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Far Cry Primal


Es ist immer wieder erstaunlich, mit welchen Ideen wir von den diversen Entwicklern überrascht werden. Wenn man sich genauer damit befasst, was da oftmals auf uns zu kommt, fragt man sich zu Recht, warum diese Ideen erst jetzt aufgegriffen wurden. Bestes aktuelles Beispiel stellt wohl Far Cry Primal dar. In gekonnter 10.000 BC Manier begibt sich der Spieler in das erste Steinzeitabenteuer überhaupt und schlüpft in die Rolle des Steinzeitmenschen ‚Takkar‘ des Stammes der ‚Wenja‘ schlüpfen und uns auf einmal in mitten einer Mammutjagd befinden. Gemeinsam mit den anderen Jägern schleichen wir uns gerade an die Herde heran, um ein Tier von der Gruppe zu trennen. Hier werden uns auch gleich die ersten Handgriffe und Steuerungsoptionen aufgezeigt, wie wir uns zum Beispiel ducken oder unseren Speer schleudern können. Wir stürtzen uns dann auf ein Mammut, welches ein wenig abseits der Herde steht und erlegen es. Unser Treiben hat allerdings auch einen Säbelzahntiger angelockt, der nun aus dem Dickicht springt und unsere kleine Jagdgruppe zerfleischt. Nur wir überleben den Angriff. Einer unserer Freunde gibt uns noch ein paar letzte Worte mit auf den Weg, während er im Sterben liegt. Wir sollen im Tal von Oros nach Wenjas suchen und unseren Stamm zusammenführen, dessen Mitglieder verstreut in kleinen Gruppen leben. Mit dieser neuen Aufgabe betraut machen wir uns auf in das besagte Tal und schon bald stehen wir am Rande unserer neuen Heimat.

Wie auch schon in Far Cry 4 mit dem Land Kyrat hat Ubisoft beim Gestalten der Landschaft ganze Arbeit geleistet. Oros ist ein majestätisches Gebiet. Dichte Wälder und Graslandschaften herrschen vor allem im Tal, doch je weiter wir in die Berge vorstossen, desto karger werden die Landabschnitte und bald schon werden sie von Felsen, schneebedeckten Gipfeln und Gletschern abgelöst. Während wir als Takkar durch die Wildnis streifen auf unserer Suche nach Nahrung, Rohstoffen und anderen nützlichen Dingen, die die Natur so hergib, vergessen wir fast die Zeit. Wir stossen auf mehr und mehr Geheimnisse, Höhlen, die es zu erforschen gilt, oder Mitglieder unseres Stammes, die uns kleine Aufgaben erteilen.

Takkar und die Wenjas sind allerdings nicht die einzigen Bewohner von Oros. Das Tal ist ausserdem von wilden Tieren und anderen Stämmen bewohnt. Namentlich von den menschenfressenden Udam und dem ‚Feuervolk‘, den sogenannten Izilas. Es liegt an Takkar seinen Stamm vor diesen Gefahren zu beschützen und das Volk der Wenjas neu aufzubauen.

Am Anfang sind wir nur mit einem einfachen Bogen und einem primitiven Beil bewaffnet. Takkar muss sich daher oft an Gegner anschleichen und sie mit einem gezielten Kopfschuss aus dem Weg räumen. Auch müssen wir uns vor wilden Tieren in acht nehmen. Vor allem Nachts sind einige Lebewesen besonders agressiv und wir setzen immer wieder Feuer ein um ein Wolfsrudel in die Flucht zu schlagen oder den Pelz eines tobenden Bärs in Brand zu stecken.
Je weiter wir durch die Wildernis streifen, desto mehr Rohstoffen finden oder erbeuten wir, die für das weitere Vorankommen in der Geschichte unabdingbar sind. Unter anderem benötigen wir diese Materialen um unser Dorf auszubauen, Ausrüstung zu verbessern oder neue Waffen herzustellen. Ausserdem begegnen wir auch immer wieder seltenen Tieren, auf welche wir Jagd machen und an deren wertvollen Felle zu gelangen die für „besonderes“ Equipment benötigt werden.

Die Hauptaufgaben der Story gliedert sich in zwei Aspekte. Zum einen der Kampf gegen die Izila und die Udam und zum anderen das Sammeln und Verarbeiten von Rohstoffen um das Dorf der Wenjas in neuer Pracht erstrahlen zu lassen und die eigene Ausrüstzung zu verbessern. Im Laufe der Geschichte treffen wir zudem auf wichtige Persönlichkeiten, wie z.B. die Sammlerin Sayla oder den Shamanen Tensay. Jeder dieser Personen lehrt uns hilfreiche Fähigkeiten. Tensay macht uns zum Beispiel zum Beastmaster. Mit diesem nützlichen Skill können wir jedes wilde Tier in Oros zähmen und an unserer Seite kämpfen lassen. Jeder Spezialist, den wir für unser Dorf gewinnen, bringt uns weitere Vorteile und Upgrades, lässt uns unsere Waffen verbessern, mehr Pfeile tragen oder warme Kleidung für die kalten Bergregionen herstellen. Je weiter wir das Dorf ausbauen und je mehr Wenjas wir auf unseren Streifzügen durch das Tal Oros retten, desto stärker wird unser Volk und desto mehr Selbstvertrauen gewinnt es. Trafen wir zu Beginn nur selten Wenjas auf Streifzügen, begegnen wir später immer mehr Kundschaftenr oder Jägern, die sich weiter und weiter weg vom Dorf trauen.

Sobald wir die Fähigkeit des Beastmasters gelernt haben, ändert sich das Gameplay. Auf einmal haben wir nämlich einen starken Verbündeten an unserer Seite, welcher entweder auf Befehl bestimmte Gegner auseinander nimmt oder willkürlich unter unseren Feinden wütet. Uns steht die ganze Tierwelt Oros zur Verfügung, vom Honig-Dachs bis hin zum legendären Säbelzahntiger. Auf einigen Tieren können wir sogar reiten um schneller in der Welt voranzukommen. Wir können auch vom Rücken der Tiere Rohstoffe sammeln oder Gegner ausschalten und müssen nicht jedes mal absteigen, was das ganze sehr bequem macht. Neben unseren vierbeinigen Freunden, haben wir auch eine Eule über die wir die Kontrolle übernehmen können, um die ‚Outposts‘ auszuspionieren oder Gegner mit einem Luftangriff zu töten. Die Eule kann ausserdem Brand-Bomben abwerfen und ist ein sehr starker Verbündeter, um unbemerkt feindliche Siedlungen zu übernehmen. Ziel des Beastmasters ist es, ein Tier von jeder Gattung in Oros zu zähmen. Die meisten treffen wir schon sehr früh in der Story. Einige andere sind etwas schwieriger zu finden. Zusätzlich zu den normalen Vierbeinern gibt es auch noch legendäre Tiere, wie z.B. einen extra grossen Säbelzahntiger, einen Narben-Bär und einen Blut-Wolf. Diese können nur durch separate Jäger-Quests freigeschaltet werden. Ausserdem müssen diese erst besiegt werden, bevor Takkar sie zähmen kann. Sie sind um einiges stärker als ihre gewöhnlichen Verwandten und mit ihnen an unserer Seite ist auf einmal auch die Mammutjagd keine Herausforderung mehr.

Wie wir das aus anderen Ubisoft Spielen kennen, gibt es auch in Far Cry Primal viele Outposts und Bonfires, die wir zu unseren eigenen Stützpunkten und Siedlungen machen müssen, um über weitere Gebiete von Oros zu herrschen (und die Schnellreise-Option zu aktiveren). Diese sind entweder von den Udam oder den Izila besetzt und unterschiedlich schwer einzunehmen. Leider ist der Schwierigkeitsgrad aber dermassen tief, dass auch die mit ’sehr schwer‘ bezeichneten Outposts ein Kinderspiel sind, und der Spieler diese zum Teil allein mit der Eule unbemerkt übernehmen oder einfach den Säbelzahntiger zwischen den Feinden wüten lassen kann, bis der letzte Feind sein Leben ausgehaucht hat. Dennoch macht es Spass sich mit Pfeil und Bogen anzuschleichen und die Gegner unbemerkt mit Luftangriffen oder gezielten Kopfschüssen aus einem Versteck heraus auszuschalten.

Storymässig bietet Far Cry Primal nicht viel und oftmals rückt die Geschichte gleich ganz in den Hintergrund. Den Spielspaß bremst diese Tatsache jedoch nicht im geringsten aus. Das Erkunden von Oros, die Beastmaster Fähigkeit, Jagen und Sammeln in der wunderschön dargestellten Welt, all das lässt einen oft alles andere vergessen. Die Charaktere sind alle zum einen etwas befremdlich, andrerseits auch sehr passend, befinden wir uns doch in der Steinzeit und haben es mit Urzeitmenschen zu tun, die völlig anders ticken, an skurille Dinge glauben und für uns unverständliche Dinge tun. Auch die Sprache klingt glaubwürdig, wurden doch extra zwei Linguisten dafür beauftragt, eine einfache Urzeitsprache zu entwickeln. Wen man das dickste Haar das sich in der Suppe befindet unbedingt ansprechen möchte, muss man die doch sehr seichte Story ansprechen. Hier wäre eine etwas fesselndere Story sicherlich von Vorteil gewesen. Unter dem Strich bleibt aber die Tatsache, dass Far Cry Fans ohne Zweifel auf ihre Kosten kommen und sich über stundenlangen Spielspaß mit Mammut, Säbelzahntiger und anderem Urzeitgetier freuen dürfen, auch wenn ziemlich viel aus den beiden Far Cry Vorgängern recycelt wurde, was aber nichts schlechtes bedeuten muss. Wie heißt es so schön? „Never Change a running System“

Fazit:

Far Cry Primal kam ungefähr so überraschend wie das 7:1 der deutschen Nationalmannschaft gegen Brasilien bei der WM 2014. Kaum angekündigt, stand es auch schon in den Regalen der Händler. Besonders spannend klang von Anfang an die Epoche in welcher der neueste Far Cry Titel angesiedelt sein sollte. Gepaart mit dem Beastmasterskill sollte sowohl etwas neues, als auch altbewehrtes, wie das altbekannte Gamedesign aus dem Hause von Ubisoft geboten werden. Riesige Spielwelt, karge Story, haufenweise, uninspirierte Events und Sammel-Aufgaben, die es abzuarbeiten gilt. Wie gewohnt befreien wir Outposts, übernehmen Bonfires, nehmen an kleinen Events teil, die wie Pilze aus dem Boden schiessen, beschützen Wenjas und suchen Collectables, genau so, wie wir das irgendwie in jedem Far Cry Spiel tun, nur in einem anderen Setting. Dieses kann sich allerdings sehen lassen. Die Welt von Oros ist wunderschön, sehr detailverliebt und lädt zum Verweilen ein. Die Welt zu erkunden macht grossen Spass und passt auch perfekt zur Rolle eines Steinzeitmenschen, der umherstreift, auf der Suche nach Nahrung und Rohstoffen, sich an Tiere heranpirscht oder Höhlen erkundet. Die Beastmasterfähigkeit ist eines der Highlights in Far Cry Primal und sehr schön umgesetzt. Leider ist der Spieler fast etwas zu übermächtig, wenn er Seite an Seite mit einem legendären Tier kämpft, was den Spielspass aber nur wenig trübt. Treue Fans der Far Cry Reihe und Fans von Open World Spielen werden mit dem neusten Streich aus dem Hause Ubisoft auf alle Fälle viele spannende Stunden erleben und die ein oder andere Begegnung mit bereits ausgestorben geglaubtem machen.


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