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Uncharted 4 – A Thief’s End


Die Behauptung, dass die PlayStation 4 nach wie vor unter akutem Mangel an Exklusivtiteln leidet, hält sich immer noch hartnäckig. Für viele stellt den letzten Kracher From Softwares Bloodborne dar. Eigentlich könnte es Sony egal sein, die PlayStation 4 verkauft sich trotz des angeblich mageren Angebots an Exclusives wie geschnitten Brot und enteilt der Konkurrenz in punkto Verkaufszahlen Tag für Tag. Nintendo hat bereits aufgegeben und auch Microsoft versucht „das Beste“ aus der Situation des Zweitplatzierten zu machen. Wo sollen die guten Verkaufszahlen noch hinführen, wenn erst einmal der sehnsüchtig erwartete vierte Teil der Uncharted Reihe aus dem Hause Naughty Dog erscheint? Das der amerikanische Entwickler, der unter anderem auch hinter der Erfolgsgeschichte um The Last of Us steckt, Großes mit dem finalen Ableger der Serie um Nathan Drake vor hat, hatte zur Konsequenz, dass der Titel bereits zwei Mal kurz vor seiner Veröffentlichung verschoben wurde. Ob Uncharted den Ansprüchen Naughty Dogs und seinen Millionen Fans in aller Welt gerecht wird, erfahrt ihr in unserem Test.

Alle guten Dinge sind vier?

Bereits mit den drei Originalfassungen welche auf der PlayStation 3 erschienenen und mit der geremasterten Nathan Drake Collection, die Ende des Jahres 2015 auf die PlayStation 4 gebracht wurde, um denen, die die Serie bis Dato noch nicht kannten, von ihrer Qualität zu überzeugen und somit als neue Fans zu gewinnen, schaffte es Naughty Dog sich von Titel zu Titel qualitativ zu steigern und insbesondere was die grafische Präsentation betraf die Messlatte sehr hoch zu legen. Doch nicht nur die Technik konnte bisher immer überzeugen, auch der Spielspaß kam noch nie zu kurz und so war immer erstklassige Unterhaltung geboten. So, da ist er nun, der sehnlichst erwartete vierte Teil! Naughty Dog hat bereits mit The Last of Us – Remastered ein wenig mit Sonys aktueller Hardware die technischen Möglichkeiten ausloten können und ist somit bestens gewappnet, ein grafisches Feuerwerk zu entzünden!

Nathan Drake ist ein Dieb, jedoch kein Dieb der Leute bestiehlt, die es nicht verdient haben sondern denen, denen es nicht wehtut. Er ist quasi der moderne Robin Hood. Jedoch stiehlt er nicht um anderen damit Gutes zu tun, sondern mit dem erbeuteten Diebesgut auf Schatzsuche zu gehen. Bis dato wurde Nathan und sein Compagnon Sully dadurch aber lediglich reich an Lebens- und Abenteuererfahrungen. Schätze wurden auch zu Hauf entdeckt, aber am Ende standen die beiden leider immer mit leeren Händen da.

Widmen wir uns kurz seinen vorangegangenen Abenteuern. Da wäre zum ersten die Entdeckung von «El Dorado» zum zweiten, «Shangrila» und zum dritten die legendäre Wüstenstadt Iram. Im nunmehr vierten Teil begibt sich Drake auf die Suche des sagenumwobenen Piraten-Fürsten Henry Avery samt seinen Dutzenden von Decknamen und Aliasen. 400 Millionen Dollar soll dessen Anhäufung von Reichtümern wert sein, was naturgemäß dazu führt, dass sich alle möglichen Parteien um das Ergattern der Avery-Hinterlassenschaft zanken.

Wie wir uns das bereits quasi aus Tradition gewohnt sind, verläuft die Suche nach den Reichtümern nicht ganz so wie ursprünglich geplant, soweit man das von einem Unterfangen dieser Art überhaupt sagen kann. Mit diversen Twists, unvorhersehbaren Wendungen und einer ganzen Bandbreite von schmucken Schauplätzen serviert uns Naughty Dog hier Erzählkunst in interaktiver Form der Extraklasse. Was sofort aufällt, ist wie sehr Uncharted 4 von The Last of Us beeinflusst wurde und das steht dem neusten Teil ausgezeichnet!

Uncharted ist dennoch das, was Uncharted ausmacht. Dazu gehören auch die liebevollen Charaktere, der Humor und das Gameplay. Doch die besondere Würze geben die Elemente die aus The Last of Us implementiert wurden. Ohne zu viel preiszugeben: Neben dem üblichen Witzen weht den Charakteren auch des Öfteren ein etwas eisigerer Wind ins Gesicht, der Konflikte der Figuren sichtbar macht, und der Handlung sehr gut steht.

Der Mix machts!

Das Gameplay von Uncharted 4 nimmt die guten Elemente der Vorgänger auf, perfektioniert sie und fügt eine Reihe von neuen Features hinzu, welche sich fließend ineinanderfügen und Sinn machen.

Besonders erwähnenswert finden wir hierbei:

  • Schätze: Nach wie vor eine große Motivation die einzelnen Areale auf Herz und Nieren zu überprüfen sind die seit dem ersten Teil süchtig machenden Schätze die überall in Uncharted 4 versteckt sein können. Diese sind zwar für das Weiterkommen in der Geschichte nicht von Bedeutung, sind aber schön gestaltet und man freut sich immer wieder wenn man den ein oder anderen entdeckt.
  • Wurde in der Vergangenheit noch bemängelt, dass die Spielwelt zu „schlauchig“ war, bietet Uncharted 4 nun viel offenere, weitläufigere Gebiete: Im Klartext bedeutet das, dass es nun mehrere Wege gibt, auf den weiterführenden Pfad zu kommen, das gleiche gilt für die Kletterpassagen welche wesentlich aufwändiger gestaltet wurden und das Gameplay positiv beeinflussen. Ein neues Gimmick ist ebenfalls dabei. Nämlich das Kletterseil. Und das macht sogar richtig Laune und bringt ordentlich Nervenkitzel.
  • Gefechte: Das Gunplay präsentiert sich satter und knackiger als je zuvor. Was bereits früher funktioniert hat, wurde nicht angerührt. Kleine, sinnvolle Ergänzungen bereiten Freude. Neu und spaßig ist hingegen die Möglichkeit seine Widersacher durch Sprünge von oben auszuschalten und dabei deren Waffe an sich zu reissen.
  • Push the Button: Pluspunkte verdient sich das Spiel mal wieder mit seinen stimmig gestalteten Gräbern und Gruften. Nach wie vor gilt es, die recht einfachen, oftmals auf Beobachtungsgabe basierenden Rätsel wie Geheimtüren, Schaltermechanismen und Kombinationsschlösser zu lösen. Freunde schwerer Rätsel werden auch dieses Mal nicht viel Hirnschmalz brauchen um in der Geschichte voran zu kommen. Für unseren Geschmack stimmt hier die Balance nach wie vor.
  • Auf leisen Sohlen: Des Öfteren bietet Uncharted 4 Stealth-Passagen, in denen es ratsam ist, nicht mit der Brechstange die direkte Konfrontation mit dutzenden Widersachen zu suchen sondern mit Bedacht, so stößt man auf weniger Gegenwehr und kann sich schöne Taktiken ausdenken um die Kämpfe für sich zu entscheiden. Wer will kann selbstverständlich auch mit der Brechstangentaktik in die Kämpfe wagen und aus allen Rohren feuern. Diese Rambomanier hat in der Regel eine höhere Todesrate zur Folge.

 

Der technischen Mehrleistung der PlayStation 4 ist unter anderem eine realistischere Physik,  sowie Zerstörungsmöglichkeiten zu verdanken. So wirkt die gesamte Umwelt noch lebendiger und realistischer. Ein kleines Beispiel gefällig? So rutschen Geröllhaufen physikalisch korrekt bergab und kommen langsam zum Stehen. Wenn Nate schlammige Steigungen versucht zu besteigen, rutscht er jedes Mal anders ab und landet dann verdreckt auf seinen vier Buchstaben und seine Kleidung und Körper werden schmutzig. Zerstörbare Umgebung ist zwar nichts neues, doch die Resultate, die die Pulverisierungen mit sich bringen, sind beachtlich. So können die herumliegenden Trümmer dazu führen, dass man davon behindert wird und somit während der Kämpfe in die Bredouille kommen kann.

Keine Experimente!

Nein, so kann man das nicht sagen. Naughty Dog hat Uncharted viel neues spendiert, ohne das es fremd wurde. Die Liebe zum Detail lässt sich vom Anfang bis zum Ende sehen und spüren. Ob es nun die realistischen Charaktere, die Umwelt oder die phänomenalen Licht- und Wassereffekte sind. Die Share-Taste des Dualshock 4 Controllers wurde während des Tests so sehr beansprucht wie noch nie zuvor. Trotz der opulenten Technik die Uncharted 4 bietet, die PlayStation 4 gerät nie ins Straucheln und das gesamte Spiel kommt nach einer kurzen Ladezeit wie auch seine Vorgänger ohne weitere Ladezeiten aus. Selbst wenn man einmal das zeitliche segnet, geht es nach circa 3 Sekunden wieder direkt weiter.

Durch das fantastische Motion Capture wirken die Figuren nahezu lebensecht, und ergänzen die feinste Grafik bis in jede Baumwipfelspitze und jede Schuhsohle. Mehr als Worte sagen dazu sicherlich Bilder, entsprechend sollte man sich auch diesen widmen:

Doch bewegte Bilder sagen mehr als tausend Worte!

Fazit

Freude überkam mich als ich endlich die Blu Ray von Uncharted 4 in meine PlayStation einlegen durfte. Ich war heiß wie Frittenfett und wusste was mich erwarten würde, denn Naughty Dog hat mich persönlich noch nie enttäuscht. Mein persönliches, größtes Highlight seit der Veröffentlichung der PlayStation 4. Um die maximale Spieldauer des Singleplayers auskosten zu können, startete ich bereits auf sehr schwer und nach 18 Stunden überkam mich eine tiefe Trauer. Eine der Videospielserien welche mein Hobby zu dem macht was es ist, war nun offiziell am Ende angelangt. Naughty Dog hat Uncharted 4 das Ende spendiert, welches es verdient hat und seinen Mitbewerbern in vielerlei Hinsicht eine Lehrstunde erteilt. Die Messlatte wurde wieder einmal sehr hoch gelegt und zukünftige Titel anderer Entwickler welche in einer Auflösung unter 1080p und unter 30FPS bei einer deutlich geringeren grafischen Klasse erscheinen werden, sollten sich selbst hinterfragen. Wir sind auf den Story DLC gespannt welchen uns Naughty Dog noch für Uncharted 4 verprochen hat und fiebern bereits jetzt schon The Last of Us 2 entgegen!


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