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Resident Evil – Origins Collection


Die Zahl derer, die noch über die Anfänge einer der wohl bekanntesten Spiele-Reihen und erfolgreichsten Marken im Entertainment Bereich berichten können, schwindet mehr und mehr. Die Rede ist hier von Resident Evil. Vom Kern, der die Serie einst ausgemacht hat, (alternative Kameraperspektiven, Zombies und beklemmender Survial-Horror) entfernte sich Capcom mit dem Startschuss von Resident Evil 4 auf dem GameCube immer weiter. Gerade unter Serien-Fans kam der „neue Weg“ den der japanische Entwickler einschlug, nicht gut an. Mit Resident Evil 6, dem letzten offiziellen Serienableger erreichte die Marke ihren wertungstechnischen Tiefpunkt. Doch es scheint, als hätte der japanische Entwickler die Botschaft seiner Fans verstanden. Back to the Roots! So sind die Resident-Evil-Revelations-Teile wieder zunehmend atmosphärischer und weniger actionlastig, und Capcom macht den Ursprung der Serie in Form eines HD-Remakes auf der aktuellen Konsolengeneration zugänglich. Wir haben uns die Resident Evil: Origins Collection angeschaut und berichten, ob sich die Reise in die Vergangenheit sehen und spielen lassen kann!

Wie alles begann! Oder auch „Wie die Zeit vergeht!“

Es war der 22.03.2002 und der Startschuss des Nintendo-Capcom-Deals welcher dem Nintendo-Würfel das bereits für das Nintendo 64 angekündigte Resident Evil Zero, Resident Evil  Remake und Resident Evil 4 bescheren sollte. Die Exklusivität von Resident Evil 4 hielt nicht sehr lange, was man von Resident Evil Zero und dem Resident Evil Remake allerdings behaupten konnte. Im vergangenen Jahr erschien das HD-Remake von Resident Evil auf den digitalen Marktplätzen von Sony und Microsoft. Dabei handelte es sich jedoch nicht um einen 1:1 Port der GameCube-Version sondern eine aufgehübschte HD-Version mit zusätzlich überarbeiteter Steuerung. Der Erfolg gab der Veröffentlichung Recht und so hat sich Capcom dazu entschlossen auch Resident Evil Zero den Last Gen Konsolen und den aktuellen Konsolen zugänglich zu machen. So, da ist sie nun, die Resident Evil – Origins Collection und es stellen sich die Fragen, Ob der Re-Release für Fans der „alten Teile“ einen Kauf rechtfertigt oder neue Fans gewinnen kann. Los geht’s mit unserem Test!

Vor allem Serienkenner werden sich freuen, da die Remakes sinnvolle Überarbeitungen erhalten haben. Neulinge hingegen sollten Vorsicht walten lassen, da die Spielmechaniken trotz des Feinschliffs noch dem damaligen Standard entsprechen – und das ist unserer Meinung nach auch gut so.

In Resident Evil landen wir wahlweise als Jill Valentine oder Chris Redfield in einem herrenlosen Anwesen mitten im Wald und müssen uns auf die Suche nach dem jeweils anderen und unseren restlichen verschollenen Teammitgliedern machen. Schnell wird natürlich klar, dass es in der Villa nicht mit rechten Dingen zugeht und ein andauernder Überlebenskampf beginnt. In Resident Evil Zero hingegen geht es abwechselnd als Rebecca Chambers oder Billy Coen in einen gemeinsamen Kampf um Leib und Leben. Dieser wird jedoch nicht, wie gern heutzutage, durch eine Übermacht an Gegnern und dicke Feuergefechte, sondern rein über die Spielmechanik und -atmosphäre inszeniert.

Zombies, Munitionsknappheit und Survival-Horror!

So schlagen wir uns von Anfang an mit begrenzten Inventarplätzen herum, können nur an festgelegten Stellen und mit einem Farbband im Gepäck unseren Fortschritt speichern, finden kaum genug Munition, um uns überhaupt bewaffnet zu fühlen, haben mit festen und permanent wechselnden Kameraeinstellungen keinen Überblick über unsere Umgebung und manövrieren unsere Figur – trotz stark verbesserter Steuerung – wie einen Panzer durch die linearen und stark verschachtelten Level-Abschnitte. Nicht mehr zeitgemäß, oder einfach Kult? Das muss wohl jeder für sich entscheiden. Fakt ist allerdings, dass es absolut spielbar ist und zügig in Kopf und Hände übergeht.

Spiele, die heutzutage mit solchen Mechanismen ausgestattet auf den Markt kommen würden, würden vermutlich nicht gut angenommen werden. Aber in Anbetracht des Serienursprungs sorgt es im Falle der Remakes für ein beklemmendes, aber ebenso motivierendes Spielgefühl, welches einfach ins Gefüge passt. Vor allem die überarbeitete Optik weiß die spannende Atmosphäre des Survival-Horrors gekonnt zu vermitteln. So waren die damals in der GameCube-Version genutzten Hintergründe schon sehr schick, jetzt nach abermaliger Überarbeitung jedoch versprühen die Umgebungen mit schärferen Texturen und im Breitbildformat noch einmal einen ganz neuen schauerlichen Charme.

Einen kleinen Wermutstropfen stellt die leider schwankende Texturqualität dar, die das Spiel somit nicht immer von seiner besten Seite zeigt. Nehmen wir als Beispiel das erste Betreten der Eingangshalle der Spencer-Villa die sich auch 14 Jahre nach Ihrem ersten Aufritt auf dem Nintendo GameCube immer noch sehen lassen kann. Treppen die in der Ego-Ansicht betreten werden, präsentieren sich leider mit matschigen Texturen und auch bei dunklen Fluren oder manchen Außenarealen wurde auf eine ordentliche Überarbeitung anscheinend nicht so viel Wert gelegt. Die Gesamtoptik kann sich im Großen und Ganzen nach so vielen Jahren jedoch durchaus sehen lassen und soll an dieser Stelle nicht übermäßig kritisiert werden.

Auch spielerisch sind wir schnell in Nostalgie versunken. Große Logik sollte bei den zahlreichen Rätsel- und Puzzlepassagen natürlich nicht verlangt werden. Wer sich beispielsweise wundern würde, warum er einen führerlosen Zug nur durch Kopfrechnen vor dem Entgleisen bewahren kann oder jemand seine Hausschlüssel in Tigerstatuen mit Edelsteinaugen versteckt, wird vermutlich wenig Spaß mit den Titeln haben. Wer jedoch akzeptieren kann, dass sich das Spielprinzip durch eben jene abstrakte Logik, die unzählige Laufwege und damit auch Zombiebegegnungen bei absolutem Munitionsmangel beschert, definiert, wird hier nicht enttäuscht werden.

Fazit:

Ich persönlich würdem ich als „Resident Evil Fan der ersten Stunde“ bezeichnen der den Untergang der Marke in den letzten Jahren mit großem Bedauern miterlebt hat. Konnte ich mich mit Resident Evil 4 noch sehr gut arrangieren, ging es meiner Meinung nach mit Resident Evil 5 + 6 steil bergab.

Glücklicherweise scheint das auch Capcom zumindest langsam erkannt zu haben, das sich mit „alten Tugenden“ noch Erfolg erzielen lässt. Die Verkaufszahlen waren durchaus respektabel und zur Freude der Fans zeigt das Remake, dass der Publisher da nicht einfach etwas bereits Bestehendes auf den Markt geworfen hat um noch einmal ein bisschen Geld zu verdienen sondern, dass an dem Titel vor der erneuten Veröffentlichung wirklich gearbeitet wurde. Die Chance also, die Anfänge der Serie erneut oder gar das erste Mal zu erleben.

Wer sich also auf ein totgeglaubtes Gameplay einlassen kann, in dem es nicht darum geht, Zombiehorden mit Bleikugeln zu durchlöchern sondern seine Munition mit Bedacht eizusetzen, teils haarsträubende Rätsel zu lösen und echten „Survival-Horror“ zu erleben, wird mit der Resident Evil: Origins Collection gut und gerne 20 Stunden Horror erleben können, der den Spieler das ein oder andere mal den Schauer eiskalt über den Rücken laufen lassen wird.


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