in Bordeaux, Frankreich gehört? Wir nehmen an, die wenigsten unter euch sagen jetzt „natürlich“, dass ist doch das Studio welches unter anderem für die Entwicklung von Monopoly Plus oder Ratatouille verantwortlich war. Aktuell beschäftigen die Franzosen 140 Angestellte und werkelten bis zuletzt an: A Plague Tale: Innocence welches sich für PlayStation 4, Xbox One und PC in Entwicklung befand. Bereits im Vorfeld machten uns Koch Media und Focus Entertainment mit diversen Trailern schon schmackhaft und somit können wir das fertige Produkt schon kaum erwarten. Ob uns der Titel nun vollends überzeugen kann, erfahrt ihr in unserem Test.

Es war einmal in Frankreich..

Unser Abenteuer beginnt im 14 Jahrhundert in einem idyllischen, malerischen Herbstwald in welchem wir die Kontrolle über die junge Amicia de Rune übernehmen, die sich mit ihrem Vater Robert auf der Jad befindet. Bereits hier sorgt der Entwickler für den ersten „Wow-Effekt“ in Bezug auf die grafische Finesse des Titels. Bedenkt man dann noch, dass man sich hier keiner Lizensierten Grafik-Engine bedient hat sondern die Spielwelt durch die Entwicklung einer eigenen Inhouse Grafik-Engine ins Leben gerufen wird  muss man umso mehr Respekt zollen. Es ist einfach wundervoll zu sehen wie die Sonnenstrahlen durch das Geäst der Bäume dringt und die Umgebung in goldenes Licht taucht. Das Laub mit seinen verschiedenen Herbstfarben den Waldboden schmückt und die Vögel zwitschern. Hier ahnen wir noch nichts von der Dunkelheit und Grausamkeit, die uns im späteren Verlauf des Action-Adventures erwarten. Auch die sanften, authentischen mittelalterlichen Lautenklänge, die perfekt zum Setting des Einführungskapitels passen, unterstreichen die weitestgehend heile Welt, die zu diesem Zeitpunkt noch vorherrscht. Wir erfahren einige Details über das Leben der Familie, unter anderem, dass Amicias Mutter mit der Pflege ihres oftmals kränklichen kleinen Bruders Hugo beschäftigt ist. Im Rahmen kleiner Aufgaben machen wir uns mit der grundlegenden Steuerung vertraut und lernen etwa, wie wir Amicias Steinschleuder verwenden, Hindernisse beim Laufen überwinden oder uns unauffällig durch hohes Gras bewegen. Die Steuerung geht dabei sowohl mit Maus und Tastatur als auch mit dem Controller gut von der Hand. Gerade der Umgang mit der Steinschleuder, die genauer wird, wenn wir die rechte Maustaste etwas länger gedrückt halten, überzeugt.

... ist nur von sehr kurzer Dauer

Die Stimmung des Titels kippt schon kurze Zeit später, als wir allein mit Amicia und Familienhund Leon im Wald unterwegs sind, um ein Wildschwein zu jagen. Die Umgebung wirkt sofort deutlich bedrohlicher, und der goldene Lichteinfall ist plötzlich verschwunden. Die unheilvolle Musik lässt ebenfalls nichts Gutes erahnen, als das Bellen des Hundes in der Ferne plötzlich verstummt. Als wir ihn schließlich finden, ragt er schwer verletzt aus einer seltsamen Öffnung im Boden, in der er kurz darauf vollends verschwindet. Wer oder was hinter dem Angriff steckt, ist zunächst unklar. Zurück in der Heimat häufen sich Gerüchte über Vampire, die einige Dorfbewohner gebissen haben sollen. Auch die Pest ist ein allgegenwärtiges Thema in den Gesprächen, die wir im Vorbeigehen aufschnappen.

Die Stimmung wird nicht besser, als wir Amicias Mutter auf dem Anwesen begegnen, die uns auffordert, das Haus zusammen mit Amicias Bruder nicht zu verlassen und die Läden zu schließen, während draußen offenbar merkwürdige Dinge vorgehen. Aus Hugos Zimmer heraus beobachtet Amicia, wie ihr Vater im Hof von einem maskierten Angreifer der Inquisition getötet wird. Dieser sucht, zusammen mit seinen Gefolgsleuten, offenbar nach dem jungen Hugo und gibt Befehl, das Haus zu durchsuchen.

Schwester und Bruder, ein starkes Band

Während der Flucht der beiden Kinder durch das Haus führt das Spiel bekannte Stealth-Mechaniken ein. So verstecken wir uns hinter Tischen, Stühlen sowie Zäunen und warten, bis die Feinde sich umdrehen oder den Raum verlassen. Wir haben außerdem die Möglichkeit, mit Steinen auf metallische Gegenstände zu werfen oder Tontöpfe auf dem Boden zu zerschmettern, um damit für Ablenkung zu sorgen. Wir lernen außerdem, dass beide Kinder über einzigartige Fähigkeiten verfügen. So ist Hugo beispielsweise in der Lage, durch schmale Öffnungen zu kriechen, um verschlossene Türen zu öffnen. Da Hugo deutlich langsamer läuft als seine Schwester, ist es in manchen Situationen zu gefährlich, ihn an der Hand zu führen. Daher können wir ihn bei Bedarf an einem sicheren Ort warten lassen, um allein mit Amicia loszuziehen und auf diese Weise für Ablenkung zu sorgen. Ist die Gefahr gebannt, können wir den kleinen Bruder wieder zu uns rufen. Auch die Umgebung steht den Kindern als Hilfsmittel zu Verfügung. So ist es zum Beispiel möglich, größere Kisten und Karren zu schieben, um auf zuvor unerreichbare Ebenen zu gelangen.

David gegen Goliath

Mithilfe ihrer Mutter gelingt den beiden Kindern die Flucht vom riesigen Anwesen der Familie. Als die drei das rettende Tor erreichen, bleibt die Mama jedoch zurück, um einen weiteren Verfolger aufzuhalten, der sie kurz darauf tötet. Von diesem Moment an sind die beiden Kinder auf sich allein gestellt und müssen in einer Welt, in der es vor Gefahren nur so wimmelt, überleben, indem sie zusammenhalten und ihre Fähigkeiten geschickt einsetzen. Neben der Inquisition ist die Pest, die sich immer weiter ausbreitet, ein ständiger unheilvoller Begleiter. Das Action-Adventure schafft es von Beginn an, mit einer äußerst intensiven Atmosphäre zu überzeugen. Nicht nur die nervenaufreibende Flucht der Kinder vor der Inquisition sorgt für Gänsehaut, auch die Präsenz der tödlichen Krankheit ist wirklich erdrückend. So kreiert die Tatsache, dass die Dörfer zum Großteil verlassen sind und dass sich die Menschen in ihren Häusern verbarrikadieren, ein stetiges Unbehagen.

Außerdem ist es die Hilflosigkeit der Kinder, die die Stimmung noch eindringlicher macht. Alle Feinde, ganz gleich, ob es um die Ritter der Inquisition, um wütende Dorfbewohner oder um die unzähligen Ratten geht, sind übermächtig und von den Geschwistern quasi nicht zu besiegen. Daher bleibt uns keine andere Wahl, als uns zu verstecken, wegzulaufen oder die Gegner auszutricksen. Dennoch müssen wir mit der ständigen Gewissheit leben, dass jede Fehlentscheidung oder jede falsch gewählte Abzweigung den Tod bedeuten kann. Da sich eine direkte Konfrontation allerdings nicht immer vermeiden lässt, warten hier und da spannende Kampfszenen auf uns, in denen wir geschickt ausweichen und unsere begrenzten Mittel im richtigen Moment einsetzen müssen. Die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten, die im Verlauf der Geschichte immer wieder Höhen und Tiefen durchläuft, ist ebenfalls sehr gut in Szene gesetzt.

Vorsorge ist besser als Nachsorge.

In der Spielwelt finden wir verschiedene nützliche Dinge, die wir unbedingt einsammeln sollten. Hierzu gehören Materialien wie Leder, Schwefel und Alkohol oder auch Hilfsmittel wie Werkzeuge und Seile. Finden wir eine Werkbank, haben wir die Chance, die gesammelten Ressourcen sinnvoll zu nutzen. Wir können beispielsweise die Effektivität oder die Nachladedauer der Steinschleuder verbessern und unsere Taschen um zusätzlichen Stauraum erweitern. Außerdem lässt sich unsere Kleidung aufwerten, wodurch wir uns noch leiser und unauffälliger bewegen können. Ein weiteres wichtiges Sammelobjekt sind Holzstöcke. Entdecken wir sie, sollten wir sie stets an uns nehmen und nach einem Feuer oder einer Fackel in der Nähe Ausschau halten. Feuer ist schließlich das einzige Mittel, mit dem wir uns die Scharen von Ratten und damit die Pest vom Leib halten können.

Stimmungsvolle Schauplätze

Grafisch kann A Plague Tale: Innocence weitestgehend überzeugen. Spiegelungen im Wasser sowie der Einsatz von Licht und Schatten sehen glaubhaft aus, und auch die Darstellung der Natur und der darin lebenden Tiere ist sehr ordentlich. Gerade Materialien wie der Stoff der Kleidung oder das Holz, aus dem Türen und Möbel bestehen, glänzen mit realistischen Oberflächen. Nicht so gut gefallen hat uns in erster Linie bei der Darstellung der Figuren. Auch wenn es die Gesichter schaffen, Emotionen im Großen und Ganzen glaubhaft rüber zu bringen, wirken die haare der Protagonisten wie aufgeklebt. Lediglich Amicias geflochtene Pferdeschweif-Frisur bewegt sich hier glaubhaft. Die Bewegung der anderen Charaktere hingegen kann leider nicht vollends überzeugen und wirkt oftmals ein wenig hölzern.

Was uns ebenfalls nicht ganz überzeugen konnte, ist das Verhalten der Ratten. Diese wirken als Ganzes betrachtet definitiv einschüchternd und überwältigend, wenn sie als riesiger Schwarm auf uns zustürmen. Schaut man genauer hin, bewegen sich die Tiere aber wirklich seltsam und sehen alles andere als realistisch aus. Obwohl die Ratten hier in erster Linie symbolisch zu verstehen sind, haben uns die fast wellenartigen Bewegungsmuster etwas gestört.

Fazit

Was soll man da sagen? A Plague Tale: Innocence ist unser (bisheriger) persönlicher Überraschungshit 2019. Quasi aus dem Nichts schafft es das französische Asobo Studio einen glaubwürdigen, spannenden und liebenswerten Hit zu landen welcher aber auch seine traurigen Momente bietet. Man merkt dem Titel schon von Beginn an, an, dass die Entwickler hochmotiviert waren und bis zum Ende blieben. Wir haben selten eine derartig packende, intensivere und emotionale Geschichte erleben dürfen wie es hier der Fall war. Auch das überraschend abwechslungsreiche Gameplay hat es uns angetan welches mit packenden Zweikämpfen punkten kann. Möchte man kritische Punkte aufzählen so wären diese die unnatürlichen Verhaltensweisen der Rattenschwärme oder die etwas hölzernen Bewegungen der Charaktere. Mit zu den Highlights des Spiels zählt ohne wenn und aber der Soundtrack der stets perfekt zur jeweiligen Szene passt. Wir sind gespannt auf das nächste Projekt der Franzosen und bedanken uns für die Zeitreise in das Frankreich des 14 Jahrhunderts in welchem wir spannenden und emotionalen Stunden verbringen durften.

GCult getestet

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