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Homefront: The Revolution


Die Marke Homefront hat eine ziemliche Odyssee hinter sich, und es wird gemunkelt, das an der Marke auch ein wenig Blut des kanadischen Entwicklers und Publishers THQ klebt. Homefront galt damals als die Marke, die THQ sanieren sollte, große Hoffnungen hatte der kanadische Entwickler in sie gesteckt. Und Buchstäblich sehr sehr viel Geld. Der Misserfolg des Spiels hatte zur Konsequenz, dass THQ Konkurs anmelden muss. Mit dem Ableben des Entwicklers kam die Frage auf, was mit deren Marken passieren sollte. Mit Crytek, dem deutschen vorzeige Entwickler mit Sitz in Frankfurt am Main, konnte schnell ein neuer Eigentümer gefunden werden. Für den Betrag von 500.000 USD gingen die Rechte der Marke an Crytek. Die Zeichen standen gut, denn hatte Homefront 1 noch mit technischen Problemen zu kämpfen, war die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass uns mit den technisch begabten Entwicklern von Crytek ein optisch opulentes Spiel erwarten würde. Schlussendlich vertraute Crytek die Marke seinem Studio, Crytek UK, (ehemals Free Radical Design, positiv in Erinnerung geblieben durch die Time-Splitters Serie und eher negativ durch das PlayStation 3 exklusive Spiel HAZE) an, welches mithilfe der CryEngine 3 ein sowohl visuelles als auch Gameplay-Technisches Vorzeigeprodukt entwickeln sollte. Wirklich voran kamen die Entwickler nicht wirklich, denn Informationen zu Homefront: The Revolution gab es nur kleckerweise. Nach den finanziellen Problemen mit denen Crytek offensichtlich zu kämpfen hatte, entschieden sich diese, die Marke Homefront mitsamt dem Entwickler Crytek UK an Koch Media zu verkaufen. Koch Media   firmierte Crytek UK anschließend in die Dambuster Studios um und hatte ebenfalls großes mit dem Franchise vor. Im Gegensatz zu THQ und Crytek schaffte es Koch Media Den Titel präsent zu halten. So war dieser regelmäßig auf Messen zu sehen und ebenfalls anspielbar, was den anderen Entwicklern nicht gelang. Doch bedauerlicherweise musste sich das Spiel schon während seinen Auftritten und der Multiplayer-Beta diverse Kritiken gefallen lassen. Insbesondere auf technischer Ebene konnte es nicht überzeugen. Kurz vor der Veröffentlichung wurde dem Spiel dann noch mal versucht, einen Feinschliff zu spendieren. Ob die kurze Zeit dennoch gereicht hat, um einen soliden Titel zu schaffen Erfahrt ihr in unserem Test.

Viva la Revolution

Hallo, mein Name ist Brady und ich bin der Neue! Nicht gerade zimperlich geht der Widerstand mit seinem neuen Mitglied um und so vergeht etwas Zeit, bis der Hoffnungsträger auf die Koreanische Besatzungsmacht losgelassen wird um deren Herrschaft ein Ende zu setzen. Gerade mal drei Tage ist euer stummer Spielcharakter bei den Aufständischen dabei und schon gibt es richtig Ärger. Denn natürlich lassen sich die stolzen Patrioten nicht einfach so unterdrücken und agieren mit Guerillataktiken, um die ungeliebten Besatzer aus ihrem Land zu vertreiben. Aber bevor ihr auch nur den ersten Schuss abgeben könnt, wird euer Safehouse von KVA-Truppen gestürmt und ihr werdet gefangen genommen. Es folgt eine unangenehm drastische Verhörszene mit Hammereinsatz und eine Rettung in aller Letzter Sekunde. Euer Schutzengel ist Benjamin Walker, eine Ikone des Widerstands. Lange Rede, kurzer Sinn: Ihr könnt fliehen, Walker wird angeschossen und soll in einem Schauprozess öffentlich abgeurteilt und dann hingerichtet werden. Ein schwerer Schlag für die Revolution, die es in der Kampagne zu verhindern gilt. Das soll es nun auch zum Thema, Story gewesen sein.

Unterdrückte Leistung! (Day One Patch war installiert)

Die wohl größte Enttäuschung dürfte, trotz der Tatsache, dass das Spiel die CryEngine 3 als Grafikgerüst nutzt, die Technik sein. So hat das Spiel nahezu unentwegt mit Framedrops zu kämpfen, die ab und an in einer Intensität auftreten, dass das Spiel einfach kurzzeitig komplett still steht. Clippingfehler, dazu gesellen sich NPCs welche ohne Sinn und Verstand agieren. Will man z.B. Widerstandskämpfer rekrutieren, laufen diese wie in „Fang mich doch“- Manier vom Spieler davon, was uns während des Spielens derart auf die Palme gebracht hat, dass wir schlussendlich keine Lust mehr hatten, irgendjemanden zu rekrutieren. Insgesamt muss man sagen, dass wir während des gesamten Tests des Spielspaßes beraubt wurden, da reihenweise schwerwiegenden Fehler auftraten. Ein paar Beispiele gefällig? Ein NPC hat sich einfach nicht von der Stelle bewegt, sodass wir geschlagene 2 Stunden damit verbracht hatten, das Spiel irgendwie wieder in die richtige Bahn zu lenken. Dies gelang uns schlussendlich, indem wir einen neuen Checkpoint ergattern konnten und anschließend der besagte NPC das Richtige tat. Auch die Widersacher der nordkoreanischen Volksarmee KVA oder „Norks“ genannt, verhielten sich oft wie hirnlose Zombies.

Den mit Abstand besten Part des Titels stellt das originell und gut umgesetzte Crafting-System der Waffen dar. Auch lassen sich die Waffen modifizieren, hier sieht man den Einfluss den der Titel dank „Crysis“ genommen hat. Selbstverständlich lassen sich die Waffen der KVA vom Spieler nicht nutzen, lediglich Munition und Wertgegenstände lassen sich aufsammeln, was bleibt einem da wohl anderes übrig als seine Waffen selbst zu basteln? Das haben die Entwickler clever gelöst, ihr bekommt sozusagen ein Grundgerüst und kauft euch Zubehörteile dazu. Die dazu notwendigen Dollar und Tech-Punkte bekommt ihr, wenn ihr brav eure Missionen erfüllt. Eure Standardwaffen rüstet ihr so durch unterschiedliche Visiere, Läufe und andere Bestandteile kräftig auf und macht so einfach aus einer Pistole eine MP oder aus einem Gewehr einen Raketenwerfer. Das lädt zum Ausprobieren ein. Außer Schusswaffen gibt es noch Molotow-Cocktails, Sprengbomben und äußerst nützliche Hackergeräte, mit denen ihr koreanischen Kampfgefährte kurzfristig übernehmen und gegen die Besitzer wenden könnt. Genial: Sowohl Sprengstoff als auch Molotov-Cocktails lassen sich auf ferngesteuerte Spielzeugautos schnallen und so zielsicher und ordentlicher Reichweite in die Basen der Nordkoreaner oder direkt auf deren Patrouillen steuern.

Die Dambuster Studios bieten dem Spieler mit Homefront: The Revolution einen beachtlichen Umfang. So kann man (vorausgesetzt man kann über die offensichtlichen Patzer hinwegsehen), gut und gerne 20-30 Stunden in den Titel investieren. Durch die vielen Jobs die in gewohnter „Open-World-Manier“ eines Far Cry, Infamous oder GTA (aber leider nicht dessen Qualität) bestritten werden können und weitere Methoden das Spiel in die Länge zu ziehen, wie das sammeln von Tagebüchern und das befreien von Außenposten hat man gut zu tun. Hier stellt sich allerdings die Frage, ob man dazu überhaupt bereit ist. Falls dem einen oder anderen unter euch die Serie „Time-Splitters“ noch ein Begriff sein sollte, wird es euch vielleicht freuen, dass überall in der Welt von Homefront: The Revolution Arcade-Automaten versteckt sind, auf denen ihr ausgewählte Level aus Time-Splitters 2 spielen könnt.

Der Launch-Trailer:

Fazit

Wie heißt es doch so schön?!  Zu viele Köche verderben den Brei.. Oder sollte man sagen, die Marke ist einfach wie verhext? Wie auch sein Vorgänger, hat Homefront: The Revolution ein unglaubliches Potenzial zu einem richtigen Vorzeigetitel zu werden. Wie auch THQ, hat es Koch Media, oder treffender formuliert, die Dambuster Studios versäumt, ihre Hausaufgaben richtig zu machen. Absolut unverständlich ist die Tatsache, dass solch ein technisch unfertiger Titel auf den Markt geworfen wurde, bzw. wie dieser überhaupt die Zertifizierung errungen hat. Absolut positiv zu erwähnen ist die Atmosphäre in Homefront: The Revolution. Man kann die Unterdrückung förmlich spüren und sollte wirklich zweimal überlegen, welchen Schritt, beziehungsweise welchen Weg man in der Stadt einschlägt. Insgesamt bleibt zu sagen, dass mit dem Release und den offensichtlichen Fehlern an denen das Spiel krankt die Qualitätssicherung von Koch Media leider versagt hat. Hier hätte eine nochmalige Verschiebung in Kauf genommen werden müssen um ein ordentliches Ergebnis abzuliefern. Potential hat der Titel wie bereits erwähnt en masse! Es fällt leider schwer, eine klare Kaufempfehlung auszusprechen, gerade der Tatsache wegen, dass es zur Zeit genügend hochwertige Software für die PlayStation 4 und Xbox One gibt, die nicht so vor Fehlern und Bugs strotzen und die Leistung der Konsolen, die sie im Stande sind zu leisten auf den Bildschirm zaubern. Freunde von Open-World Spielen können trotzdem einen Blick riskieren. Es bleibt die Hoffnung bestehen, dass mit einem der nächsten Patches die erscheinen, die Mängel zum großen Teil beseitigt werden können. Mit dem Patch der direkt nach dem Launch veröffentlicht wurde, gelang das leider nicht.


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