Retro

Resident Evil


  • Publisher: Capcom
  • Entwickler: Capcom
  • Genre: Survival-Horror
  • Release: 1996 (2002 Als Remake auf dem Gamecube)
  • USK-Freigabe: 18

 

 

Es war im Juli 1998, als ich als unschuldiger kleiner Junge meine ersten Erfahrungen mit einer der schönsten Nebensachen der Welt machte. Nicht das was ihr denkt ihr Perverslinge! Die Rede ist natürlich von einem der ersten Games die ich jemals gespielt habe. Nach einem fast schon desasturösen Sub Zero: Mortal Kombat Anthology (hat das außer mir eigentlich noch jemand gespielt?) erreichte mich ein Spiel, dass meine Ansicht zu Games für alle Ewigkeit verändern würde.

 

Unterlegt mit einem unheilverkündenden Männerchor (Stimmlage: Bass) erscheint auf dem Bildschirm der Schriftzug 1998 – July. Wie von einer Schreibmaschine werden an den unteren Bildschirmrand die Wörter: Raccoon Forest geschrieben.

Eine Anmerkung an dieser Stelle: Wie euch sicherlich aufgefallen ist, stimmen Spiel-Datum und der exakte Monat in dem sich die schwarze Scheibe das erste Mal in meiner PlayStation einfand, überein. Dies war ein ziemlich witziger Zufall, der bei mir damals ein ziemlich seltsames Gefühl in der Magengrube hinterließ. Ja, als ich noch jünger war, fand ich so etwas wirklich verdammt unheimlich!
Zurück zum Thema.

 

Eine Männerstimme (kein Mitglied des Männerchors) erzählt daraufhin, dass das Bravo-Team in diesem Wald verschwunden sei. Team Alpha ist nun auf der Suche nach diesen. Es gab in letzter Zeit bizarre Berichte über widerliche Morde. Ganze Familien wurden von größeren Gruppen angegriffen und getötet. Teile der Opfer wurden anscheinend gegessen. Team Bravo wurde losgeschickt um den angeblichen Aufenthaltsort der Mörder auszuräuchern. Nun sind sie spurlos verschwunden.

Während der Suche in und um den Wald finden Chris, Jill, Barry, Wesker und der arme Quoten-Milchbubi der in der Regel innerhalb der nächsten 5 Minuten sterben muss, den Helikopter von Team Bravo. Sie sind alle verschwunden. Die gesamte Ausrüstung wurde zurückgelassen. Während der Suchtrupp noch nach einer Erklärung sucht (was für ein Wortspiel), ahnen sie noch nichts von dem Schicksal, dass sie alle bald ereilen wird (vor allem nicht Joseph, der Milchbubi).

Nach einer kürzeren Suche macht Joseph daraufhin einen schrecklichen Fund. Mitten im Gras liegt eine abgetrennte Hand. Zwar braucht er ein wenig um das zu realisieren (um genau zu sein, solange bis die Kamera endlich die ganze Hand im Objektiv hat), doch verfehlt sein anschließender Schrei nicht seinen Zweck. Nicht nur seine Team-Mitglieder, sondern auch die nach Blut trachtenden Zombie-Hunde werden auf ihn Aufmerksam und stürzen sich sogleich auf ihn (der arme Typ hat nicht einmal die ersten drei Minuten überlebt). Nach einem theatralisch hochwertigen Schrei seitens Jill macht unsere Elite-Einheit das, was sie am besten kann. Rennen und ballern (Oh und ganz nebenbei hat sich ihr Pilot samt Hubschrauber aus dem Staub gemacht).

In der Ferne erblicken sie ein riesiges (natürlich verlassenes) Herrenhaus und machen sich sofort dran in diesem Zuflucht zu finden. Nachdem sie die Pforten hinter sich geschlossen haben, müssen sie feststellen, dass eines der Team-Mitglieder, das mit ihnen geflohen ist, vom Erdboden verschluckt zu sein scheint. Nachdem man ein wenig über die Inneneinrichtung gefachsimpelt hat, hören die übrigen in einem Nebenzimmer einen lauten Schuss. Doch wird dies nicht das einzige Geheimnis sein, dem unsere Helden auf die Schliche kommen werden. Mit dem Betreten des großen Anwesens hat der Grauen nämlich gerade erst begonnen.

 

Ich muss eigentlich nicht wirklich sagen, wie die Story weitergeht. Die meisten werden es schon wissen und alle die noch nie Resident Evil gespielt haben, sollten verdammt noch mal aufhören diesen Text zu lesen und anfangen ein wenig Kultur nachzuholen!

Was nur wenige wissen ist, dass Resident Evil einen inoffiziellen Vorgänger hatte. Unter dem Name Sweet Home veröffentlichte Shinji Mikami, der Vater des Franchise, einen Titel in dem sich eine Gruppe bestehend aus einem kleinen Film-Team, welches an einer Dokumentation arbeitet, in ein verlassenes Herrenhaus (!) aufmacht um dann festzustellen, dass es in diesem spukt. Wichtige Spielelemente wie zum Beispiel das lösen von Rätseln und die „Tür öffnet sich“-Ladeanimation fanden dann auch ihren Weg in Mikamis neues Werk, welches im Gegensatz zu Sweet Home ein Welterfolg werden sollte.

Wie schon gesagt, bestand ein großer Teil des Gameplays darin Rätsel zu lösen. Vor allem das Piano-Rätsel hat sich regelrecht in mein Gedächtnis eingebrannt (und natürlich Ludwig van‘s Mondscheinsonate, welche daraufhin eure Ohren verwöhnte). Da wurden Knöpfe von Jung zu alt gedrückt (ein Insider unter Resident Evil-Kennern) und Statuen, Leitern, Kisten und eine Menge anderer Gegenstände wurden verschoben. Zwar gab es auch eine Menge „Bringe A zu B“-Rätsel, doch hat es trotzdem unheimlich viel Spaß gemacht den Geheimnissen des Anwesens auf die Schliche zu kommen.

Neben einer Menge Rätsel gab es dann natürlich noch die Zombies, welche durch Resident Evil fast schon Kult-Status erlangten. Der Kampf gegen die langsam durch die Gänge schlurchenden Untoten ging relativ einfach von der Hand und auch hier galt die Regel: „Easy to learn, hard to master“. Während sich die meisten ohne Probleme durch die Levels kämpfen, gibt es auch einen engen Kreis an Super-Nerds, welche sich einen Spaß darauf machen, das Spiel auf die absurdesten Weisen durchzuspielen. So gibt es Gamer, die das Spiel nur mit dem Messer durchspielen oder nur rückwärts durch die Korridore des Herrenhauses wandern. Ganz harte kombinieren beides und spielen das Spiel nur mit dem Messer durch UND sind dabei nur rückwärts unterwegs.

Auch wenn das Gameplay heutzutage ein bisschen veraltet wirkt, war es für die damalige Zeit nicht nur etwas neues, sondern machte zugleich auch noch unheimlich viel Laune. Das neu gegründete Genre des Survival-Horror, schaffte es auf hervorragende Art und Weise Action mit purem Überlebenskampf zu verbinden. Vor allem die Truhen, in denen man Gegenstände lagern musste, wenn man im Inventar gerade keinen Platz mehr hatte, wurden schnell zu einem Fan-Liebling. Ebensolchen Kultstatus erreichten die Schreibmaschinen an denen man sein Spiel speichern konnte.

Technisch ist Resident Evil heutzutage sicherlich nicht mehr ganz so schön anzusehen, wie manch anderer Titel. Die Render-Hintergründe sind zwar immer noch spitze, doch sind es vor allem die Charakter-Modelle, an denen der Zahn der Zeit genagt hat. Aber vielleicht ist es genau das, was den besonderen Charme des ersten Teils ausmacht. Einfach nur Retro eben. (Wer jedoch unbedingt in den Genuss des ersten Resident Evil kommen möchte, aber nicht auf eine geniale Grafik verzichten will, sollte einen Blick auf das Remake für den GameCube werfen).

Für die Ohren bekam man jedoch ein wirklich geniales Gesamtkunstwerk. Neben den bedrückenden Melodien wie beispielsweise das langsame Kontrabass-Stück im Esszimmer, schafften es vor allem die Dialoge zu brillieren (letzteres ist mit einem Augenzwinkern zu verstehen). Vor allem Barrys „you, the Master of Lockpicking“-Zeile schaffte es zu unfreiwilligem Ruhm und wurde sogar zu einem der schlechtesten Sprüche in einem Videospiel gekürt. Auch wenn es heute unheimlich viel Spaß macht sich darüber zu amüsieren, war Resident Evil für die damalige Zeit maßgebend. Die Dialoge und Videos scheinen heute vielleicht trashig zu sein, damals haute uns das Paket jedoch vom Hocker.

Fazit

Ich muss zugeben, dass ich gegenüber diesem Spiel ein wenig voreingenommen bin. Immerhin war es das erste Spiel mit dem ich mich wirklich über längere Zeit auseinandergesetzt habe. Doch ist auch dies ein Beweis für die Qualität dieses Meilensteins der Videospielgeschichte und vor allem des Horror-Genres. Eine tolle Story, Spielspaß vom feinsten und eine unheimlich dichte Atmosphäre, die einen lange nicht mehr loslässt. Capcom lehrte uns allen das fürchten. Ich erinnere nur an die „Hunde aus dem Fenster“-Szene (Bwaaaa!). Markerschütternd und einfach gut.[8.5]


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