Gaming Culture

Literatur zu Games: Buchvorstellungen


Um dem „Culture“ in „GamingCulture“ erneut gerecht zu werden, haben wir uns gedacht, wir stellen euch mal eine Auswahl an Büchern zum Thema Games vor. Das Hauptaugenmerk liegt darauf, euch einen Überblick zu geben und möglichst jeden Geschmack abzudecken.
Und falls sich dann tatsächlich einige von euch entschließen sollten, das ein oder andere vorgestellte Buch zu lesen, ist er natürlich herzlich eingeladen, im Forum seine Meinung dazu kund zu tun und eine Diskussion anzuregen.

    Hamlet on the Holodeck (1998)
Autor: Janet H. Murray

    336 Seiten

    • ISBN-10: 0262631873
• ISBN-13: 978-0262631877
Preis: ca. 30 €

Mit diesem Buch begann mehr oder weniger die literarische und wissenschaftliche Beschäftigung mit Games. Janet H. Murray geht hier der Frage nach, ob und wie der Computer zur Plattform einer neuen Art von Geschichten werden kann. Das Buch ist recht bekannt, aber eher für Medienwissenschaftler als für Fans. Der recht skurrile Ansatz, Tetris als Metapher für unsere heutige Informationsgesellschaft zu sehen, in der Informationen empfangen, verarbeitet, geordnet und dann weggeworfen werden, sei hier nur kurz als Beispiel für die Richtung gegeben, in die das Buch geht.

    Trigger Happy (2000)
Autor: Steven Poole
304 Seiten
• ISBN-10: 1559705981
• ISBN-13: 978-1559705981
Preis: ca. 10€

DER Meilenstein! Witzig geschrieben, umfangreich und billig. Steven Poole erzählt und analysiert die Geschichte von Games von Pong bis heute. Mit typisch englischem Humor schreibt er über den Einfluss von Computer- und Videospielen auf die Kultur und umgekehrt. Das Buch ist wirklich gut und einfach zu lesen, macht Spaß und bietet dennoch zum Teil schon sehr tiefgehende und wissenschaftliche Ansätze. Und das Wichtigste: Man merkt auf jeder Seite, dass man es sich bei dem Autor um einen eingefleischten Fan handelt, der nicht nur über Games schreibt, sondern diese auch wirklich alle gespielt hat und liebt.

    The Ultimate History of Video Games (2001)
Autor: Steven L. Kent
624 Seiten
• ISBN-10: 0761536434
• ISBN-13: 978-0761536437
Preis: ca. 15 €

Der Titel hält was er verspricht. Zwar endet das Buch mit der Erscheinung von Game Cube, Xbox und PS2, aber bis dahin ist wirklich alles enthalten, was es über Games zu wissen geben könnte und noch einiges mehr. Wer irgendwelche Fragen zur Spielebranche, Firmenentwicklungen, den wichtigsten Spielen und deren Einfluss auf den Markt oder ähnlichem hat, hier werden sie beantwortet. Alles in allem kann man das Buch wirklich jedem ans Herz legen, der sich auch nur ein bisschen für die Geschichte seines Hobbys interessiert. Auf der einen Seite wird sehr anschaulich nachgezeichnet, wie die gesamte Branche entstanden ist und sich entwickelt hat, auf der anderen erfährt man faszinierende Details, wie dass Mortal Kombat für Einführung eines Rating-System für Games in den USA gesorgt hat oder dass Nintendo Atari angeboten hatte, das NES in den USA zu vertreiben und dies erst nach deren Weigerung selbst auf die Beine gestellt hat. Und 15 € für über 600 Seiten sind auch wirklich OK.

    High Score! The illustrated Hisory of Video Games
Autoren: Rusel DeMaria/Johnny Lee Wilson
400 Seiten
• ISBN-10: 0072231726
• ISBN-13: 978-0072231724
Preis: ca. 75€

Aufgrund des hohen Preises (sollte irgendwann eine Neuauflage erscheinen, wird sich dieser sicher ändern) kann dieses Buch nur bedingt empfohlen werden. Es sollte allerdings in so ziemlich jeder Bücherei per Fernleihe zu bekommen sein. Im Gegensatz zum vorherigen Buch, konzentrieren sich die Autoren hier lediglich darauf, die wichtigsten Spiele der einzelnen Genres vorzustellen. Erwähnenswert (und auch der Grund weshalb es hier vorgestellt wird) sind die wirklich extrem zahlreichen Abbildungen von (zum Teil sehr raren) Spielen, Konsolen und Verpackungen aus allen Phasen der Videospielgeschichte. Ideal zum schmökern und um das schöne „Ach das gab’s ja damals auch noch…wie konnte ich dieses Spiel vergessen!“-Gefühl zu erzeugen. Jedenfalls bei älteren Gamern.

    Wir waren Space Invaders! (2002)
Autoren: Tobias O. Meissner/ Mathias Mertens
204 Seiten
• ISBN-10: 3981068505
• ISBN-13: 978-3981068504
Preis: ca. 15€

Das einzige deutsche Buch in dieser Liste. Tobias O. Meissner ist einigen vielleicht durch seine Kolumne in der GEE bekannt. Ein gut zu lesendes, unterhaltsames Buch über die Zeit, in der die beiden Autoren ihre Leidenschaft für Games entdeckten. Leider ist es recht kurz und konzentriert sich hauptsächlich auf die Frühzeit von Computerspielen. Wer aber noch einmal nachlesen möchte, wie Pong, Space Invaders, Breakout oder Defender das Medium von Grund auf definierten, dem sei dieses Buch durchaus ans Herz gelegt.

    Half-Real: Video Games Between Real Rules and Fictional Worlds       (2005)
Autor: Jesper Juul
243 Seiten
• ISBN-10: 0262101106
• ISBN-13: 978-0262101103
Preis: ca. 25 €

Hier geht’s ans Eingemachte. Der Spielewissenschaftler Jesper Juul, der mittlerweile am MIT (Massachusetts Institut of Technology) in Cambridge forscht und unterrichtet, nimmt hier Games und deren Regeln vollständig auseinander. Dieser wirklich harte, aber hochinteressante Stoff richtet sich an diejenigen, die Games schon als Kunstform, gleichgestellt zu Film und Literatur betrachten. Juul zieht Verbindungen zu Spielen wie Schach oder Tic Tac Toe, genauso wie zu Romanen und Filmen. Wer also wissen möchte, wohin die Reise geht, sollte einen Blick riskieren. Denn dann sollte einem klar sein: es wird nicht mehr lange dauern, bis auch an gewöhnlichen Universitäten Spielewissenschaft gleichberechtigt zu Film-, Medien- oder Literaturwissenschaft gelehrt wird.

So, das war’s fürs Erste. Wer noch weitere Empfehlungen möchte, darf sich gern per Mail oder im Forum melden. Hier habt ihr jedenfalls erstmal einen guten Überblick über die wichtigsten Bücher zum Thema und auch einen Hinweis darauf, was sich als Einstieg eignet. Viel Spaß beim Lesen!


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