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Tom Clancy’s The Division


Eine Stadt unter Quarantäne, ein Pockenvirus den es einzudämmen gilt, jede Menge Loot und noch mehr Agenten, die auf eben jenen Loot scharf sind. Willkommen in Manhattan.

Nachdem Terroristen einen Großteil von Manhattans Bevölkerung dahingerafft und die Stadt verwüstet hat, ist es nun an der „Strategic Homeland Division“, bzw. deren Agenten, wieder Ordnung ins Chaos zu bringen und selbstverständlich übernimmt der Spieler die Rolle eines dieser Agenten. Dabei bewegt man sich in gewohnter Ubisoft Manier von Stadtteil zu Stadtteil, erledigt Haupt- sowie Nebenmissionen und sammelt im Vorbeigehen jede Menge Kleinkram auf. Jedes herumliegende Handy, Videoaufnahmen oder durch das Rekonstruieren sogenannter Echos wird der Story an Substanz verliehen. Jedoch bleibt diese trotzdem bis zum Ende hin überschaubar, echte Wendungen bleiben aus, trotz des grossen Namens im Hintergrund. Was aber auch gar nicht so sehr stört, hat man doch eine ganze Menge zu tun. Abseits der Missionen stößt man gerne mal auf einen sogenannten Encounter, muss freundliche gesinnte Einheiten unterstützen, ein Terroristenlager ausreuchern oder abhandengekommene Medizinkisten wieder einsammeln. Im Gegensatz zu den recht abwechslungsreichen Haupt-Missionen, geht den Begegnungen und Nebenmissionen relativ schnell die Puste aus, da sie sich zu stark wiederholen. Im Grunde hat jeder Stadtteil jeweils ein bis zwei Varianten eines jeden Missionstyps und spätestens ab der Mitte hat man sich daran sattgesehen. Dazu kommt, das diese Mini-Missionen sich vor allem gegen Ende immer weiter ziehen, indem mehr Gegnerwellen auftauchen, mehr Abwurfkisten beschützt werden müssen oder die Medizin noch weiter vom Sammelpunkt entfernt liegt. Letzteres nervt besonders, da man mit einem Medizinkoffer in der Hand nur seine Pistole benutzen kann und nur noch im Schneckentempo vorankommt. Ganz anders sind da die Division-Aufträge, von denen einer schonmal eine halbe Stunde dauern kann. Dabei reicht die Auswahl von Infiltrierung eines Konsulats über das Wiederinbetriebnehmen von Gaspumpen bis hin zu einem nervenaufreibenden Kampf mit einem Hubschrauber.

Während man nun also durch Manhattan stapft, wird man nicht umhinkommen, die Grafik zu bestaunen. Mag sein, dass sich im Vergleich zum Ankündigungstrailer und den ersten Spielszenen einiges verändert hat, aber trotzdem ist das Spiel noch sehr schön anzusehen. Vor allem die Lichtstimmung und Atmosphäre hat Massive sehr gut hingekriegt. Wenn bei Tagesanbruch die ersten Sonnenstrahlen die Nebelschwaden durchbrechen und die verschneiten Strassen das Licht spiegeln, sieht das sehr beeindruckend aus. Manche Grafikelemente wie beispielsweise das Mauerwerk oder natürlich Scheiben und Schilder lassen sich detailliert mit Kugeln durchsieben und die Strassen sind vollgepackt mit Details, herumliegendem Müll, zerstörten Autos und stellenweise Passanten, die den Spieler nach einer Flasche Wasser fragen und dafür meist ein Item sowie Erfahrung hinterlassen. An vielen Stellen lassen sich auch die mehrstöckigen Gebäude sowie teilweise die Wohnungen darin betreten und nach nützlichen Gegenständen durchsuchen. Das reicht von Energieriegeln und Wasseflaschen, die nützliche Buffs auslösen, bis hin zu Kleidungsstücken um seinem Agenten einen ganz einen Look zu verpassen.
Bei all dem läuft das Spiel mit nahezu konstanten 30fps (getestet wurde die PS4-Version) und selbst mit drei weiteren Agenten im Coop-Modus inmitten von Gegnerhorden kommt es nur selten zu wirklichen Rucklern. Auch der Wechsel zwischen Single- und Multiplayer funktioniert einwandfrei, in dem man sich einfach Agenten in die Gruppe holt oder umgekehrt zu Freunden in deren Gruppe dazustösst. Ist gerade keiner aus der Freundesliste online, lässt man sich per Matchmaking zufällig mit anderen Spielern ähnlichen Levelbereichs zusammenwürfeln um gemeinsam den Schergen ans Leder zu gehen. Die Kämpfe gestalten sich hierbei wie man es aus gängigen Cover-Shootern kennt: Man geht in Deckung, lehnt sich um die Ecke oder nach oben über die Kante und feuert, nur um sich bei feindlichem Kugelhagel wieder zurückzuziehen. Mitspieler können die Aufmerksamkeit derweil nutzen, um die gegnerischen Truppen zu flankieren und ihnen in den Rücken zu fallen. Dabei sieht man seinen Spielcharakter stets aus der Third-Person-Perspektive, beziehungsweise man schaut ihm über die Schulter, wenn man mit angelegter Waffe feuert. Apropos Feuern, das fühlt sich leider nicht ganz so gut an wie beim Konkurrenten Destiny. Das grösste Problem ist hierbei die Latenz. Da Division die Daten dauernd zwischen Spiel und den Spielservern hin- und herschickt, kann es schonmal vorkommen, dass Gegner erst eine halbe Sekunde später auf Treffer reagieren, was im besten Fall komisch aussieht, im schlimmsten Fall aber stark auf die Atmosphäre drückt. Dabei machen die Ballereien sonst jede Menge Spass, insbesondere in einem eingespielten Team, wenn sich die einzelnen Fähigkeiten untereinander ergänzen.

Der Begriff Fähigkeiten deutet es bereits an, unter der Haube von The Division werkelt ein Rollenspiel-System mit Levelups, Perks und Fähigkeiten. Der Schaden im Kampf hat – abgesehen von Kopftreffern – relativ wenig damit zu tun, wie gut man zielt, sondern welche Ausrüstung man trägt. Diese ist nämlich angereichert mit Statuswerten, die den eigenen Charakter verbessern. So kann man seine Lebenspunkte, den ausgeteilten Schaden sowie die Effektivität seiner Fähigkeiten steigern. Dabei gewinnt man während Missionen und durch besiegte Feinde Erfahrung um irgendwann die derzeitige Maximalstufe von 30 zu erreichen. Dabei ist es nie nötig zu grinden. Solange man die Nebenmissionen und Encounter jeweils mitnimmt, kann man bereits vor der letzten Story-Mission die Höchststufe erreichen. Neue Fähigkeiten erlernt man jedoch nicht über die Levelaufstiege, sondern man schaltet nur Plätze dafür frei. Die Fähigkeiten selbst erhält man, in dem man seine Operationsbasis aufbaut, von der jeder Spieler inmitten der Stadt seine eigene Instanz besitzt. Innerhalb der Basis gibt es drei Flügel – Techik, Medizin sowie Sicherheit – wovon jeder in 10 Stufen ausbaubar ist. Für jede erledigte Story-Mission sowie Nebenmission erhält man eine Ladung Materialien die jeweils zu einem bestimmten Flügel passen und die es erlauben, die gewünschte Station im jeweiligen Flügel auszubauen. Je nach gewählter Station werden dann entsprechend die Perks, quasi passive Fertigkeiten, die immer aktiv sind und die Fähigkeiten, von denen man zwei ausrüsten und mit Mods noch individualisieren kann. Für jeden vollausgebauten Flügel gibt es dazu noch eine besonders starke Fähigkeit, von denen man immer nur eine ausrüsten kann und die zudem noch eine recht hohe Cooldownzeit besitzt. Die Fähigkeiten sind allerdings auch bitter nötig, denn vor allem im späteren Verlaufe des Spiels stellen sich dem Spieler eine ganze Menge Schergen entgegen, die sich widerum in unterschiedliche Typen aufgliedern, erkennbar am Icon neben dem Gesundheitsbalken. Die Bandbreite reicht von Laufburschen über Scharfschützen bis hin zu dick gepanzerten Soldaten, die eine Minigun mit sich rumschleppen. Oft haben vor allem die dick gepanzerten Gegner jedoch Schwachstellen, wie Munitionstaschen oder Benzintanks bei sich, die bei Beschuss in die Luft fliegen und eine ordentliche Menge Schaden verursachen. Das kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass in einem real angehauchten Szenario Schadenszahlen und gegnerische Soldaten, die mehrere Magazine an Beschuss aushalten, sehr gewöhnungsbedürftig.

Wenn man gerade nicht wild um sich schiessend durch Manhattan rennt, oder in einer Mission unterwegs ist, gibt es noch zwei weitere Arten des Zeitvertreibs. Zum einen findet man überall in Manhattan Materialien, mit denen man sich in vier Qualitätsstufen die Ausrüstung selbst zusammenbauen kann, sowie die gross angekündigte Dark Zone. Die Dark Zone erstreckt sich über mehrere Quadranten im Herzen von Manhattan und ist verseucht, beherbert besonders starke Gegner und entsprechend gute Ausrüstung. Sämtliche gefundenen Items innerhalb der Dark Zone können nicht einfach mit nach draussen genommen werden, sondern müssen per Hubschrauber extrahiert werden. Der Clou an der Sache, sobald man in einer der festgelegten Zonen einen Hubschrauber anfordert, werden sowohl die Gegner im Umfeld, als auch alle anderen der bis zu 25 Spieler in der gleichen Dark Zone alarmiert. Denn: Die Dark Zone ist das einzige Gebiet im gesamten Spiel, in der PVP erlaubt ist. Umso grösser ist der Nervenkitzel, wenn man nur noch wenige Sekunden bis zur erfolgreichen Extraktion hat und auf einmal eine weitere Gruppe menschlicher Spieler um die Ecke kommt. Solche Situation sind das klare Highlight von The Division und bringen etwas Abwechslung in die sonst etwas trockene Abfolge von Missionen und Sammel-Items.

Fazit:
Nach dem ganzen auf und ab im Vorfeld kann man mittlerweile sagen, The Division ist ein gutes Spiel geworden, das auch noch verflixt gut aussieht. Besonders die Dark Zone und das Spielen im Coop motivieren für lange Zeit. Gleichzeitig bleibt ein fahler Beigeschmack, denn besonders die Story und etwas mehr Abwechslung hätten dem ganzen gut getan. Auch die an sich sehr spassigen Kämpfe, lassen die bei Kämpfen so wichtige Direktheit vermissen. Ähnlich wie bei Watch Dogs damals ein absolut solider Einstand einer neuen IP mit Luft nach oben.


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