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Fallout 4


Bethesdas jüngst veröffentlichter Ableger der Fallout-Reihe, welcher am 10. November 2015 erschien, gilt als eines der meist erwarteten Spiele der letzten Jahre. Wer Fallout kennt und lieben gelernt hat, weiß, dass dieser nahezu unkontrollierbarer Hype gerechtfertigt ist. Welcher Hardcoregamer wartet nicht schon sehnsüchtig darauf, in das Endzeit-Rollenspiel mit postapokalyptischem Atmosphäre/Flair einzutauchen? Wie sich Fallout 4 letztendlich schlägt und ob es sich einen Platz auf den Thron der besten Spiele 2015 sichert, werdet ihr nun in unserem Test herausfinden.

„Krieg – Krieg bleibt immer gleich“

Das Intro beginnt. Wir reisen durch die fiktive Geschichte von Fallout. Untermalen von melodramatischen Klängen und einer alten, weisen, männlichen Stimme wird das Aufstreben und der Zerfall der Welt durch die Atomkraft erzählt. Schon in den ersten Minuten verspüren wir diese authentische Atmosphäre, die Fallout besonders macht. Gebannt durch diesen Eindruck können wir es kaum erwarten endlich richtig mit Fallout 4 zu beginnen um unsere Geschichte zu erzählen und zu erleben-

Nun geht’s ENDLICH los!

Wir läuten das Jahr 2077 ein. Der Protagonist steht im futuristisch designten Badezimmer vor dem Spiegel. Hinter ihm kommt eine Frau hervor, die ihm vor seinen bevorstehendem Ereignis zu beruhigen versucht. Die Kamera schwenkt auf den Charakter und voller Vorfreude dürfen wir das erste mal aktiv ins Spielgeschehen eingreifen und unseren Charakter erstellen.

Der Charaktereditor ist unglaublich umfangreich und bietet Unmengen an Einstellungen um den Charakter nach blieben anzupassen. Dabei ist vor allem die innovative Bedienung der Gesichtskonturen hervorzuheben. Man wählt einfach die Gesichtsregion aus und kann diese größer, kleiner, aber auch dicker oder dünner transformieren.

Dieses Konzept erlaubt es sogar, den Protagonisten nach seinem menschlichen Idol aussehen zu lassen. Wer würde denn nicht gerne als Walter White aus Breaking Bad oder Geralt von Riva von The Witcher in dem Endzeit-Rollenspiel durch die virtuelle Landschaft streifen.

Das weibliche Geschlecht könnt ihr natürlich auch nach belieben formen und gestalten. Es sind euch also nahezu keine Grenzen gesetzt (okay manche Körperbereiche könnt ihr natürlich nicht anpassen, sollte aber kein Problem darstellen). Habt ihr euren Charakter erstellt, beginnt auch schon die Reise. Ihr könnt euch in dem wundervoll inszeniertem Haus, welches nebenbei euer Eigen ist, bewegen und auch mit verschiedenen Dingen interagieren. So kann man in der Küche beispielsweise den

Kühlschrank öffnen und sich an der legendäre Nuke-Cola bedienen oder aber eurem Kind ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Man fühlt sich unglaublich hingezogen zu den Interaktionsmöglichkeiten und auch wenn es nur ein Videospiel ist, kommt einem die Welt sehr vertraut vor.

In den Rollenspiel-typischen Dialogen gibt es immer vier unterschiedliche Antwortmöglichkeiten, die von unglaublich zuvorkommend zu unglaublich gemein gehen. Habt ihr euch mit dem Haus und mit Codsworth, eurem hauseigenen Roboter-James, vertraut gemacht klingelt es nach einer Weile an der Tür: Ein Vertreter von Vault-Tec steht vor euch. Seine

Absicht liegt darin, euch einen Platz im örtlichen „Vault 111″ zu sichern. Scheinbar ist es ein Bunker, der euch vor dem „großen Knall“ beschützt. Im Folgendem könnt ihr eurem Charakter verschiedene Attribute zuordnen. Diese geben dem Charakter eine entsprechende Persönlichkeit und entscheiden in diversen Situationen über den Ausgang eurer Entscheidungen. Entscheidet ihr,

beispielsweise dem „Charisma“ mehrere Punkte zu verleihen, könnt ihr später, wenn es darum geht neue Waffen oder Kleidung zu kaufen, den Verkäufer dazu überreden, mit dem Preis runter zu gehen. Neben dem Charisma gibt es natürlich noch weitere nützliche Fertigkeiten. Seid ihr mit der Punktvergabe fertig verschwindet der Vertreter und die Reise beginnt. An dieser Stelle machen wir nun Schluss und werden nicht weiter über das weitere Spielgeschehen berichten. Wir möchte euch natürlich nicht zu viel Vorweg nehmen, sondern nur einen kleinen aber feinen Überblick über die wunderbare Welt von Fallout 4 geben.

Textur über Mechanik? Nein, danke!

Schon im Vorfeld wurde viel über die Grafik diskutiert. Viele waren der Meinung, dass diese nicht angemessen für eine derartige Next-Gen Fortsetzung sei.

Aber sind wir mal ehrlich: Ein herausragendes Spiel wie Fallout 4 muss nicht grade mit einer Grafik der Marke Crysis aufwarten. Viel wichtiger ist uns die Spielmechanik und die hat Fallout eindeutig mit der Note sehr gut abgeschlossen. Auch die Lichteinwirkungen, die hervorragende Architektur und all die liebevoll-gestalteten Gegenstände sind viel wichtiger als ultrascharfe Texturen. Die Welt von Fallout ist authentisch und lebendig und das ist es was die Technik erreichen soll.

Die PlayStation 4 und Xbox One Fassung läuft mit 1080p bei 30fps, während es bei der PC-Version keine Begrenzung gibt. Trotz der Limitierung auf 30fps bei den Konsolen kommt ein flüssiger Spielspaß auf. An der Steuerung gibt es wenig auszusetzen. Ob zu Fuß oder in einem Hightech Poweranzug: Der Protagonist läuft sehr authentisch.

Unmengen an Waffen und Gegenstände geben dem Spieler das nötige Bedürfnis in den Häusern oder Bauhütten, die alle einzigartig modelliert sind, nach sogenannten Loot zu suchen. Apropos Waffen: Die Waffensteuerung ist natürlich einfach zu handhaben und Langzeitmotivation findet ihr vor allem in der Fülle der einzigartigen (teilweise auch absurden/lustigen) Waffen. So gibt es neben den Standard-Schusswaffen, wie etwa Gewehren, Pistolen und Nahkampfwaffen, auch besondere Waffen. Diese heben sich vor allem durch die überdurchschnittliche Stärke und dem einzigartigen Aussehen ab. Beispielsweise findet ihr in den Weiten des Ödlandes Waffen wie Grognaks Axt (die legendäre Axt des Barbaren aus der Comic-Serie), ein Laser-Gewehr, das als „Grenzenlosen Potenzial“ betitelt ist (was das wohl bedeuten soll) oder aber ein Dönermesser, welches uns persönlich am besten gefallen hat.

Natürlich ist die Reise zu diesen nicht ganz ungefährlich. Nach dem nuklearen Anschlag ist die virtuelle Welt Radioaktiven-Strahlungen ausgesetzt. In manchen Regionen mehr als in anderen. Um darauf aufmerksam gemacht zu werden, tragt ihr stets einen Geigerzähler mit euch. An diesen speziellen Fundorten der oben genannten Waffen werdet ihr oft mit Strahlungen und scheußlichen Kreaturen konfrontiert. Vor diesem Hintergrund solltet ihr die Orte allerdings erst mit einem hohem Charakterlevel besuchen.

Codsworth in Bestform!

Neben dem Protagonisten gibt es natürlich auch eine Vielzahl von Nebencharakteren. Je weiter ihr im Ödland voranschreitet, umso mehr Geschichten werden erzählt. Ihr werdet faszinierende Charaktere kennen und lieben lernen.

Diese Charaktere, auch wenn sie meist mit steifer Mimik untermalen werden, so authentisch wirken zu lassen und jedem eine individuelle Persönlichkeiten zu geben, ist einfach eine Kunst, die Bethesda nur zu gut beherrscht. Es macht, auch wenn es eben nur eine virtuelle Welt ist, einfach unglaublich viel Spaß sich mit den Leuten zu unterhalten. Begleitet von schwarzen und vor allem trockenen Humor, breitete sich bei uns das ein oder andere Mal ein Grinsen über das Gesicht aus.

Allen voran Codsworth:

Entscheidet man sich diesen Roboter mit auf die Reise zu nehmen, beschert er dem Spieler viele lustige Situationen, in denen er seinen trockenen Humor mit seiner einzigartigen Art ausspielt. Er glänzt jedoch nicht nur mit seiner unterhaltsamen Redseligkeit, sondern kann auch im Kampf überzeugen.

Fazit:

Hut ab Bethesda, Hut ab! Fallout 4 ist, wie erwartet, ein Meisterwerk! Auch wenn es nicht perfekt ist, was bei Weitem nicht tragisch ist, zieht das Endzeit-Rollenspiel die Spieler in den Bann. Faszinierende Charaktere, eine authentische und qualitativ hochwertige Spielwelt, der innovative Charakter-Editor, der toller Humor, unzählige Nebenmissionen, Waffen und Rüstungen und der individuelle Spielfluss bescheren (wie erwartet) dem Titel einen Platz auf dem Thron der besten Spiele im Jahr 2015. Abgesehen von kleinen Mängeln, wie die verbesserungswürdige gegnerische KI, die eben beschriebene steife Mimik oder anderen kleinen Bugs, wird das Spiel den hohen Anforderungen mehr als gerecht. Wer dieses Genre liebt und bereit ist viel (bis sehr viel) Zeit zu investieren, kommt wohl nicht drum herum Fallout 4 zu erwerben.

 


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