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Resident Evil 7 Biohazard


1996, ich werde dieses Jahr niemals vergessen! Es war das Jahr, indem mir ein Videospiel erstmals in einem Maße das Fürchten lehrte, wie es noch kein anderes Spiel zuvor schaffte. Dies beziehe ich auf das Genre (Survial-Horror) und nicht auf die Qualität des Titels. Dieser schweißtreibenden und nervenkitzelnden Software folgten drei weitere Nachfolger, bis sich Capcom im Jahr 2004 mit Resident Evil 4 dazu entschied, die Serie neu und mehr der Masse ansprechend um zu orientieren. Der Plan ging voll auf und der vierte Teil der Serie wurde mit Auszeichnungen überhäuft und noch dutzende Male neu aufgelegt. Das japanische Traditionsunternehmen fühlte sich in seiner Neuausrichtung bestätigt und die Marke entwickelte sich stetig vom Survial-Horror Genre weg,  in Richtung Action-Adventure. Kritik machte sich vermehrt breit und auch die Absatzzahlen konnten die Investoren und Capcom nicht überzeugen diesen Weg weiter zu bestreiten. Gerüchte kamen auf, dass Capcom einen Reboot der Serie plane. Auf der Sony Pressekonferenz der E3i 2016 enthüllte das japanische Traditionsunternehmen Resident Evil 7, welches zurück zu seinen Wurzeln kehren sollte. Zeitgleich wurde auch eine Demo für das PSN angekündigt, in welcher sich die Fans einen ersten Eindruck über das „neue“ Resident Evil bilden konnten. Bereits sehr schnell musste sich der siebte Teil gefallen lassen, dass er sich der Idee Hideo Kojimas und seinem eingestellten Silent Hill Projekts  P.T. bereichert  hätte. Doch das ließ der Street Fighter Entwickler nicht einfach so auf sich sitzen.  Der Producer Masachika Kawata meldete sich zu Wort und stellte klar, dass die Arbeiten an Resident Evil 7 bereits vor der Veröffentlichung der P.T. Demo begonnen hätten. Wie dem auch sei, ob nun gut geklaut oder besser selbst gemacht, wir sind auf das fertige Stück Software gespannt und diese rotiert nun endlich in unserer PlayStation Pro Konsole und wird von Anfang bis zum Ende in VR gespielt! Ob die Qualität überzeugen kann und Fans der „UR“ Resident Evil Teile zufriedengestellt werden können, erfahrt ihr in unserem Test.

Welcome to the real World!

Bereits die ersten Minuten lassen erahnen, dass Capcom den Spielern das Blut in den Adern gefrieren lassen möchte. Die perfekt in Szene gesetzte zerfallene Haus mit seinen heruntergekommenen Möbeln und diversen Bildern an den Wänden in Kombination mit den nervenaufreibenden Geräuschen die in der beklemmenden Umgebung zu hören sind treiben den Puls in ungeahnte Höhen. Ob es der leckende Wasserhahn ist,  aus dem Wassertropfen auf versifftes Geschirr  tropfen,  auf dem sich undefinierbare Essensreste!? befinden,  Staub der von der Decke rieselt oder Türen die nach dem hin durchgehen laut in ihre Schlösser zurück fallen. All diese Faktoren greifen wie ein Zahnrad in das andere um eine Atmosphäre zu erschaffen, die die Fans der alten Resident Evil Teile so vermisst haben.

Wie heißt es so schön? Hunde die bellen, beißen nicht?

Das gilt nicht für Resident Evil 7!  Von der einen auf die andere Sekunde heißt es nämlich, Beine in die Hand nehmen und um sein Leben rennen, bevor man seinen Kopf vom Hals geschlagen bekommt! Denn auch in Sachen Gewaltdarstellung haut Capcom ordentlich auf den Putz und Splatterfans kommen ganz auf ihre Kosten. Hier sei allerdings lobend erwähnt, dass die Entwickler das Spiel nicht auf dem Fundament von Gewalt und Splattereffekten aufbauen, sondern wie ein Sternekoch seine Gewürze mit bedacht einsetzt um seinem Gericht den nötigen Pep zu verpassen. Wie es Capcom allerdings geschafft hat, dass das Spiel in seiner ganzen brutalen Pracht ungeschnitten auf dem deutschen Markt zu veröffentlichen, grenzt an ein Wunder. Hier gilt wohl Paul Kautz und Capcoms Anwälten ein ganz besonderer Dank.

An was erinnerst du mich?

Fans der ersten Teile werden bereits frühzeitig positiv mit Anspielungen auf frühere Teile aus dem Resident Evil Universum konfrontiert und auch Einflüsse aus Saw oder dem Texas Chainsaw Massacre sind zu spüren.  Die Spielmechanik kehrt hier ebenfalls wieder zu ihren Wurzeln zurück! Das bedeutet im Klartext: Areale erkunden, Rätsel lösen, Waffen und Munition finden, Gegner töten oder ihnen aus dem Weg gehen um in der Geschichte voran zu kommen  und dem ganzen Übel auf die Schliche zu kommen. Jeder Gegner im Spiel ist in der Lage, euch mit einem gezielten Angriff sofort ins Jenseits zu befördern. Erstaunlich fanden wir, wie sich innerhalb von Bruchteilen unsere Stimmung von „ängstlich“ auf „mutig“ wandelte, sobald wir ein Schießeisen mit nur fünf Schuss Munition ergattern konnten. Bereits die erste Konfrontation mit einem Gegner endete tödlich und sofort lehrte uns dies schmerzhaft, dass die aufflammende Überheblichkeit ruckzuck bestraft werden kann. Um den Spielern nicht die Motivation zu nehmen, gibt es in fairen Abständen Speicherpunkte die in beliebiger Anzahl genutzt werden können.  Das heißt, es sind keine Fahrbänder für Schreibmaschinen wie in vorherigen Teilen notwendig. Von nun an dient ein Kassettenrekorder als Speichergerät.

In diesen sogenannten „Safe Houses“ warten auch die altbekannten Kisten darauf, den Spieler zu unterstützen. In jenen kann alles, was sich im Rucksack befindet und das nicht benötigt wird deponiert werden. Dabei kann jederzeit von jeder Kiste auf das gesamte Arsenal zugegriffen und allerhand miteinander kombiniert werden um sich im Kampf gegen das Böse zu wappnen. Ob es die altbewährte Kräuter, Schießpulver oder Chemikalien sind. Hier heißt es, probieren statt studieren!

Widmen wir uns nochmals dem PS VR-Modus. Müssen sich die meisten, bisher erschienenen PS VR-Titel Kritik in Sachen Vollwertigkeit und Qualität gefallen lassen, muss man Capcom sowie Sony höchsten Respekt zollen. Warum Sony fragt ihr euch? Der VR-Modus des Spiels entstand in enger Zusammenarbeit mit Sony, die ein absolutes Flaggschiff und Zugpferd für PS VR brauchten. Der VR Modus ist für ein Jahr PlayStation 4 exklusiv und soll gleichzeitig die Skeptiker – die es zu Hauf‘ dort draußen gibt -davon überzeugen, dass VR mehr als nur ein Gimmick ist. In den 12 Stunden die wir zum Durchspielen der gesamten Story benötigt haben, hatten wir weder mit Übelkeit zu kämpfen noch mit sonstigen spielspaßhemmenden Problemen. Selbstverständlich kann der VR-Modus nicht mit der grafischen Qualität des üblichen Spiels mithalten, da alles insgesamt nicht mehr so hochaufgelöst daher kommt. Doch die Atmosphäre die der Titel in VR erzeugt,  ist phänomenal vergleichbar mit dem Sprung von 2D auf 3D. Noch nie zuvor war es möglich, die Spielwelt so genau zu inspizieren und jeden Winkel zu erforschen. Ob man nun hinter eine Kiste sehen  oder sich ein Bild -das an der Wand hängt- ansehen will. Einfach den Kopf in die Richtung bewegen und et voilà!

Technisch und Audiovisuell….

ist der Titel eine wahre Pracht! Auf der PlayStation 4 und PlayStation 4 Pro werden stets 60 FPS geboten -und das trotz knackig scharfer Texturen. Die musikalische Untermalung schafft es, stets eine beklemmende Atmosphäre zu erschaffen und man zögert schon das ein oder andere Mal, bevor man den nächsten Raum betritt. Die perfekt in Szene gesetzten Nebengeräusche wie:  knarzende Böden, an die Fensterscheibe klatschender, herunterlaufender Regen, klappernde Fensterläden, Atemgeräusche oder Schattenwürfe diverser Gegenstände treiben dem Spieler die Schweißperlen auf die Stirn.

Ebenfalls einwandfrei funktioniert das Headtracking beim Zielen mit den Waffen, weshalb sich auch dort kein Nachteil gegenüber der reinen Gamepad-Bedienung ergibt. Möchte man mit der Lupe nach Kritikpunkten suchen, erweist es sich auf Dauer störend, dass die Spielfigur keinen vollwertig modellierten Körper besitzt. Die immer wieder sichtbaren Arme sind etwa ab Ellenbogen abgeschnitten und trüben leicht das Gesamtergebnis. Laut Capcom haben die Entwickler sich dazu entschieden, die Faktoren die beim Spieler Schwindelgefühle erzeugen könnten, zu minimieren. Aus selbigem Grund erfolgt bei einem Sprung in eine tiefere Ebene oder beim Erklimmen einer Leiter auch eine kurze Schwarzblende, anstelle einer Animation.

Hier hätten wir es begrüßt, wenn Capcom dem Spieler die Entscheidung selbst überlassen hätte diese Elemente selbst aktiveren oder deaktivieren zu können. Erste Erfahrungswerte mit VR haben gezeigt, dass nicht jeder Mensch anfällig für die sogenannte „Motion-Sicknes“ ist. Diejenigen unter uns denen nicht flau im Magen wird, hätten klar davon profitiert wenn diese Einstellungen verfügbar wären. Dass es nämlich auch anders geht, beweist Capcom in den folgenden Punkten. So erfolgt die Drehung des Charakters standardmäßig in Achteldrehungen oder per Stickbefehl übergangslos in die aktuelle Blickrichtung. Wer möchte, darf sich aber auch frei im Raum bewegen und hierbei  zwischen je drei Geschwindigkeitsstufen wählen,  die mit Kopfdrehung und Laufbewegung erfolgen. Wer einen empfindlichen Magen hat, muss dabei jedoch vorsichtig sein. Alle anderen sollten mit den Einstellungen experimentieren, bis sie die für sich optimalen Einstellungen gefunden haben!

 

Fazit:

Egal ob mit PlayStation VR oder ohne, mit „Resident Evil 7 Biohazard“ liefert Capcom ein Horrorabenteuer ab, das uns und euch das Blut in den Adern gefrieren lässt! Capcom hat Wort gehalten die Aussage zurück zu den Wurzeln der Serie zu gelangen entpuppte sich nicht als „heiße Luft!. Die Entwickler haben es geschafft, die klassische Gruselelemente mit Ekelhorror, Splatter und satter Action gekonnt zu verknüpfen. Nahtlos reiht sich hier der Soundtrack und die dazugehörige Soundkulisse ein, die das Erkunden des Baker Anwesens und seinen Nebenschauplätzen zu einem ganz besonders schaurigen und nervenaufreibenden Erlebnis machen.  Auch wenn der Titel im VR Modus etwas von seiner grafischen Pracht einbüßt, empfiehlt es sich (vorausgesetzt man nennt die PlayStation VR sein Eigen und hat keine Angst an einem Herzinfarkt zu sterben) den Titel in diesem Modus zu spielen,  die Intensität sucht ihresgleichen und ist nicht mit Worten zu beschreiben.  Auch wenn kleinere Ungereimtheiten im VR- Modus auftreten, ändert dies nichts an der Tatsache, das Capcom hier einen richtig guten Job gemacht hat  und uns den ersten richtig guten, vollwertigen und komplett in VR spielbaren Titel präsentiert, der sich auch noch ohne PlayStation VR spielen lässt und von Anfang bis zum Ende fesselt und zum mehrmaligen spielen animiert. Nach 12 Stunden und 15 Toden war dann auch Schluss und wir verlassen das Baker Anwesen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend deshalb, da es bereits im März mit dem ersten DLC weitergeht.

 

 


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