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Yooka-Laylee


Es gibt wohl kaum einen anderen Videospielentwickler (Nintendo selbst einmal außen vor gelassen) welcher das Nintendo 64 mit einer vergleichbaren Menge und qualitativ hochwertigen und unvergesslichen Titeln versorgt hat wie die englische Softwareschmiede Rareware. Eine der Marken schlechthin stellte die Banjo Kazooie Reihe dar, welche unter vielen Spielern sogar als besseres Super Mario 64 gehandelt wird. Nach der mehr oder weniger feindlichen
Übernahme seitens Microsoft im Jahr 2001 konnte Rare nicht mehr an die Qualitativ hochwertige Software der 90iger anknüpfen und auch das lange ersehnte Banjo Treeie (Banjo Kazooie Nuts and Bolts) konnte die hohen Erwartungen der Jump & Run Fans nicht erfüllen. Dies mag hauptsächlich damit zusammenhängen, dass das Rareware Team in seiner ursprünglichen Besetzung nicht mehr existiert und die kreativen Köpfe bei anderen Entwicklern ihre Brötchen verdienten. Als dann im letzten Jahr bekannt wurde, dass ein paar ehemalige Rareware Veteranen einen spirituellen Nachfolger zu Banjo & Kazooie planen und über Kickstarter Finanzhilfen suchen, zögerten viele Fans der Reihe (mich mit einbezogen) nicht lange und ließen der Startup Firma Playtonic-Games eine Finanzspritze zukommen. Es dauerte nicht lange und die Entwicklungskosten waren gedeckt und der Startschuss für Yooka-Layle fiel.
Ursprünglich war lediglich eine Veröffentlichung in digitaler Form geplant doch mit Team 17 konnte sogar ein Publisher gefunden werden der den Titel in den Einzelhandel bringt. Nun ist es endlich so weit! Das ungleiche Paar aus Chamäleon und Fledermaus möchte den Charme der 90er Jahre J&R auf PlayStation 4, Xbox One und PC versprühen. Die angekündigte Wii U Version viel aufgrund der schwachen Hardware der Nintendo Konsole aus, an einer Nintendo Switch Version wird allerdings schon mit Hochdruck gearbeitet und soll im Sommer 2017 nachgereicht werden. Ob die Formel im Jahr 2017 noch überzeugen kann, erfahrt ihr in unserem Test.

Mehr als nur bedrucktes Papier!

Nachdem ihr das Spiel begonnen habt, lernt ihr direkt den Bösewicht Capital B kennen, der sich im Gespräch mit seinem Untergebenen Dr. Quack befindet. Ihr erfahrt, dass der Doktor eine Technologie entwickelt hat, mit der er alle Bücher der Welt stehlen und das Unternehmen von Capital B dadurch zur einzigen Anlaufstelle für Lektüren jeder Art machen kann.
Nach einem Ortswechsel trefft ihr auf die beiden Hauptcharaktere des Spiels, auf Yooka, einem Chamäleon, und seine Freundin Laylee, einer Fledermaus. Die beiden befinden sich auf einem alten Schiffswrack, das sie gerade frisch renoviert haben. Dabei ist Laylee auf ein ganz besonderes Buch mit goldenen Seiten gestoßen, von dem sie glaubt, dass es sehr wertvoll ist. Als die Fledermaus allerdings laut darüber nachdenkt, das Buch zu verkaufen, macht sich dieses
kurzerhand aus dem Staub und lässt die beiden Freunde verwundert zurück. Sie zögern nicht lange, bis sie die Verfolgung aufnehmen, die sie wenig später zu einem verschlossenen Tor führt. Dort treffen sie auf den Verkäufer Trowzer, eine Schlange, von der sie sich Informationen über den Aufenthaltsort des entflohenen Buches erhoffen. Da Trowzer aber Geschäftsmann ist, lässt er sich diese Infos natürlich auch etwas kosten und bittet euch, ihm fünf Federn zu bringen, die ihr in den überall in eurer Nähe verteilten Truhen finden könnt. Bei dieser Gelegenheit lernt ihr auch gleich die grundlegende Steuerung kennen und könnt euch außerdem ein wenig in der Umgebung umsehen.
Ist die Aufgabe erfüllt, erklärt Trowzer, dass sich das Buch durch das Tor in Richtung der nahe gelegenen Firma Hivory Towers bewegt hat, die wohl einen sehr zweifelhaften Ruf inne hat. Netterweise öffnet euer Schlangenfreund kurz darauf einen besagten Durchgang, sodass ihr eure Suche fortsetzen könnt. Ob die beiden Freunde auf dem Gelände des zwielichtigen Unternehmens tatsächlich ihr Buch finden und was es genau mit dem Plan des fiesen Capital B auf sich hat, erfahrt ihr im Laufe einer langen Reise, die euch an viele verschiedene bunte Orte bringen wird.

Open World meets Jump ’n‘ Run

Beim Erkunden der Spielwelt könnt ihr auf unterschiedliche Bewegungsarten zurückgreifen, um sämtliche Winkel der einzelnen Areale zu erreichen. So steht euch beispielsweise ein Doppelsprung zur Verfügung, der beim Überwinden von größeren Abgründen hilfreich ist. Weiterhin werdet ihr immer wieder vor Hindernissen stehen, bei denen ihr euch ducken müsst, um sie zu passieren und euren Weg fortzusetzen. Darüber hinaus ist es auch möglich, durch Seen oder Tümpel zu schwimmen oder auch zu tauchen. Wenn ihr untertaucht, könnt ihr hin und wieder spezielle   Unterwasserwege entdecken, über die sich neue Areale erreichen lassen. Bei dieser Bewegungsform müsst ihr allerdings die Sauerstoffanzeige im Blick behalten.
Im Spielverlauf geht es nicht nur darum, die große offene Spielwelt zu erkunden, es warten auch diverse Rätsel sowie abwechslungsreiche Jump-’n‘-Run-Passagen auf euch. Hier müsst ihr unter anderem auf sich bewegende Plattformen springen oder unterschiedliche Kletter- und Balance-Aufgaben bestehen, um zum gewünschten Zielort zu gelangen.
Darüber hinaus hält der Titel zahlreiche Nebenaufgaben und Herausforderungen für euch bereit, darunter anspruchsvolle Wettrennen gegen Computergegner.
Während die Steuerung in der Regel reibungslos funktioniert, präsentiert sich die Kameraführung immer wieder als etwas störrisch und hinderlich, wodurch diverse Kletter-oder Sprungpassagen schwieriger werden, als sie es eigentlich sein müssten. Zwar ist es möglich, die Kamera mit dem rechten Stick zu drehen, allerdings hilft euch das auch
nicht in allen Situationen weiter.

Mit neuen Fähigkeiten zum Erfolg!

Die Gegner, auf die ihr in eurer Umgebung trefft, greifen euch an, sobald sie euch erblickt haben. Die Kämpfe beschränken sich dabei weitestgehend auf das wiederholte Betätigen der Angriffstaste sowie auf das Einsammeln von Schmetterlingen um euch herum, mit denen ihre eure Lebensenergie wieder aufladen könnt. Die Schmetterlinge findet ihr darüber hinaus in Kisten oder Fässern, die sich mit einer Angriffsbewegung zerstören lassen. Des weiteren halten die Kisten immer wieder Federn für euch parat. Diese solltet ihr fleißig sammeln, da ihr mit ihnen neue Fähigkeiten freischalten könnt. Sobald ihr genug beisammen habt, meldet sich euer Freund Trowzer bei euch und informiert euch darüber, dass ihr jetzt eine neue Fähigkeit bei ihm kaufen könnt.
Trowzer ist nicht nur ein knallharter und fähiger Geschäftsmann, sondern überzeugt auch als netter Kerl, der durch seinen Sprachfehler weitere Sympathiepunkte einfährt und euch immer wieder bestimmte und nützliche Fähigkeiten überlässt, wenn ihr ihn mit der Währung des Spiels, den sogenannten „Federn“ bezahlt. Hin und wieder lässt er allerdings auch etwas kostenlos springen. Dies geschieht, sobald ihr einen der sogenannten Großwälzer in den Spielwelten entdeckt und freigeschaltet habt. Dabei handelt es sich um riesige Bücher, die als Portal zu anderen Bereichen der Spielwelt fungieren. Um mit ihnen reisen zu können, benötigt ihr eine gewisse Anzahl an schwebenden Seiten, die als „Pagies“ bezeichnet werden. Diese findet ihr ebenfalls an zahlreichen Orten in eurer Umgebung und könnt sie außerdem bei diversen Nebenaufgaben oder Herausforderungen gewinnen. Im späteren Verlauf des Spiels habt ihr die Wahl, ob ihr eure Pagies einsetzen wollt, um neu entdeckte Großwälzer freizuschalten, oder ob ihr lieber die bereits verfügbaren um zusätzliche Aufgaben erweitern wollt. Dies bietet euch die Möglichkeit, eure Lieblingsareale um neue Missionen zu ergänzen und euer Spielerlebnis
dadurch zu individualisieren.

Idyllisch und Farbenfroh, das ist Yooka-Laylee!

Die grafische Darstellung des Spiels erinnert an Titel wie Disney Infinity und ist klar und deutlich auf eine sehr junge Zielgruppe zugeschnitten. Die Umgebung verbreitet durchgehend eine positive Stimmung, die nicht nur durch die vielen bunten Farben, sondern auch durch Details wie umherfliegende Schmetterlinge oder Glühwürmchen sowie die gewählte instrumentale Hintergrundmusik entsteht. Diese setzt verstärkt auf rhythmisch beschwingte Melodien, bei denen Instrumente wie Streicher oder Flöten im Vordergrund stehen.
Dadurch, dass sich zum Beispiel die Blätter im Wind bewegen oder im Hintergrund das Zwitschern der Vögel zu hören ist, wirkt die Spielwelt sehr lebendig. Die Sträucher, Bäume, bewachsenen Felsen oder Flüsse kreieren darüber hinaus eine sehr angenehme Atmosphäre, die zum entdecken und erkunden einlädt. Der wohl größte Negativpunkt stellt die Umsetzung der Dialoge dar, denn die unterschiedlichen Charaktere kommunizieren nicht über eine richtige Sprache oder Fantasiesprache, sondern geben seltsame und nervende Laute von sich. Zu allem Überfluss lassen sich selbst bereits angesehene Dialoge nicht durch das Drücken einer Taste überspringen.

Spass zu zweit!

Freunde des kooperativen Spielens wird es sicher freuen, dass sich das gesamte Abenteuer zu zweit bestreiten lässt. Play-Tonic hat ebenfalls Zeit gefunden das Spiel mit diversen Retro-Minispielen auszustatten. Diese um ehrlich zu sein bieten allerdings leider nicht die Qualität, die das Hauptspiel hat. Sie sind nettes Beiwerk und können sowohl alleine als auch mit bis zu vier Spielern lokal in Angriff genommen werden. Diese reichen von Flippervariationen über Retro-Weltraum-Spiele bis hin zu Rennstrecken mit Hindernissen, denen ihr immer wieder ausweichen müsst, um den Highscore zu knacken.

Yooka-Laylee Launch Trailer:

Fazit:

Als Kind der PSX und Nintendo 64 Ära kam ich mit Yooka-Laylee voll auf meine Kosten und wurde positiv überrascht, dass sich der Titel so sehr nach Rareware anfühlt. Das erste Spiel von Playtonic fühlt sich allesamt mehr nach Rare an als alle bisher erschienenen „neuen“ Titel die das „echte“ Rare auf Xbox und Xbox 360 veröffentlicht hat.
Grafisch über jeden Zweifel erhaben, macht der geistige Banjo-Kazooie Nachfolger technisch vieles richtig, auch wenn er nicht zu den technisch aufwändigsten PlayStation 4 oder Xbox One Titeln zählt. Hin und wieder bockt zwar die Kamera oder ruckelt es, doch Playtonic bekommt das Spiel durch den mittlerweile zweiten Patch
in die richtigen Bahnen. PlayStation 4 Pro Besitzer haben mit Framerateeinbrüchen allerdings nicht zu kämpfen. Mittlerweile sollte bekannt sein, dass Yooka-Laylee es nicht mehr auf die Nintendo WiiU schafft und für Nintendos neue Hybrid-Konsole die Nintendo Switch umgesetzt wird. Hier hat der englische Entwickler die Möglichkeit sich die
Kritik der Spieler und Tester zu Herzen zu nehmen und eine „Master-Edition“ zu veröffentlichen. Die Nintendo Fans würden es ihnen danken und ich freue mich auf den nächsten Streich von Playtonic! Potential ist da und es muss nur
weiterhin genutzt werden.

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