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Disgaea 5: Alliance of Vengeance, Part # 1


Seraphina, ihres Zeichens Overlord der Netherworld „Gorgeous“ – zu deutsch wunderschön, hinreißend – sieht sich zusammen mit einem Trupp ihrer Prinnies einer Streitmacht von Void Dark gegenüber, der es sich zum Ziel gemacht hat, alle Netherwelten zu erobern. Die Prinnies, pinguinähnliche Wesen und gleichzeitig Seraphinas Untertanen und Soldaten haben nicht den Hauch einer Chance, als sich plötzlich ein unbekannter weiterer Dämon namens Kilia mitten ins Schlachtfeld setzt und eine Schüssel Curry zu essen beginnt, nur um nach vollendetem Mahl im Alleingang die gegnerische Dämonenarmee zu vernichten.

Willkommen in Disgaea 5!

Wer die Vorgänger nicht kennt, dürfte jetzt erstmal einige Fragezeichen über dem Kopf schweben haben. In Disgaea ist das Universum in viele verschiedene, magisch miteinander verbundene Netherworlds aufgeteilt, von denen jede einen eigenen Overlord sowie eigene Charakteristiken und Umgebungen besitzt, was sich in den dort hausenden Dämonen und auch in den Karten innerhalb der Kämpfe äussert. Im mittlerweile fünften Teil tut sich der Spieler in der Form des Dämonen Kilia mit Overlords der einzelnen Netherwelten zusammen, um sich der Eroberung seitens Void Dark entgegenzustellen. Während dieses Vorhabens schliessen sich nacn und nach weitere Overlords und Charaktere an, die Kilia bei seinem Vorhaben und bei seinem eigenen, persönlichen Rachefeldzug gen Void Dark unterstützen. Diese haben alle eine ganz eigene, häufig schrullige Art und es macht jede Menge Spass, ihnen bei ihren teilweise hitzigen Diskussionen zwischen den Missionen zuzuschauen. Dabei wird die Story vor und nach jeder Mission in Standbildern weitergeführt. Nach jedem Kapitel gibt es ausserdem eine witzige Vorschau auf das kommende Kapitel, wie man sie aus Animeserien teilweise kennt.

Rundenstrategie par excellence

Apropos Missionen, diese sind die grosse Stärke des Spiels und verlaufen wie bereits in den Vorgängern rundenbasiert auf einer in Quadrate aufgeteilte Karte in isometrischer Perspektive. Zur besseren Übersicht lässt sich diese natürlich entsprechend drehen oder zoomen, da häufig Hindernisse oder Höhenunterschiede auf der Karte zu finden sind, welche widerum taktische Auswirkungen haben. Die Grafik selbst ist in einem sehr ansehlichen 2D-Animestil gehalten und wird im Kampf durch 3D-Effekte weiter aufgehübscht. Zu Beginn jeder Mission sind die Gegner bereits auf der Karte positioniert und der Spieler kann vom festgelegten Startpunkt aus seine maximal 10 Einheiten auf der Karte verteilen, abhängig davon wie weit sich die jeweilige Einheit pro Zug bewegen kann. Angenehmerweise kann man solange man den Zug nicht tatsächlich ausführt, sich weiterhin bewegen oder bereits getätigte Positionierungen umstellen, wenn man kurz vor Abschluss des Zuges doch nochmal seine Aufstellung verändert möchte. Sobald man sämtliche Aktionen für seine Einheiten festgelegt hat, führt man diese aus und die KI ist an der Reihe. Dabei besitzt man schier unendliche taktische Möglichkeiten. Man kontrollliert in den Kämpfen nicht nur Overlords, sondern kann zur Erweiterung seiner Armeen weitere Einheiten rekrutieren. Jede Einheit besitzt eine Klasse, darunter bekannte wie Magier, Kämpfer und Bogenschütze, aber auch exotischere Varianten wie den Wrestler oder das Dienstmädchen. Die Klassen unterscheiden sich sowohl in den verfügbaren Fertigkeiten, als auch in den bevorzugt verwendeten Waffen. Die Einheiten gewinnen im Kampf an Erfahrung, steigen im Level auf und lernen neue Fähigkeiten. Eine weitere Rolle spielt ausserdem der Standort von befreundeten Charakteren. Stehen diese bei einem Angriff auf einem benachbarten Feld, besteht die Chance, dass sie sich an dem Angriff beteiligen und so den Schaden erhöhen. Oder man stapelt die Figuren zu einem Turm um so im Verbund Tod und Verderben in die gegnerischen Reihen zu bringen. Oder man benutzt die auf vielen Karten farbig markierten Felder, die verschiedene Boni oder Mali für die daraufstehenden Kämpfer bewirken, wie beispielsweise das Sperren der Nutzung von Zaubern, oder mehr Erfahrung beim Besiegen. Oder man benutzt die bunten Steine auf der Karte um genau diese Felder umzufärben und so die Effekte auszutauschen. Oder man schnappt sich einen Prinny und wirft ihn dem Gegner entgegen, wodurch das arme Vieh wie eine Bombe explodiert. Oder, oder, oder – selbst mit dieser Auflistung kratzt man noch nichtmal an der Oberfläche, womit wir bei der nächsten grossen Stärke des Spiels wären: Die Möglichkeit alles und jeden aufzuleveln.

Level 99? Wie langweilig

RPG-untypisch werden Erfahrungspunkte nicht am Ende der Mission, sondern direkt beim Besiegen einzelner Feinde abgerechnet. Dabei gewinnt nur derjenige an Erfahrung, der den Todesstoss ausgeführt hat. Das bedeutet, dass die Charaktere auch mitten im Kampf im Level aufsteigen können. Der Höchstlevel beträgt zwar 9999, aber danach ist noch lange nicht Schluss. Durch Reinkarnation setzt man die entsprechende Figur auf Stufe 1 zurück, wählt eine andere Klasse, freut sich an Bonus-Stats und fängt die Levelspirale wieder von vorne an. Auch die Fähigkeiten steigen in ihrer Effizienz, je häufiger man sie einsetzt. Auch die von der Einheit eingesetzte Klasse verbessert sich und schaltet gegebenenfalls weitere Klassen frei. Selbst die Waffen und Accessoires lassen sich im Level steigern. Auch passiert nicht alles nur über die normalen Missionen, sowohl für die Charaktere, als auch für die Waffen gibts im Verlaufe des Spiels noch weitere Möglichkeiten, sie zu verbessern.

Zwischen den Missionen verbringen die Charaktere ihre Zeit in Seraphinas „Pocket Dimension“, in der man sich unterhalten, in Geschäften mit neuer Ausrüstung versorgen oder einer der unzähligen Nebentätigkeiten widmen kann. Im Verlaufe des 15 Kapitel mit 5 Missionen pro Kapitel umfassenden Hauptspiels werden immer mehr NPCs freigeschalten, welche alle ihre eigenen Aufgaben besitzen. In der Item World lassen sich Gegenstände verbessern, in der Char World funktioniert dasselbe entsprechend für die Charaktere. Es gibt eine Raumstation um unbekannte Netherwelten zu erforschen, einen Currystand, eine Medizinerin die Wunden heilt und tote Team-Mitglieder wiederbelebt und sogar ein Gefängnis, in dem Gegner befragt und anschliessend in die eigenen Truppen eingegliedert werden können. Ein Questgeber erteilt immer wieder Zufallsaufgaben, deren Belohnungen von Skill-Schriftrollen über Items bis zu neuen Klassen das gesamte Spektrum abdecken. Es lassen sich sogar Wahlen anzetteln um beispielsweise das Angebot in den Läden zu verbessern, die dann entsprechend per Votum entschieden werden, inklusive der Möglichkeit die Wähler zu bestechen oder schlicht im Kampf zu besiegen, wenn einem die Wahl nicht gefällt. Allein in dieser Zwischendimension kann man Tage oder sogar Wochen verbringen, wenn da nicht die Musik wäre. Das Stück im Hintergrund läuft in Dauerschleife und kann auf Dauer doch etwas nerven. Ansonsten kann man Sound allerdings nur wenig aussetzen, die Geräuschkulisse ist typisch für diese Art Spiel und vor allem die japanische Sprachausgabe ist sehr gelungen, die englische wirkt dagegen oftmals etwas lustlos. Eine deutsche Lokalisierung gibt es nicht, auch nicht für die Texte. Wobei man hier die Frage stellen muss, ob der serientypische Humor als deutsche Übersetzung überhaupt funktionieren würde, japanische Sprachausgabe und englischer Text sei an dieser Stelle wärmstes empfohlen.

Fazit

Nach mittlerweile über 100 Stunden bin immer noch nicht am Ende angekommen. Ständig werden neue Features freigeschaltet, dauernd gibts neue Möglichkeiten zu entdecken oder irgendwas an der Truppe zu optimieren. Selbst das sehr oberflächliche Quest-System entwickelt einen Sog, weil man die Aufgaben zumeist im Vorbeigehen erledigen kann, wodurch das „Nur noch diese eine Quest“-Prinzip greift, obwohl die Quests an sich nur hohle Töte-dies und Bring-mir-das Varianten sind. Doch diese riesige Vielfalt kann gleichzeitig den grössten Kritikpunkt darstellen, denn man wird von den Möglichkeiten beinahe erschlagen. Als Neuling fühlt man sich sehr schnell überfordert und abgesehen vom Kampf-Gameplay wird alles nur in Texten erklärt. Wenn man sich aber traut, in dieses Monster von einem Spiel reinzufuchsen, wird man damit monatelang beschäftigt sein und in Sachen Taktik gehört Disgaea 5 sowieso mit zum besten im Genre.


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