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Let’s Sing 2016


Spätestens wenn die 1 Promille Grenze durchbrochen ist, ist für viele die Hemmschwelle insoweit gesunken, dass man sich für seine gesanglichen Fähigkeiten nicht mehr schämen muss. Seit der PlayStation 2 gehört die Marke „Singstar“ ebenso zu Sony wie „Super Mario“ zu Nintendo. Microsoft wollte ebenfalls auf den äußerst erfolgreichen Zug der Gesangsspiele aufspringen und zauberte kurzerhand die Lips-Serie aus dem Hut. Nun, da Microsoft die Marke mehr oder weniger zu Grabe getragen hat, steht es recht schlecht um Karaokespiele für die Xbox Konsolen. Sony-Anhänger können auch auf der Playstation 4 wieder auf Singstar zurückgreifen und sitzen daher eher weniger auf dem Trockenen. Der neue Multiplattform-Titel Let’s Sing 2016 könnte die entstandene Lücke auffüllen. Ob dies eine gelungene Alternative darstellt, wollen wir auf dem Grund gehen.

Ohne unnötige Umwege und nervende Menüauswahl landet man nach der Anmeldung des Spielerprofils automatisch in der insgesamt 35 Titel umfassenden Auswahl an Smash-Hits. Einmal nach recht, oder links durch das Repertoire geschaut, offenbaren sich vor allem modernere Pop- und Dance-Kracher, welche in den letzten 3-5 Jahren tagein tagaus auf allen Radiostationen hoch und runter liefen. Darunter Hits von Calvin Harris, AVICII, Demi Lovato (der weltbekannte Song aus dem Film Frozen), Sia, Olly Murs und viele andere, die sich in der Riege der neuen Stars am Firmament einreihten. Mit dieser Zusammenstellen spricht man auf jeden Fall die breite Masse an, wobei auch einige Klassiker darunter von TLC, Roxette oder Queen ebenfalls ihr Stelldichein geben und zumindest im Ansatz die Abwechslung wahren. Die Auswahl ist nicht immer verständlich. Ein „Summer“ von Calvin Harris bietet nicht sonderlich viel Textpassagen. Bei einigen wenigen Titel ist uns wiederum aufgefallen, dass gewisse Schimpfwörter oder Erwähnung von Alkohol recht unschön durch Reduktion der Lautstärke ausgeblendet werden. Solche Probleme und Ausnahmen sind aber sehr selten zu finden.

Das grundsätzliche Gameplay kann getrost mit Singstar verglichen werden. Während die offiziellen Musikvideos im Hintergrund ablaufen, werden die Textzeilen mit angenehm großer Schrift und ordentlich vom Video abgehoben statisch und nicht scrollend am unteren, bzw. bei mehreren Spielern zusätzlich auch am oberen Bildrand dargestellt. Zur Mitte hin werden letztendlich die Noten dargestellt, die sauber getrennt dargestellt werden und den einzelnen Wörtern und Silben entsprechend. Während nun die Textzeile Wort für Wort eingefärbt wird, müssen wir mit dem Mikro entsprechend singen und die Töne treffen. Let’s Sing 2016 scheint trotz der modernen Lag-Probleme bezüglich Audio und Video recht akkurat zu arbeiten. Ist man nicht in der Lage, die passende Stimmlage zu treffen, kann man auch ohne Umschweifen eine Oktave höher oder tiefer singen. Ganz so penibel scheint die Auswertung grundsätzlich aber nicht zu sein, auch wenn falsches Singen mit kaum bis keine Punkte gewertet wird. Denn äußerst erstaunlich ist, dass ein Ventilator ebenfalls Höchstrekorde ergattern kann.

Let’s Sing 2016 offenbart insgesamt sieben Spielmodi pro Song. Dazu müssen zunächst spezielle Bedingungen erreicht werden, zum Beispiel eine gewisse Punktzahl. Parallel setzt der Titel auch auf so genannte VoxPoints, welche pro gesungenen Song auf dem Konto gutgeschrieben werden. Damit ist es ein jedem Möglich, sämtliche Spielmodi für alle Songs auch freizukaufen, ohne dass man sich bezüglich der diversen Bedingungen Mühen geben muss. Eine durchaus löbliche Lösung für all diejenigen, die unter Umständen nicht so talentiert am Mikrofon auftreten. Zu Beginn steht jedenfalls der klassische Singstar-Modus zur Verfügung und der Schwierigkeitsgrad wird nur durch ausblenden von einzelnen Textzeilen, oder letztendlich sämtlichen Wörtern und auch noch der Tonlinie erreicht. Genauer werten tut Let’s Sing 2016 auf dem Expertenmodus deswegen aber nicht. Wer möchte, kann über die Optionen sogar den Originalgesang abschalten. Manches mal läuft tatsächlich die Karaoke-Variante des Songs, bei vielen anderen Titeln hat der Entwickler nur am Soundfile manipuliert und den Gesangsbereich „verwaschen“ und leise gemacht, so dass dieser fast gänzlich verschwindet. Keine optimale Lösung, lizenztechnisch vielleicht aber auch nicht anders machbar gewesen.

Etwas mehr Aufregung und Spannung versprechen die kooperativen und kompetitiven Spielmodi, welche vor allem für eine gelungene Party durchaus tauglich sind. Stehen nur wenige Mikrofone zur Verfügung, oder es sind mehr als vier Teilnehmer vorhanden (Let’s Sing 2016 kann bis zu vier Mikrofone gleichzeitig handhaben), kann man das „Mikro weitergeben“. Singstar-Fans kennen dies bereits und wissen, dass man während des Songs einfach seinen Partner ins Boot holt. In einem weiteren Modus geht es schlicht darum, wer als erstes 20.000 Punkte ergattert. Dies ist oft nach bereits einer halben Minute der Fall, sofern man einigermaßen akkurat singen kann. Eliminierung ist schlussendlich ein kompetitiver Modus, bei dem jeder Teilnehmer aber auf sich alleine gestellt ist. Jede Phrase die schlechter als Perfekt gemeistert wird, zieht von der Lebensenergie entsprechend ein paar Punkte ab. Wer kann am längsten durchhalten und singt am besten? Die Varianten sind durchaus witzig, vor allem in geselliger Runde. Eine Möglichkeit für ein Turnier oder ähnliches hätte alles aber noch ein wenig abrunden können. Hier dürfen die Entwickler auf jeden Fall noch etwas mehr aus diesem Spiel heraus holen.

Let’s Sing 2016: Die gesamte Playlist:

  1. Ariana Grande feat. Iggy Azalea – Problem
  2. Avicii – Wake Me Up
  3. Avicii – The Nights
  4. Bastille- Pompeii
  5. Calvin Harris – Summer
  6. Calvin Harris feat. Ellie Goulding – Outside
  7. Charli XCX – Boom Clap
  8. Clean Bandit & Jess Glynne – Real Love
  9. Coldplay – A Sky Full Of Stars
  10. Demi Lovato – Let It Go
  11. Ella Henderson – Ghost
  12. Fun feat. Janelle Monáe – We Are Young
  13. George Ezra – Budapest
  14. James Blunt – You’re Beautiful
  15. Jess Glynne – Hold My Hand
  16. Jessie J, Ariana Grande And Nicki Minaj – Bang Bang
  17. John Legend – All Of Me
  18. Kiesza – Hideaway
  19. Lady Gaga – Applause
  20. Leona Lewis – Bleeding Love
  21. LMFAO – Party Rock Anthem
  22. Lorde – Royals
  23. Mark Ronson feat. Bruno Mars – Uptown Funk
  24. Maroon 5 – Moves Like Jagger
  25. Meghan Trainor – All About That Bass
  26. Nelly Furtado – Maneater
  27. Olly Murs feat. Demi Lovato – Up
  28. Queen – Don’t Stop Me Now
  29. Rita Ora – I Will Never Let You Down
  30. Roxette – It Must Have Been Love
  31. Sam Smith – Stay With Me
  32. Sia – Chandelier
  33. Sigma feat. Paloma Faith – Changing
  34. The Cure – Friday I’m In Love
  35. TLC – No Scrubs

 

Fazit:

Ich bin ehrlich. Bis zum heutigen Tag, konnte mich noch keine Karaoke Software vollends überzeugen. Das mag zum einen an meinem Musikgeschmack liegen. (Ich höre keinen Mainstream, und keine Charts) zum anderen bin ich gesanglich nicht begabt) Dennoch! Let’s Sing 2016 ist unterhaltsam, spaßig und vor allem mit einigen Freunden in einer geselligen Runde sicherlich für Stunden ein Smash-Hit! Let’s Sing 2016 ist definitiv ein gelungenes Erlebnis und kann, um die Eingangs erwähnte Frage zu beantworten, zumindest kurzweilig die Lücke zu Lips schließen. Leider bietet Let’s Sing 2016 nur 35 Songs und die Auswahl und Songs ist nicht sonderlich abwechslungsreich.  Sicherlich ist es nur eine Frage des Umsatzes, aber vermutlich wird es für diesen Titel keinerlei zusätzliche Download-Songs geben, um das Erlebnis später erweitern zu können. Das wäre auf jeden Fall sehr schade, denn auch wenn man im Detail hier und dort noch einige Verbesserungen und vor allem Erweiterungen in Spielmodi anbringen könnte, ist Let’s Sing 2016 ein passables Karaokespiel geworden welches seine Fans finden wird.


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