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F1 2016


Nach der verhältnismäßig schwachen Rennsimulation Formel 1 2015, welche uns Codemasters im vergangenen Jahr beschert hat, will es der englische Entwickler allen Kritikern beweisen und schickt seinen neuesten Ableger getreu dem Motto „gut Ding will Weile haben“ mit zweimonatiger Verspätung ins Rennen. In wieweit sich der Titel verbessert hat, erfahrt ihr in unserem Test.

Die Formel 1 hat seit Jahren mit Fan-Schwund zu kämpfen und so versucht die FIA mit Änderungen wieder Würze in die beliebteste Rennsportserie der Welt zu bringen, die nicht bei jedem Fan der Sportart gut ankommen. Eins sei schon mal von vornherein gesagt, der Titel hat sich im positiven Sinne -im Gegensatz zu seinem Vorgänger- weiter entwickelt. Und Freunde von PS starken Motoren werden ihre helle Freude daran haben.

Für viele potentielle Käufer fällt das Für und Gegen eines Titels durch die Präsenz oder Nichtpräsenz von Original Lizenzen. So lässt sich hier F1 2016 in keinster Weise lumpen. Von Nico Rosberg über Sebastian Vettel  und den aktuellen Weltmeister Louis Hamilton ist alles dabei was Rang und Namen hat und dreht seine Runden auf den 21 Rennstrecken der diesjährigen Weltmeisterschaft. Formel 1 Fans wird es sicherlich auch dementsprechend freuen, dass nach dem pausieren des großen Preises von Deutschland auf dem Hockenheimring auch dieser nicht fehlt.

Alle Rennstrecken überzeugen durch authentische Nachbildungen. Ebenso außerhalb des Asphalts erfreuen liebevolle Details die Augen der Fahrer/Spieler.

Zwar wirken nach wie vor die Zuschauer auf den Tribünen nicht sonderlich lebensecht, doch tut dies der Atmosphäre keinen Abbruch, denn die Unterhaltung findet auf der Piste statt. Insbesondere die Boxenstopps haben es uns sehr angetan. Wurden diese in der Vergangenheit doch eher stiefmütterlich behandelt. Nunmehr wurden diesen hier mehr Aufmerksamkeit geschenkt, was selbstverständlich enormer Zustimmung beiträgt. Überall wieseln und wuseln die Techniker um das zu Wartende Fahrzeuge herum. Lediglich von den Boxenludern fehlt nach wie vor jede Spur.

Wer auf Realismus großen Wert legt, wird bei F1 2016 nicht enttäuscht werden. Der Spieler hat die Wahl ob er sich ohne Fahrhilfe ins Rennen stürzt und somit das „eins zu eins“ gegen seine Widersacher sucht und jeder noch so kleine Fehler sofort bestraft wird. Selbstverständlich bietet das Spiel auch Optionen von diversen Vereinfachungen gebrauch zu machen. Wie diejenigen die darauf Wert legen einfach nur ein paar Runden absolvieren zu möchten, unter die Arme zu greifen um als erster auf dem Treppchen zu landen. Wie man sieht, ist für jeden etwas dabei. Diejenigen, welche zu den „Realismus“ Liebenden gehören, sind die Strecken unter Regeneinfluss besonders zu empfehlen, denn hier wirkt sich das Wasser auf das Bremsen sowie den Reifenverschleiß sehr auf das Fahrverhalten und die damit verbundene Rundenzeiten aus.

Nach einjähriger Abstinenz kehrt endlich auch der schmerzlich vermisste Karrieremodus wieder zurück. Hier stehen dem Spieler elf Teams zur Verfügung welchem er sich anschließen kann. Auch hierlassen sich wieder diverse Modifikation durchführen. Unter anderem die Rundenanzahl pro Rennen sowie diverse Fahrhilfen.

Mehr Freiraum hingegen bietet der Modus „Meisterschaft-Saison“. Hier ist der Spieler nicht so stark gebunden wie im „Karriere“ Modus. So lässt sich hier unter anderem Das Qualifying Training sowie das Rennen auf die eigenen Bedürfnisse einstellen. Kleine Einschränkung hier: Der Eigene Fahrer muss vor der Tür bleiben und so kann lediglich zwischen den originalen Formel 1 Piloten gewählt werden. Doch sind wir ehrlich, wir spielen solche Spieler um in die Haut unserer Vorbilder zu schlüpfen und das können wir hier richtig gut.

Wie in jeden anderen guten Sportspielen dürfen selbstverständlich die originalen Kommentatoren -welche man aus dem Fernsehen kennt- nicht fehlen.

So groß die Freude auch über die originalen Synchronstimmen ist, kommen diese leider abgelesen vor. Immerhin sind sie nicht vollkommen realitätsfremd. Die in der Vergangenheit nicht optimal integrierten und umgesetzten Interviews mit der Presse hingegen, sind der Schere zum Opfer gefallen. Vermisst haben wir diese nicht!

Besonders gut hat uns im Karrieremodus das Upgrade „System“ – welches die Leistungsfähigkeiten der Formel 1 Piloten steigert – gefallen. In den Trainings wird man hier durch das „Meistern“ optionaler Bonus-Herausforderungen mit Punkten belohnt, welche dann anschließend in Upgrades investiert werden dürfen. So wird zum Beispiel die Haftung verbessert oder der Benzinverbrauch vermindert. Da diese Entwicklungen / Verbesserungen auch bei einer echten Formel 1 Saison vorangebracht werden, hat dies sogar ein realistisches Beiwerk.

Realistisch

Wer kennt es nicht, da fährt man eine tadellose Runde nach der anderen und trotzdem hängt einem der Widersacher im Genick. Die Möglichkeit, sich tatsächlich absetzen zu können, wird hier komplett vereitelt. Das ist nicht nur nervig sondern auch unrealistisch. Codemasters hat hier richtig entschieden und belohnt gute Fahrer auch mal mit großen Vorsprüngen gegenüber ihren Kontrahenten.

Wie es sich gehört, hat Formel 1 2016 – im Gegensatz zu seinem Vorgänger – technisch und grafisch noch einmal eine Schippe drauf gelegt. Das Spiel läuft jederzeit flüssig und die Texturqualität ist hoch. Hinzu kommen die tollen Unschärfe-Effekte, welche ihr Übriges tun. Besonders zu erwähnen ist die wirklich erstklassig umgesetzte Cockpit Ansicht, die das Gefühl gibt, wirklich im Formel 1 Auto zu sitzen. Dies können wir so eigentlich nur von „Forza“ aus dem Hause Microsoft behaupten. Bei der gebotenen Sound Kulisse treffen wir allerdings auf ein zweischneidiges Schwert.  So können sich die Motorengeräusche der Fahrzeuge allesamt wirklich hören lassen, was die Ohren echter Formel 1 Fans erfreuen wird, die Funksprüche hingegen könnten besser sein.

Fazit:

Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. Ja, F1 2016 ist ein richtig gutes Formel 1 Spiel. Nein, F1 2016 ist keine Revolution im Vergleich zu den bisherigen Ablegern. Doch ganz ehrlich, es fehlt nicht viel. Codemasters hat sehr viel Herzblut in den neuesten Teil gesteckt. Das sieht und fühlt man. Doch die fehlenden individualisierbaren Spieleinstellungen sind ein Wermutstropfen, welche es dem Titel leider verwehrt in den Olymp der Simulationen aufzusteigen. Nichtsdestotrotz  hat Codemasters einen tollen Job abgeliefert und wir hoffen, dass es 2017 noch das fehlende Quäntchen Qualität bringt.


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