Gaming Culture

Die Rolle der Frau in Videospielen


Angeregt durch die „Sexismus“-Debatte in der Gesellschaft zur Zeit habe ich mich gefragt, welcher Aufschrei durch die Medienlandschaft ginge, wenn sie sich Videospiele vor die Brust nehmen würden. Das wäre sicherlich genauso „amüsant“ wie der Diskurs zu den sogenannten „Killerspielen“.

Denn eines steht fest, die Rolle der Frau in Games ist selten gleichberechtigt oder fair dargestellt. Warum das bei genauerer Betrachtung nicht so tragisch ist, möchte ich hier mit ein paar Gedankengängen darstellen.

Zunächst aber ein paar allgemeine Aspekte.

In einer Reportage der Website Penny Arcade wurde berichtet, dass Videospiele mit einem ausschließlich weiblichen Hauptcharakter sich bis 75% schlechter verkaufen, als Spiele mit Männern in der Hauptrolle. Es wurden für das Jahr 2011 669 Spiele ausgewertet (dabei wurden Genres wie Sport oder Rennspiele ausgeschlossen). In gerade einmal 24 spielte eine Frau die tragende Rolle. Deswegen ist das Budget für solche Spiele auch weitaus geringer. Ein Teufelskreis, oder worin liegt die Wurzel dieses Missstandes begraben?

Dass heutzutage auch viele Frauen Gamer sind, ist nichts neues. Aber vor allem in den 80er als auch 90er Jahren, war es noch vermehrt ein Hobby von Jungen und Männern. Fällt euch ein markantes Spiel bis Tomb Raider im Jahre 1996 ein, indem eine Frau die Hauptrolle übernahm? Klar, einige werden jetzt Metroid als Paradebeispiel entgegenhalten, aber in Metroid steckt Samus in ihrem Kampfanzug und bis zum Abspann wusste der Spieler nicht, dass eine Frau drinnen steckt. Wer also damals Metroid zockte, dachte sicherlich es handele es sich um einen Mann. Bis Lara Croft dienten Frauen hauptsächlich dazu ,von dem edlen Prinzen gerettet zu werden. Allenfalls waren sie spielbare Charaktere in einem Ensemble (zum Beispiel Maniac Mansion). Mit Hilfe der 3D-Grafik war es dann möglich, eine Frau besser darzustellen, oder sollen wir sagen, ihre Reize besser auszuarbeiten.

Machen wir uns nichts vor: Tomb Raider war deshalb so erfolgreich, weil viele pubertierende Heranwachsende und Männer scharf auf Lara Croft gewesen sind und das trotz eckiger Brüste. Dass die Spiele auch eine gewisse Qualität besaßen sei an dieser Stelle unbestritten. Andererseits, ein kleiner Einwurf, spielt die Persönlichkeit einer Frau und die Geschichte in einem Pornofilm eine Rolle? Womöglich nicht. Wenn es einen gemeinsam Nenner gibt, dann würde dieser wohl Unterhaltung lauten.

Bis heute fällt mir zumindest kein Spiel in realistischer Grafik ein, in denen fette und hässliche Frauen gesehen werden können. So besitzen in Skyrim alte Frauen erstaunlich gute Figuren, als wenn ihr Kopf im Körper einer 30 jährigen stecken würde.
Was würde wohl Alice Schwarzer zu der Beat‘ em Up Serie „Dead or Alive“ sagen, die sogar darauf Wert legt, dass die Brüste wackeln, wenn sich die Damen gegenseitig verkloppen oder noch kontroverser, wenn eine männliche Spielfigur eine Frau verhaut? Sexistisch, diskriminierend, würdelos, oder würde sie doch sagen aufgrund der Tatsache, dass das Geschehen übertrieben dargestellt wird, dass es dadurch nicht ernst genommen werden sollte?

Ich glaube letzteres denken viele von uns, was ich auch befürworte.

Ebenso wissen wir, dass auch viele Videospielheldinnen mit Grips in der Birne existieren. Sie sehen also nicht nur gut aus. Denken wir an Joanna Dark aus „Perfect Dark“ oder an Jade aus „Beyond good and Evil“. Zwei Spiele mit herausragender Qualität, aber beide waren nicht super erfolgreich. Ist es wirklich so einfach zu sagen, dass Männer sich eher mit männlichen Figuren identifizieren können?
Bei mir muss es anscheinend der Fall sein. Wenn es darum geht, Spielfiguren im Multiplayer auszuwählen, greife ich auch eher auf einen Herren, als auf eine Dame zurück. Verachte ich aber deswegen Frauen? Keineswegs.

Es ist gut, wenn Frauen nicht immer als hilflose, sexy Objekte dargestellt werden. Das neue Tomb Raider soll ja eine Lara Croft zeigen, die vor allem Stärke besitzen soll und nicht vordergründig mit ihrem Vorbau beeindruckt. Drehen wir den Spieß mal um. Wie sieht es bei männlichen Videospielhelden aus? Auch hier sind wir in der Regel nur von gut aussehenden Typen umgeben. Groß, muskelbepackt, mit 3 Tage Bart und smart. Also genau das, was wiederum das weibliche Geschlecht attraktiv findet. Interessanterweise stellt hier niemand die Frage, wie unrealistisch und stereotypisch das Ganze ist.

Also machen wir uns nichts vor. Sex sells. Das gilt in Videospielen genauso wie in anderen Medien. Und natürlich auch in der realen Welt, weswegen ich zurück auf die „Seximus“-Debatte komme. Stein des Anstoßes war die Aussage von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) über das Dekolleté einer Reporterin des Sterns. Es heißt häufig, dass eine selbstbewusste Frau zeigt, was sie zu bieten hat, dass sie so aber Kommentare ernten kann, ist an sich logisch, wird aber trotzdem verpönt und alle Herren seien dann sexistisch. Ganz schön scheinheilig. Tja, man könnte die Bluse ja auch salopp formuliert einfach zugeknöpft lassen, um weniger zu reizen. Aber darum geht es im Grunde gar nicht.  Ich sag es ganz pauschal, Frauen werden, was das angeht, immer die Gewalt über uns Männer haben und das ist nichts schlechtes. Wichtig ist dabei ein respektvoller Umgang. Von daher sollte Frau immer dem Mann klar zu verstehen geben, wenn eine Grenze überschritten wurde und es ihm mitteilen.

Zurück zu den Videospielen und dem Grundgedanken, weshalb vieles heißer gekocht wird, als es letzten Endes ist. Stellt euch vor, dass alle Videospiele auf einmal genormt wären. Das heißt ohne sexuelle Anspielungen, mit völlig normalen Akteuren ohne Ecken und Kanten und zudem auch politisch korrekt. Wäre das nicht stinklangweilig? Spielen wir nicht deswegen Videospiele, um in eine andere Welt einzutauchen? Weil es uns Spaß macht, in andere Rollen zu schlüpfen, weil wir es lieben kontrovers über Geschehnisse und Charaktere zu diskutieren? Gleiches gilt auch für Bücher, Film und Musik. Es sind genau diese Elemente, die uns fesseln. Wichtig dabei ist nur, dass man es richtig einordnen kann und nicht auf der Basis eines Games, Buches, Films, das Erlebte 1:1 auf die reale Welt überträgt.

Abgesehen davon, muss ein Spiel vom Gameplay her stimmen, damit es funktioniert. Aber das ist wiederum eine anderes Thema.


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