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Yoshi´s Woolly World


Bereits seit dem ersten Trailer konnte mich Yoshi´s Woolly World in seinen Bann ziehen. Umso trauriger wurde ich, als es ziemlich still im den Titel wurde. Bedenken machten sich breit, dass Yoshi´s neues Abenteuer eingestampft wurde. Wie man es bereits von Nintendo gewohnt ist, will gut Ding Weile haben und genau dieser Spruch trifft den Nagel wieder einmal auf den Kopf. Als Nintendo dann endlich wieder bewegtes Filmmaterial und ein Lebenszeichen von Yoshi´s Woolly World in einer seiner Direct-Konferenzen präsentierte, war ich hellauf begeistert. Als dann noch die Yoshi Woll-Amiibos angekündigt wurden, war ich total aus dem Häuschen! Ohne jetzt weiter um den heißen Garn herum zu reden, kann ich bestätigen,  Nintendo strickte mit Yoshi’s Woolly World ein wahres Meisterwerk, welches ohne Flickwerk von Anfang bis Ende begeistern kann. Nörgler können nur mit der Lupe hier und da ein paar unsaubere Nähte erkennen. Der kleine Dino überzeugt nicht allein aufgrund der außergewöhnlichen Optik, sondern auch spielerisch hat er seinen anderen Genrevertretern einiges voraus!

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Die wollige Aussicht, sprich die ungewöhnliche Präsentation steht bei Yoshi’s Woolly World natürlich eindeutig im Vordergrund. Tapsig und niedlich war der Held der Geschichte seit eh und je, doch liebevoll gestrickt lassen seine putzigen Animationen jedes noch so harte Spielerherz dahin schmelzen. Wenn er seine Nase hin und her bewegt, freudige Laute von sich gibt und vor Anstrengung jappst, kommen einem fast schon die Tränen in die Augen. Dabei hat Yoshi allen Grund sauer zu sein, denn der Bösewicht Kamek hat mal wieder all seine Freunde entführt. Bis auf den letzten Faden wurden diese in sechs unterschiedliche Welten verschleppt und zusammen mit dem Helden machen wir uns auf in ein wolliges Abenteuer, um die zahlreichen Artgenossen wieder einzusammeln und dabei einigen Wollgegnern das Strickwerk zu legen.

Einfach zum kuscheln schön!

Bereits die Oberwelt präsentiert sich wie ein Kunstwerk aus Omas Nähstube. Jedes Detail ist gestrickt, wurde mit geschickten Händen zu Formen vernäht und liefert einen Augenschmaus, bei dem jede Großmutter leuchtende Augen bekommt. Selbst jede Auswahl in den Menüs gleicht dabei einem kunstvoll dekorierten Aufnäher. Alles ist wie aus einer Bastelstube: Ob nun die zahlreichen Gegner des Dinos oder auch nur diverse Objekte. Alles ist liebevoll erstellt, animiert und äußerst kreativ umgesetzt. Verleibt Yoshi zum Beispiel die kleinen Shy Guys ein, so zieht er an einem losen Faden des Gegners und wickelt diesen rasch zu einem Wollknäuel auf. Mit diesem Knäuel wiederum wird der Piranhapflanze das Maul verbunden oder kurzerhand Schnuffi gehäkelt und damit zum Leben erweckt. Man muss ganz ehrlich die Welt des kunterbunten und abwechslungsreichen Woll-Atolls mit eigenen Augen gesehen haben, um die Faszination dieses Spieles wirklich auszumachen.

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Nintendo steckte sehr viel Aufwand in die Präsentation was sich in zahlreichen Details offenbart. Die Augen sind angenähte Knöpfe, der Boden drückt sich durch Yoshis Gewicht durch und selbst das Wasser kräuselt sich wie Bindfäden. Dennoch haben die Entwickler dabei nicht den Blick auf das Wesentliche verloren und spieltechnisch ein leicht zu lernendes, aber für Sammler und Leute, die gerne alles vervollständigen, ein schwer zu meisterndes Jump’n’Run auf die Beine gestellt. Wer bereits Yoshi’s Island und Nachfolger in den Händen gehalten hat, wird mit der grundsätzlichen Spielmechanik sofort vertraut sein. Yoshi rennt, springt und klettert durch aufwendige, spielmechanisch in 2D gehaltene Welten und erwehrt sich seiner Feinde mit einer flotten Stampfattacke oder den Wollknäuels, die er zielgerichtet durch die Gegend werfen kann. Daran hat sich auch in Yoshi’s Woolly World rein gar nichts verändertet.

Die bunten Welten bergen wie eh und je aber vor allem zahlreiche Geheimnisse. Versteckte Pfade, geheime Röhren und unsichtbare Fragezeichen. Es gibt wahrlich eine Menge zu entdecken. Erblickt Yoshi einen losen Faden, sollte er daran mit seiner gefräßigen Zunge ziehen. Oftmals kann man Masche für Masche ein Teil der Umgebung auf zwirbeln und dabei versteckte Blumen, Rubine und Wolle ergattern. Finden man in einer Welt sechs besondere Wollknäuel, wird ein neuer Dino-Kollege gestrickt, in dessen Outfit der Spieler schlüpfen darf. Nintendo hat die Handarbeit der Grafik also nicht nur rein der Optik wegen in das Spiel gebracht, sondern auch spielerische Elemente daraus geschaffen – etwas, woran es Kirby in seinem Knetmassenauftritt deutlich mangelte. Das zieht sich bis zu den Bossen hin durch. Dem dicken Endboss wird im Kampf die Hose ausgezogen, in dem eine gehäkelte Reihe nach der anderen aufgetrennt wird, bis sich dieser schämend in die Ecke stellt. Anderen Gegnern wiederum verbindet man das Maul, bis diese wutentbrannt zu Boden gehen und ihre Schwachstelle offenbaren.

Unterhaltung auf hohem Niveau!

Kenner werden zahlreiche Gegner wie auch so manchen Boss sicherlich wiedererkennen, doch das trägt ungemein zum Charme von Yoshi’s Woolly World bei. Langeweile kommt dennoch kaum auf. Jede neue Welt offenbart weitere witzige und tolle Dinge, die vorher keine Rolle spielten. Andere Wesen treiben ihr Unwesen und Yoshi wird immer wieder vor der Herausforderung stehen, neue Taktiken anzuwenden. Normalerweise zwirbelt er den Garn auf und der Gegenüber ist reif für die Stricknadel, später aber prallt seine klebrige Zunge an Stacheln und ähnlichem ab. Thematisch wurden die sechs Welten typisch angesiedelt doch auch hier beweist Nintendo außerordentlich viel Kreativität. Die Wüste besteht halt nicht nur aus Sand und sengender Sonne, sondern auch Pyramiden, tiefen Höhlen und so mancher Oase. Innerhalb der Pyramide schafft es Nintendo sogar, das wir uns verlaufen und die Orientierung verlieren und wirklich grübeln müssen, um den Ausgang zu finden.

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Jede neue Welt bietet stets neue Aussichten und nicht nur optische Abwechslung aufgrund von paradiesischen Inseln, Schattenwelten und bitterkalten Schneelandschaften, die mit Pudelmützen ausgestattet sind. Gibt sich Yoshi’s Woolly World vornehmlich als rein rassisches 2D Jump’n’Run mit kunstvoller dreidimensionaler Optik, überrascht uns Nintendo hin und wieder auch mit tiefgründigeren Szenen. In manchen Labyrinthen durchwandert Yoshi eine Türe und der Level wendet sich um 180 Grad und zeigt uns nun die Rückseite dessen, was vorher den Hintergrund darstellt.

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Hin und wieder kann man auch schemenhaft Plattformen in der Ferne ausmachen, nur um im nächsten Moment mit der Kanone direkt diesen entgegen geschossen zu werden. Nicht selten löst sich der putzige Dino auch in seine fadenscheinigen Einzelteile auf und wird zur neuen Form gestrickt. Ob nun als Gozilla-Yoshi, Motorad-Yoshi oder gar anderer Verwandlungen, alles ist geradezu grandios umgesetzt und sorgt für unglaublich viel Abwechslung.

Das Ende der Wollfadens kommt schnell

Leider, und das ist mit Sicherheit einer der wenigen wirklichen Kritikpunkte des Spiels, ist das Abenteuer zusammen mit Yoshi und seinen Artgenossen auch schnell wieder vorbei. Es ist keineswegs ein Spaziergang und wir haben gar mehr Zeit bis zum vorläufigen Finale des Abenteuers mit dem flauschigen Kerlchen verbracht als seinerzeit mit Mario in seinem grandiosen Wii U Ausflug. Das liegt aber vor allem an der Entdeckernatur und dem Sammlertrieb, alle Blumen, Münzen, Stempel und was es nicht noch alles versteckt in den Welten gibt, einzusammeln. Wer nur stur durch die kunstvollen Welten flitzt, wird an einem Wochenende alles erledigt haben.

Aber Kenner versuchen auch jeden Bonus freizuschalten und werden an den kniffligen Aufgaben durchaus zu knabbern haben und sollte dabei auch einen Partner zur Hilfe holen. Denn nur kooperativ kann wirklich jedes Geheimnis aufgedeckt werden, das Gameplay wird dadurch etwas hektischer und unkontrollierter, der Spielspaß ist dennoch eine Schippe höher als im Solomodus. Der eigentliche Schwierigkeitsgrad ist von Anfang an nicht zu leicht, aber auch nie überfordernd, und steigt im Laufe der eher durchschnittlichen Geschichte stetig an. So kommen Kenner wie auch Neulinge gleichermaßen flott mit dem putzigen Kerlchen zurecht.


 

Fazit

Was soll ich sagen?! Das Warten hat sich wieder einmal gelohnt! Yoshi´s Woolly World ist wieder einmal einer dieser Titel, auf den Sony PlayStation oder Xbox One „only“ Besitzer neidisch herüberblicken können. Wenn Nintendo seine Wii U schon auf eigene Faust mit frischer Software versorgen muss, dann schon mit qualitativ hochwertiger Software!

Yoshi´s Woolly World ist der Yoshi´s Island Nachfolger den sich alle Fans so sehnsüchtig gewünscht haben und auch Serien-Neueinsteiger werden sich sofort in das süße grüne Nintendo-Maskottchen verlieben! Brillante Optik, spaßiges Gameplay und allerlei Geheimnissen die es zu entdecken gibt. Genau das macht den Titel zu einem absoluten „Must-Have“ für die Nintendo Wii U!

Plattform Wii U Genre Jump & Run
Publisher Nintendo Release 26. Juni 2015
Entwickler Nintendo USK-Freigabe freigegeben am 0 Jahren
sonstiges • Möglichkeit für Koop
• Spielzeit je nach Können von 10 bis 14 Stunden
• Wolle so weit das Auge reicht
• Toll diese Liebe zum Detail

 


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