Reviews

The Elder Scrolls V: Skyrim Special Edition


Ein stetiges Rumpeln weckt mich unsanft aus meinem Schlaf. Benommen hebe ich meinen Kopf und schaue mich um. Meine Hände sind gefesselt und ich sitze zusammen mit einigen anderen Gefangenen auf einem Wagen. Mein Gegenüber berichtet mir von der Falle der imperialen Armee, in welche wir offensichtlich geraten sind. Der Gefangene neben mir wurde zu allem Übel auch noch geknebelt, soll aber Ulfric Sturmmantel, der Jarl von Windhelm sein. Noch sind die Zusammenhänge recht schleierhaft, als wir auch schon in ein kleines Dorf namens Helgen, wo weitere imperiale Soldaten unter General Tullius auf uns warten. Die Dorfbewohner beobachten den Trott neugierig. Als wir ankommen, steht bereits ein weiterer Gefangenentransport neben uns. Nach und nach werden wir zum Schafott geführt. Ein Gefangener versucht in Panik zu fliehen, wird jedoch sofort von Bogenschützen unter Beschuss genommen und niedergestreckt. Kein ehrbarer Tod. Erhobenen Hauptes wird der Gefangene vor mir zum Scharfrichter geführt und verliert wenige Augenblicke später seinen Kopf. Nun bin ich an der Reihe. Ich werde vorgeführt, beuge mich nieder und lege meinen Kopf auf Schafott. Der Scharfrichter hebt seine Axt doch kurz bevor er sie niedersausen lässt, ertönt ein donnerndes Gebrüll, das den Boden erbeben lässt. Ein Drache, feuerspeiend und brüllend, landet auf dem Turm. Soldaten rennen schreiend und brüllend durch die Gegend, ein Tumult bricht aus und ich versuche, das Chaos nutzend zu fliehen.

Wiedersehen macht Freude

Wem diese kleine Einleitung bekannt vorkommt, braucht sich nicht zu Wundern, denn genauso startete vor fünf Jahren The Elder Scrolls V: Skyrim. Zu Beginn ein einfacher Gefangener, beherrscht man später die Sprache der Drachen, verhilft der Diebesgilde zu neuem Ruhm, oder wird zum Erz-Magier der Magierschule. Oder vielleicht auch alles gleichzeitig. Nach fünf Jahren, drei DLCs und unzähligen Mods aus der PC-Community dachte sich Bethesda, dass die aktuelle Konsolengeneration doch bestimmt auch noch in den Genuss dieses Rollenspiel-Biestes kommen möchte. So haben wir nun also die Special Edition von Skyrim vor uns. Hat es sich gelohnt? Teilweise, denn in vielerlei Hinsicht ist die Special Edition ein zweischneidiges Schwert.

Die heilige Dreifaltigkeit

Zum einen gäbe es da die Situation der drei Plattformen. Auf dem PC wird die Special Edition jedem Besitzer des Originalspiels und der drei DLCs automatisch und ohne weitere Kosten in dessen Steam-Bibliothek hinzugefügt. Das liegt daran, das einige Elemente wie zum Beispiel die hochaufgelösten Texturen auf dem PC bereits verfügbar waren. Das ist für technisch weniger affine Spieler auf jeden Fall eine nette Sache, da diese das komplette Spiel so nochmal eine Ecke hübscher erleben können. Allerdings lebt Skyrim auf dem PC vor allem aufgrund der Mod-Community die Tausende von Modifikationen gebaut hat, die verschiedenste Aspekte des Spiels verändert und verbessert. Besonders Grafik-Optimierungen sind hierbei sehr beliebt und dadurch entsteht die Situation, dass technisch versierte Spieler bereits vor der Special Edition ein grafisch stark aufgebohrtes Skyrim spielen konnten, das optisch sogar der jetzt neu veröffentlichten Skyrim-Version überlegen ist. Ausserdem sind die Mods nicht von Beginn an mit Skyrim SE kompatibel, da das Spiel im Gegensatz zum Original mittlerweile in 64-Bit läuft und die Mods entsprechend angepasst werden müssen. Durch das Alter des Spiels ist entsprechend nicht sichergestellt, das alle Mod-Entwickler auch neue Versionen herausbringen werden.
Auf den Konsolen bringt Skyrim SE dafür überhaupt erstmals Mod-Support zur Verfügung. Hierbei hat die Xbox One allerdings die Nase vorne, da auf der Playstation 4 zwei deutliche Einschränkungen existieren. Zum einen dürfen Mods hier ausschliesslich bereits vorhandene Assets nutzen, also keine neuen 3D-Modelle, Texturen oder Scripte. Ergo wird man auf der Sony-Konsole Mods wie neue Waffen- und Rüstungssets, nicht verwenden können. Ebenso die auf dem PC sehr beliebten Inoffiziellen Patches, die unzählige Bugs im Spiel korrigieren, sind damit nichth verfügbar. Zum anderen dürfen Mods auf der PS4 maximal 1GB Speicherplatz verwenden, wohingegen die Xbox hier 5GB zur Verfügung hat.
Alles in allem ist der Mod-Support auf der Konsole auf jeden Fall eine nette Dreingabe, aber besonders auf der Playstation hat man mit den Limitierungen zu kämpfen. Zu allem Überfluss werden bei aktivierten Mods auch die Trophäen/Achievements deaktiviert. Auf dem PC gibt es hierfür eine Möglichkeit zum Gegensteuern, auf den Konsolen nicht.

Aussen hui, innen pfui?

Das Hauptaugenmerk bei der Special Edition lag natürlich auf einer optischen Frischzellenkur. Schärfere Texturen, schönere und dichtere Vegetationen, schickere Sonnenstrahlen – während das auf dem PC wie schon erwähnt nur wenige Spieler hinter dem Ofen hervorlocken dürften, merken Konsolen-Spieler hier einen deutlichen Sprung in Sachen Grafik. Dabei läuft das Spiel in stabilen 30fps und Full-HD-Auflösung. Für Besitzer einer PS4 Pro lohnt sich das Spiel auch, denn dort wird – ein entsprechendes Fernsehgerät vorausgesetzt – Skyrim in nativen 4K ausgegeben, entsprechend knackig scharf sieht es dann auch aus. Das Problem hierbei ist allerdings, dass besonders beim Spaziergang in der normalen Welt die Framerate gerne mal einbricht, sobald Schnee- oder Zaubereffekte dazukommen. Für die PS4 Pro muss also dringend nochmal ein Update her.
Was Bethesda aber leider verpasst hat, sind Verbesserungen unter der Haube. Bugs und Glitches, wie plötzlich nicht mehr fortzusetzende Quests, die man aus der Originalversion kennt, sind auch hier wieder vertreten. Auch die Benutzeroberfläche und besonders das Inventar, hätte man ruhig nochmal in Sachen Benutzerfreundlichkeit überarbeiten können. Die Animationen sind immer noch so staksig wie damals und die Pferde sind bockig wie eh und je. Dafür ist einer der schlimmsten Konsolen-Bugs scheinbar behoben worden: Das Korrumpieren von Spielständen nach sehr langer Spielzeit führt jetzt nicht mehr zu Abstürzen und Performance-Problemen.

Fazit

Wie schon angekündigt hinterlässt die Skyrim Special Edition einen gemischten Eindruck. Ja, die verbesserte Optik ist besonders für Konsoleros ein Schmankerl und mit dem Mod-Support hat es – trotz Einschränkungen auf der PS4 – die grösste Stärke der PC-Version auch auf Konsolen geschafft. Ob das den Vollpreis rechtfertigt, muss jeder für sich entscheiden. Wer Skyrim bisher noch nicht gespielt hat, der hat spätestens jetzt zumindest den perfekten Zeitpunkt dazu. Auch wer bisher nur das Basis-Spiel ohne die DLCs kannte oder nur die Last-Gen-Versionen gespielt hat, sollte beherzt zugreifen, denn Dragonborn und Dawnguard sind zwei exzellente Story-DLCs und Hearthfire bietet auch für Bauherren und Familienmenschen genug Futter. Für all jene, die Skyrim bereits in- und auswändig kennen, bietet das Spiel jedoch nicht wirklich neue Inhalte, abgesehen von der aufgehübschten Optik und den Mods.
Eines kann man Skyrim jedenfalls nicht absprechen, egal in welcher Version: Es bietet Spielspass für Hunderte von Stunden, jede Menge interessante Geschichten und eine riesige Welt zu erforschen.


Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Website Protected by Spam Master