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Shadow of the Colossus


Hin und wieder findet man inmitten der jährlichen Spieleflut ein Kleinod. Einen Geheimtipp, der selten die grosse Spielermasse erreicht, oft sperrig ist und viele Ecken und Kanten besitzt, aber von seinen Fans verehrt wird. 2006 erschien mit Shadow of the Colossus auf der PS2 eins dieser Exoten. Trotz der rückblickend enttäuschenden Verkaufsszahlen geniesst es unter Kennern Kultstatus und der Entwickler Team ICO hat sich spätestens mit diesem Spiel in die Herzen der Spieler eingebrannt.

Zurück in die Gegenwart – nachdem 2011 mit dem Remaster als Teil der Ico & Shadow of the Colossus Collection erschien, versucht sich nun Bluepoint Games, die sich bereits mit Remasters zu Uncharted oder Gravita Rush einen Namen machen konnten, an einem vollwertigen Remake des PS2-Klassikers.

Nostalgische Gefühle

Zu Beginn des Spiels lernt den Protagonisten Wander kennen, der auf der Suche nach einer Möglichkeit ist, das Mädchen wieder Mono wieder zum Leben zu erwecken. Auf seiner Reise zusammen mit seinem Pferd Argo gelangt er zu einem Schrein. Dort legt er das Mädchen auf den Schrein und betet. Das ruft Schattenwesen auf den Plan, die Wander mit einem gestohlenen Schwert aber in die Flucht schlagen kann. Auf einmal spricht eine Stimme zu ihm und erklärt, das er mithilfe seines Schwertes 16 Kolosse töten müsse, um die Macht Tote ins Leben zurückzuholen zu erlangen.

Als Nichtkenner des Spiels, wird man vom Intro also erstmal mit vielen offenen Fragen in die Welt hinaus entlassen. Diese ist genauso riesig wie leer. Weite Felder wechseln sich ab mit Schluchten, riesigen Brücken und dichten Wäldern. Immer wieder trifft man auf kleine Schreine sowie massive Tempelanlagen. Um den Weg zum ersten Koloss zu finden, hält man sein Schwert im Sonnenlicht gen Himmel und sogleich weist einem ein Lichtkegel den Weg. Mithife des sehr geschmeidig animierten Argos galoppiert man also durch die leer und traurig anmutende Welt, bis man seinem ersten Kolossus gegenübersteht. Diese werden zumeist von einer kurzen Kamerafahrt vorgestellt, bevor der Kampf losgeht. Die Kämpfe selbst verlaufen an sich recht simpel: Jeder Koloss besitzt einige wenige Schwachpunkte verteilt auf seinem Körper und an diesen Stellen gilt es das Schwert so lange reinzurammen, bis der Koloss sein Leben aushaucht. Der Weg zu besagten Schwachstellen ist der eigentliche Kampf, da dieser sich bei fast allen Gegnern unterschiedlich gestaltet. Reicht es beispielsweise beim ersten Koloss, einfach nur an ihm hochzuklettern, muss man sich vor anderen verstecken, sie erst mit dem Bogen zu sich locken oder mit Feuer in einen Abgrund zwingen. Jeder Kampf gegen einen der 16 Kolosse spielt sich unterschiedlich, da jeder seine eigene Taktik erfordert.

So spannend und abwechslungsreich diese Bosskämpfe sind, so wenig Substanz besitzt jedoch das restliche Spiel. Ja, man kann einfach nur durch die Weltgeschichte reiten und die Umgebung in sich aufsaugen. Es gibt sogar mit Eidechsen und Beeren (und neu im Remake hinzugekommen: versteckte Coins) als Sammelgegenstände um seine maximale Ausdauer sowie Leben zu steigern, aber abseits davon gibt es nichts weiter zu tun. Kennt man die Kämpfe bereits aus einem der beiden bisherigen Versionen, hat man das Spiel in wenigen Stunden durch und auch im gegenteiligen Fall ist das Spiel recht kurz. Andererseits ist die kurze Zeit, die man in der Welt von Shadow of the Colossus verbringt dafür umso einnehmender.

Generalüberholung

Das liegt zum einen natürlich an der einmaligen Atmosphäre, die durch die Welt und auch die Kämpfe übertragen wird, aber genauso auch an der grandiosen Arbeit von Bluepoint, das Spiel in ein modernes Gewand zu stecken. Wie bereits angesprochen, ist die PS4-Version diesmal komplett neu gestaltet. Die Architektur ist neu aufgebaut, besitzt detailliertere Strukturen und Texturen, das Beleuchtungssytem wurde verfeinert und an manchen Stellen sieht das Spiel durch die hohe Weitsicht einfach atemberaubend schön aus. Besonders auf einer PS4 Pro in 4K-Auflösung und 60 Bildern pro Sekunde, ist das Spiel eine echte Augenweide. Manche Stimmen sagen, dass die riesige Welt und die Kolosse soviel Hardware-Power der PS2 benötigt haben, dass dadurch schon rein aus technischer Sicht keine Möglichkeit existierte, die Welt mit mehr Leben zu füllen. Glücklicherweise wurde dies im Remake trotz besserer Hardware beibehalten um die Wirkung der Welt nicht zu verändern.
Dafür wurde hingegen an anderer Stelle kräftig geschraubt. Während das Original nicht nur für seine Welt und Atmosphäre, sondern auch für die sehr gewöhnungsbedürftige und unhandliche Steuerung bekannt war, gibt es im Remake nun die Möglichkeit, einer alternativen Steuerungsvariante. Diese ist zwar ebenfalls nicht ganz frei von Problemen – Kameraführung, ich rede von dir! – aber auf jeden Fall ein deutlicher Schritt nach vorne. Wer trotzdem die alte Variante bevorzugt, der kann diese weiterhin in den Einstellungen auswählen.

Kunst als Spiel

Klar kann man Shadow of the Colossus auf seine Grafik, den (toll zum Spiel passenden) Sound oder die kurze Spielzeit aufgrund des geringen Inhalts reduzieren. Man könnte aber auch sagen, das Team ICO hier wie zu Beginn angesprochen ein Kunstwerk an Welt und Gefühlen erschaffen hat und Bluepoint Games dieses mit Bravour auf die PS4 geholt hat. Die prinzipiell simple Story wird interessant genug erzählt, dass man sich früher oder später zu Fragen beginnt, ob man wirklich das richtige tut. Das Reiten auf Argo über die weiten Felder fühlt sich einfach richtig an und die Kolosse, die eigentlichen Stars des Spiels stellen einen jedes Mal vor eine neue Herausforderung. Dabei ist die Welt in ihrer neuen Optik noch monumentaler, noch kraftvoller geworden.

Fazit

Shadow of the Colossus ist eins der Meisterwerke von Team ICO, ohne die Steuerungsschwierigkeiten von ICO und ohne die Performance-Probleme von The Last Guardian, dafür aber mit sehr viel Herz, einer riesigen Welt, die genauso schön wie traurig sein kann und 16 unvergesslichen Kämpfen. Dazu kommen im Remake einige Easter-Eggs sowie ein zusätzlicher versteckter Gegenstand. Spätestens mit der jetzt dritten Ausgabe, sollte man sich das Spiel genauer anschauen – es lohnt sich.


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