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The Evil Within


Niemand anderes als Shinji Mikami aus dessen Feder die Resident Evil Serie stammt – ist auch der kreative Kopf der neuesten Survival Horror Marke „The Evil Within“. Resident Evil Teil 1 und der vierte Teil gelten als Meilensteine in diesem Genre. Dementsprechend hoch war auch die Erwartungshaltung an sein neuestes Werk. Ob Shinji Mikami es geschafft hat, seine Erfolgsgeschichte nach Resident Evil 4 wiederholen zu können oder sogar zu übertrumpfen, erfahrt ihr in unserem Test.

https://www.youtube.com/watch?v=nxlo67zhOWc

Eine Prise hiervon, eine Prise davon

„Wie erschaffe ich das beste Survival-Horror-Spiel aller Zeiten?“ Eine Frage die sich wohl Herr Mikami gestellt hat. Seine Anwort finden wir in seinem Spiel, und zwar in einer Kombination aus den besten Ideen und Elementen seiner bisherigen. Das führt dazu dass ein Gefühl von „neu“ nicht rüberkommt. Bereits die ersten 15 Minuten stellen ein Déjà-vu dar, welches seinesgleichen sucht. Unser Held ist Polizist, dieser fährt zu einem Tatort und natürlich ist jener Tatort von Leichen übersät

Stoppt mich wenn ich falsch liege, aber ich glaube ein ähnliches Szenario hat sich bereits in einem anderen Videospiel abgespielt, wirklich sicher bin ich mir aber nicht…

Bei diesen „Erinnerungsfetzen“ bleibt es allerdings nicht, denn im Laufe des Spieles werden munter weiter bekannte, erfolgreiche oder ansatzweise gute Videospiele des Genres „Survival-Horror“ in The Evil Within eingebunden.

Eine mysteriöse Nervenheilanstalt in der allerhand Sanitätsaustattung in den Gängen herumfliegt (Outlast), ein Dorf in dem sich verwirrte Bewohner herumtreiben und uns mit Äxten und Gartengeräten willkommen heißen (Resident Evil 4), ein entfernter mystischer Leuchtturm (Alan Wake), Halluzinationen die uns heimsuchen und in denen wir Bekanntschaft mit blutenden Wänden und hässlichen Gestalten machen (Silent Hill). Das haben wir alles schon einmal erlebt und lange ist das nicht einmal her. Selbst Elemente aus Filmen werden kopiert. Da bleibt die berechtigte Frage ob Altmeister Mikami die kreativen Ideen ausgegangen sind?! Oder wie lässt sich dieses „copy and paste“ Szenario sonst plausibel erklären? Vielleicht Inspiration? Hoffen wir es.

Kein Risiko, lieber altbewährtes

Sich auf alte Tugenden zu berufen und seiner Linie treu zu bleiben muss nicht automatisch etwas Schlechtes bedeuten. Kennt man die Spiele aus der Feder Mikamis, stellt man sich jedoch zu Recht die Frage, warum er so wenig Mut zum Risiko aufgebracht hat. Seine einstigen Werke strotzten nur so vor Neuerungen und revolutionierten das Genre. Das Dargebotene in „The Evil Within“ als schlecht zu bezeichnen wäre mehr als nur unfair, denn das Spiel steht auf einem grundsoliden Fundament. Man könnte es als „Dienst nach Vorschrift“ bezeichnen. Die Geschichte rund um ein mysteriöses Virus welches seine Opfer zu willenlosen, entstellten Zombies mutieren lässt, weiß definitiv zu gefallen und an manchen Stellen gefriert einem das Blut in den Adern. Da fast jeder der NPC seine Heimreise in einem Schuhkarton antreten muss, wird der Überlebenskampf unseres gespielten Helden Detective Castellanos greifbar und verständlich. Gefangen in zwei Welten, der realen und der schaurig grotesken Krankenstation, möchte man schon gern wissen, was es nun mit dem Virus auf sich hat. Schade deshalb, dass viele Nebendarsteller blass bleiben und ihre Handlungen dadurch wenig nachvollziehbar werden. Insgesamt bleibt auch hier wieder der Eindruck zurück, als hätte man sich in Raccoon City die Zeit vertrieben (natürlich in einer leicht abgewandelten Form), denn das Dargebotene ist alles andere als erfrischend und neu.

Und weiter geht‘s

Die Story bedient sich dem Einheitsbrei und punktet leider nicht durch Originalität. Das Gameplay bietet da auch keine wirklichen Überraschungen. In bekannter Resident Evil 4 Manier präsentieren sich die Rätsel, Kämpfe und Schleicheinlagen in abwechslungsreichen Außenpassagen sowie beklemmende angsterfüllende Innenräume. Während Leon in Resident Evil 4 mit barer Münze seine Waffen und Updates berappte, so zahlt Detective Sebastian Castellano mit Glasgefäßen gefüllt mit grünem Schleim. Und zwar bei ausreichender Stückzahl kann er seine mentalen, physischen und ballistischen Fähigkeiten aufrüsten. Das passiert an einem Gerät das für die Durchführung des Upgrades an seinem Gehirn „schraubt“. Sehr skurill. Einen großen Unterschied macht das nicht wirklich aus, bis auf die Tatsache, dass das ganze Prozedere bei „The Evil Within“ mehr Zeit in Anspruch nimmt, den man muss für diese Updates extra wieder in die Nervenheilanstalt reisen.

Manchmal hat man das Gefühl das die Balance im Spiel gelegentlich etwas wackelt. Es mag ja sein, dass die Munitionsmenge reduziert werden muss um das Spiel nicht zu einem Ballerspiel werden zu lassen. Jedoch sind stellenweise so wenige Optionen vorhanden, aber dafür überstarke Kreaturen. Nach kurzer Zeit sind stellenweise fast ausweglos Situationen zu bewältigen um seine Haut zu retten und das bereits am Anfang des Spiels. Hier hätte der Einstieg in den Titel durchaus sanfter vonstattengehen können und die Lernkurve weniger steil sein dürfen.

 

Zufriedenheit sieht auch anders aus wenn es um die Gegner geht, die sich unserem Protagonisten entgegenstellen. Unausgewogen wäre hier das richtige Wort. Die Gegner treten gerne in größeren Gruppen auf, aus dem Weg gehen und ignorieren ist daher nur selten möglich. Eine direkte Konfrontation endet sehr oft mit dem Ableben von Sebastian Castellano, den wie bereits erwähnt halten die Gegner einiges aus. Das Zielverhalten der Steuerung ist da keinerlei Hilfe, sondern eher ein Handicap. Das führt dazu das die schon zu knappe Munition gerne mal nicht da ankommt wo sie hin soll. Auch enttäuschend ist die Intelligenz der Gegner, den diese erweist sich dem Rang „Doof wie Bohnenstroh“. Warum? Die Gegner nehmen oft grandiose Umwege auf sich um den Spieler in Angriff zu nehmen. Streng nach dem Motto: „Warum einfach, wenn es auch komplizierter geht.“ Wände sind geliebte Anlaufstellen um sich darin zu verbeißen und selbst durch Fenster und durchsehbare Bereiche werden wir als Spieler nicht wirklich wahrgenommen. Eher ignoriert.

The Power of the Last Generation?

Als John Carmack im Jahre 2007 ID Tech 5 Engine präsentierte und uns den heiligen Gral versprach, fiel uns allen fast die Kinnlade herunter. Im Jahre 2011 veröffentlichte Bethesda die ID Tech 5 Techdemo „Rage“ welche bereits diverse Probleme auf der PS3 und Xbox 360 machte. Matschige, nachladende Texturen waren hier der technische Hauptkritikpunkt. Viele dachten, es sei dem Alter dieser Konsolen geschuldet, dass die Engine auf diesen so ein dürftiges Bild ablieferte. Doch die neue, aktuelle Konsolengeneration mit PlayStation 4 und Xbox One beweist uns leider das Gegenteil. Interessant ist folgender Punkt. Wolfenstein: The New Order basiert ebenfalls auf dem Gerüst der ID Tech 5 Engine und rennt auf der PlayStation 4 und Xbox One mit 60 FPS und in 1080p über die TV-Geräte. Einen ganz anderen Auftritt legt The Evil Within hin, und setzt die fragwürdige Tradition von Rage fort. Der Titel ruckelt und zuckelt unübersehbar und das gewaltig. Selbst nach dem Einspielen des Day One Patches auf PlayStation 4, worauf wir das Spiel hauptsächlich testeten, blieb die Framerate eine Zumutung. Zu unmöglichen Momenten fällt die Zahl der Bildrate gut und gerne auf 10 FPS, trotz der schwarzen Balken am unteren und obigen Bildschirmrand. Diese sollen zwar das Spiel filmemässig rüberbringen, aber bei solchen Einbußen kommt das Gefühl nicht wirklich runter. Trotz weniger Effekte und Polygone. Trotz der Power der aktuellen Generation. Trotz der schwarzen Balken.

Unter diesen Voraussetzungen zu zielen und zu treffen, gleicht einem Glücksspiel. Die Unreal-Engine 3 lässt grüßen, den in Zwischensequenzen lässt sich beobachten, wie Texturen nach einem Kamerawechsel schrittweise in den Speicher geladen werden. Schade drum, dass Mikamis Team die Engine nicht in den Griff bekommen hat, denn vom Designstandpunkt aus trifft The Evil Within ins Schwarze. Die Kombination aus Blut, Leichen, verwahrlosten Umgebungen, dem Anschein nach infizierten Menschen welche sich in ihren dem Zerfall nähernden Dörfern herumtreiben, dunkle und vernebelte Trampelpfade schaffen eine passende Gruselatmosphäre. Die Gegner stehen dem in nichts nach – eine real gewordene Geisterbahn der Abscheulichkeiten ist abwechslungsreich und fantasievoll und man fragt sich wie man nur freiwillig Geld für solch ein Erlebnis ausgeben kann.

Hausaufgaben gemacht? Leider nicht alle.

Technisch betrachtet, macht „The Evil Within“ mehr den Eindruck eines Last Generation Titels, der den letzten Prozentpunkt Leistung aus der PlayStation 3 oder Xbox 360 herausgekitzelt hat. Die PlayStation 4 oder Xbox One Version bieten in unseren Augen keinerlei Rechtfertigung den Zuschlag gegenüber der „Last Generation“ zu erhalten und wir würden eher dazu raten die günstigeren PlayStation 3 oder Xbox 360 Versionen zu kaufen.

Seine Hausaufgaben gut gemacht hat man dagegen bei der deutschen und englischen Synchronisation. Man merkt den Synchronsprechern definitiv ihre Lust am Job an.

Ein gutes Survival-Horror Spiel lebt von beklemmender Atmosphäre und der passenden Musik. Leider spart The Evil Within mit nervenaufreibender Musik, es ist sehr oft zu still und so leidet die Atmosphäre spürbar. Doch bitte nicht falsch verstehen, es gibt auch Stellen und Passagen die euch in Angst und Schrecken versetzen. Bei denen ihr überlegen werdet ob ihr den nächsten Raum betreten wollt, und wenn ja wie und mit welcher Waffe. Es wurde einfach Potential verschenkt das Spiel noch Atmosphärischer zu machen.

In der Ruhe liegt die Kraft?

Kraft wird definitiv benötig. Kraft nicht die Geduld zu verlieren, denn die Steuerung braucht eine Menge davon. Sie ist furchtbar träge und die Eingaben werden von mal zu mal mit deutlichen Verzögerungen von einer halben Sekunde umgesetzt. Klingt vielleicht nicht viel, aber wenn es mal Schlag auf Schlag geht und jede Sekunde zählt kann das ziemlich Nerven kostet wenn eigentlich Leben sichernde Aktionen danebengehen. Stellenweise kam es sogar beim Speichern vor, dass die Eingabe überhaupt nicht reagiert hat und man den Knopf mehrmals drücken musste bis das Spiel die Eingabe umgesetzt hat. Erfolgreiche Qualitätskontrolle sieht anders aus.

 


Fazit

Die Erwartungen in The Evil Within waren nicht nur für mich gigantisch. Wieso auch nicht? Schließlich standen die Zeichen mehr als nur auf „Megahit“. Shinji Mikami + Survival-Horror, das musste einfach ein Erfolg werden! Leider ist das Endergebnis alles andere als das, was ich mir erhofft habe. Technisch betrachtet hat The Evil Within versagt, zu viele Bugs, Eingabeverzögerungen, eine schwammige Steuerung, Grafikfehler und Framerateeinbrüche begleiten das Spiel vom Anfang bis zum Ende. Was sich die Bethesdas Qualitätskontrolle mit der Freigabe des Titels in die Presswerke gedacht hat ist mir schleierhaft.  Die Story und die der gesamte Ablauf des Spiels spielt sich wie eine schlechte Kopie bereits bekannter Hits. Am meisten überzeugen konnten die „Mindfuck-Momente“ die es mir stellenweise schwer machten überhaupt den nächsten Raum zu betreten. Die Spielereien aus Blut, Leichenbergen, makabrere Rätsel, ekelhaften Gestalten und allerhand schrägen Ideen sind ideales Futter für Resident Evil Fans der Teile 0-4. Hier hat The Evil Within mehr Gruselmomente als Resident Evil 5+ 6 zusammen, es wäre aber definitiv möglich gewesen die Atmosphäre mit besserer musikalischer Untermalung zu verbessern.

 

Plattform Xbox 360, Xbox One, PlayStation 3, PlayStation 4 Genre Action
Publisher Bethesda Softworks Release 14. Oktober 2014
Entwickler Tango Gameworks USK-Freigabe freigegeben ab 18
sonstiges

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