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Dark Souls II – Ein Nachruf


Es gibt Spiele, bei denen ist es schwierig die Mechanik zu erklären ist.
Es gibt Spiele, bei denen ist es schwierig die Steuerung zu erklären.
Und es gibt Spiele, bei denen es schwierig ist zu erklären, weshalb Sie so faszinierend sind.

Willkommen bei unserem ausführlichen Spezial-Test zu Dark Souls II und dem Versuch, eine Spielmotivation zu erklären, die eigentlich nicht erklärt werden kann.

Worum geht es?

Es gäbe eine ziemlich interessante Geschichte zu erzählen, die hinter Dark Souls II steckt. Vermutlich wäre es nicht nur eine einzige Geschichte, denn das Spiel versteht es meisterhaft die umgebende Welt nur in Bruchstücken zu erklären, so dass viel Raum für Interpretation, Spekulation und Fantasie bleibt. Genau aus diesem Grund möchten wir in diesem Review weniger eine vorbelastete, eigene Meinung zur Geschichte abgeben, sondern euch vielmehr die Chance geben, die Geschichte rund um DS2 selbst zu erkunden – oder es einfach sein zu lassen. Es ist nicht erforderlich in die tiefen der Welt zu blicken oder diese zu verstehen um voran zu kommen. Das Spiel versteht es gut, euch die zu beschreitenden Wege aufzuzeigen ohne das diese an wesentliche storyrelevante Punkte geknüpft sind. Oft zeigt euch die Stärke der Gegner oder die verwinkelte Level-Architektur die richtigen Wege von selbst. Die Gegner sind zu stark? Kommt später wieder und versucht es dann erneut. Die Türen sind verschlossen? Komm später wieder, wenn ihr den passenden Schlüssel habt. Das Spiel lässt euch in diesem, wie in vielen anderen Punkten auch, eine enorme Freiheit, was wiederum seine Tücken hat.

Es dürfte kein Spoiler sein zu sagen, dass die Souls-Reihe für ihren enormen Schwierigkeitsgrad, eine hohe Einstiegsbarriere und einen hohen Frust- und Motivationsfaktor bieten kann. Das führt an der ein oder anderen Stelle dazu, dass man sich nicht sicher sein kann, ob man es ‚zu früh’ mit einem Gebiet oder Boss aufnimmt oder ob es einfach heißt: Manöver auswendig lernen und an dieser Stelle durchbeißen. Gleiches gilt für versteckte Pfade und Objekte. Nicht selten ertappt man sich während des Spiels bei dem Gedanken: „Ist da nicht doch etwas hinter der Ecke?“ oder „Ob ich da rüber springen kann?“ Manchmal stimmt die Vermutung, manchmal nicht. Manchmal gibt es tolle neue Waffen oder Objekte zu finden, manchmal erwartet euch nur der Tod. Aber eines nach dem Anderen…

Auch normale Gegner können echte Herausforderungen sein.

Aller Anfang ist schwer

Ihr beginnt inmitten eines kleinen Platos. Säulen um euch herum, etwas Gras und viel Fels. Einige Schritte weiter warten einige kleine und ein richtig fetter Brocken auf euch, den man zunächst einmal umgeht oder zumindest vorsichtig das erste Item abstaubt. Objekte zu finden gehört zu einer der wichtigen Kernkompetenzen von DS. Diese sind – mal mehr mal minder – schwer versteckt und locken mit einfachen Goodies wie Lebenssteinen, die eure Energieauffüllen oder anderen Nutzobjekten für eine frische Ladung an Zaubern, verschiedene Resistenzen oder Objekte um eure Menschlichkeit zurückzuerlangen (später dazu mehr). Zudem findet ihr auf diese Weise eine Vielzahl an Waffen mit ganz verschiedenen Eigenschaften und zugehörigen Vor- und Nachteilen (auch dazu später mehr). Auf dem weiteren Weg gelangt ihr in eine Hütte mit einigen alten Ladies, bei welchen ihr erstmals euren Namen und eure Startklasse festlegen dürft. Letztere dient eher als leichte Orientierung denn als eine strenge Klassenwahl wie man sie aus anderen Rollenspielen kennt. Richtige Klassen gibt es in Dark Souls nämlich nicht.

Vielmehr könnt ihr durch Investition von gesammelten Seelen, welche ihr von getöteten Gegnern oder auffindbaren Objekten bekommt, bestimmte Status wie Stärke, Geschicklichkeit oder Intelligenz aufleveln. Wer einen kräftigen Krieger mit schweren Waffen und schweren Rüstungen spielen will, der spezialisiert sich hier auf Stärke und Tragelast. Flinke Dolchträger mit einigen Zaubern gehen eher auf Geschicklichkeit und Intelligenz. So ergibt sich eine Vielzahl an Möglichkeiten der Charaktergestaltung, welche aber auch entsprechend gespielt werden muss. Wer seine ganzen Seelen in Stärke investiert, dem geht schnell die Ausdauer aus und man wird nie einen Zauber wirken können. Es empfiehlt sich also in verschiedene Richtungen zu experimentieren und vielleicht mehrere Charaktere zu erstellen. Zwar gibt es im späteren Verlauf die Möglichkeit seine Punkte zurückzusetzen und neu zu investieren, wer aber über mehrere Stunden einen Frontalangreifer gespielt hat der ein mächtiges Schild zu Hilfe nehmen kann, der wird sich schwer damit tun die speziellen Spielanforderungen eines schwachen Magiers zu erfüllen. So erfordert die Charakterentwicklung viel Ausdauer und auch den Mut für Experimente.

Ruhige Momente sind in Dark Souls II eher die Seltenheit.

 

Der Gegner muss sterben – aber wie?

Wo das erste Dark Souls dem Spieler kaum Zugeständnisse gemacht hat, gibt der Nachfolger einige kleine Hilfen. Generell gilt nach wie vor: bereits getötete Gegner werden genau dann wiederbelebt, wenn man selbst stirbt oder zu einem Leuchtfeuer geht und eine Rast einlegt (Bossgegner ausgenommen). Die erwähnten Leuchtfeuer sind an festen Stellen im Spiel verteilt und können als eine Art Checkpoint verstanden werden. Wer stirbt erwacht am letzten Leuchtfeuer wieder. Außerdem kann man sich, seit DS2 von Beginn an, zwischen bereits aktivierten Leuchtfeuern hin und her teleportieren. Neu ist im zweiten Teil von Dark Souls, dass Gegner nach zehnmaliger Tötung ebenfalls verschwunden bleiben. Was sich auf der einen Seite wie eine Erleichterung anhört hat einen enormen Nachteil: Farmingspots, an welchen sich besonders einfach besonders viele Seelen ergattern ließen, fallen so nach einiger Zeit aus dem Raster. Wer hier weiterfarmen möchte hat nur zwei Möglichkeiten: Das Spiel im NewGame+ Modus beginnen (quasi der zweite Durchlauf nach erstmaligem Durchspielen) oder alle Gegner des Gebiets auf der Stärke des NewGame+ erneut beschwören. Diese sind dann zwar stärker und werden mancherorts durch zusätzliche Recken unterstützt, geben aber auch mehr Seelenpunkte.

Doch bevor es dazu kommt ist zunächst die Frage der Bewaffnung zu klären. Was in manch anderem Rollenspiel zur einfachsten Aufgabe verkommt, da neu gefundene Waffen einfach stärker sind und mehr Schaden verursachen, ist in Dark Souls eine heikle Angelegenheit. Jede Waffe hat ihre ganz spezifischen Eigenschaften. Ein großes Bastardschwert erfordert viel Stärke um es überhaupt führen zu können. Es verursacht eine Menge Schaden – braucht aber auch lange Zeit für das Ausholen und Zuschlagen. Ein kleiner Dolch kann Schilde umgehen und schnell zustechen – verursacht aber dafür wieder deutlich weniger Schaden und verbraucht weniger Ausdauer. Wollt ihr eine Waffe beidhändig führen? Oder lieber zwei Waffen – jeweils eine in einer Hand? Oder doch lieber auf Nummer sicher mit einem Schild? Es gibt sehr viele Kombinationsmöglichkeiten von denen keine offensichtlich besser oder schlechter ist. Es kommt eher auf den eigenen Spielfluss und den Geschmack an. Zudem lassen sich alle Waffen die ihr besitzt mit den richtigen Items verstärken oder sogar verzaubern. Ein Feuerdolch richtet gegen bestimmte Gegnergruppen größeren Schaden an als ein normaler Dolch. Bei anderen Gegnern ist die Rüstung so dick, dass ihr mehrere Treffer langen müsst, bis der Gegner zu Boden geht. Das kostet mehr Ausdauer für Schläge und Ausweichmanöver und bietet dem Gegner mehrere Chancen euch ebenfalls Schaden zuzufügen. Diesen könnt ihr zwar mit Heilsteinen oder Flasks wieder aufladen, wobei letztere begrenzt sind und sich erst beim nächsten Leuchtfeuerbesuch wieder aufladen, doch auch das kostet Zeit die ihr im Kampf einfach nicht habt oder euch eben auch doch irgendwann ausgehen. Nicht viel einfacher wird es für Magier. Die brauchen zwar bei den meisten Zaubern nicht sehr nah an ihre Gegner heran, sind aber tendenziell schon nach weniger Treffern am Boden und während der Ausführung des Zaubers schutzlos. Zudem haben alle Zauber eine bestimmte Auflademenge. Auch der einfachste Zauber ist nach bestimmter Zeit verbraucht und kann nur durch Objekte oder eben durch einen Leuchtfeuerbesuch wieder aufgeladen werden – dann sind die Gegner aber auch wieder da. Aus sicherer Entfernung mit dem Boxen schießen ist noch eine gute Idee, aber auch das kostet Ausdauer und bringt nicht den meisten Schaden.

Das richtige Equipment ist das A und O.

Seelig sind die Vergessenen

Wer fleißig Gegner besiegt, Objekte Sammeln und Bossgegner erledigt kann schnell eine große Anzahl an Seelen sein Eignen nennen. Mit diesen geht es dann auf Shoppingtour. Man verstärkt und repariert Waffen, levelt seinen Charakter auf oder schaut ganz schnell dumm aus der Wäsche.

Dark Souls spendiert nämlich keine ‚Bank‘ auf welcher ihr eure Seelen sparen könnt. Ihr tragt diese immer mit euch herum. Nicht investierte Seelen bleiben also vorerst einfach mal im Inventar. Wer stirbt hat eine schwierige Aufgabe zu bewältigen, denn genau an der Stelle eures Todes bzw. einem passenden Punkt in der Nähe werden eure Seelen quasi als Sammelobjekt abgelegt. Gestorben wird in Dark Souls II sehr sehr sehr oft (wirklich sehr oft) und wer am letzten Leuchtfeuer – quasi der Checkpoint – wieder erwacht hat keine Seelen mehr im Inventar. Was liegt also näher als seine verlorenen Seelen wieder aufzusammeln? Das ist leicht gesagt, doch in den seltensten Fällen ist man grundlos gestorben. Das heißt man muss sich wieder mühsam bis zum Punkt des letzten Ablebens durchschlagen und sich dort der Herausforderung erneut stellen, an der man noch zuvor gescheitert ist. Wenn dieser Versuch misslingt ist der Frust groß, denn wer erneut stirbt, während er seine alten Seelen noch nicht aufgesammelt hat, hinterlässt ein neues Sammelobjekt – das alte ist mitsamt den darin gespeicherten Seelen verschwunden. Es sind die großen Momente in den Dark Souls in welchen man zwischen Angst vorm Verlust der Seelen und der Freude immer näher heran zu kommen erlebt. Die Erleichterung der Widererlangung ist dabei meist ebenso groß wie der Frust beim Versagen der Aufgabe.

Ganz ähnlich verhält es sich mit den Kämpfen gegen größere Bossgegner. Hier sind die Kämpfe in DSII zwar etwas leichter als im ersten Teil – gestorben wird dennoch auch hier nicht zu knapp. Bis die richtige Taktik für den Boss gefunden ist können je nach Fähigkeit einige Versuche ins Land gehen – der anschließende Erfolg ist dafür mit einem ordentlichen Endorphinschub sehr angenehm.

Bossgegner sind groß, stark und manchmal besser in Gruppen zu bekämpfen.

 

Zu Hilfe – warum hilft mir denn niemand?

Zu den vielleicht interessantesten Eigenheiten der Souls-Reihe gehört der Multiplayer. Wo in den meisten anderen Spielen eine aktive Entscheidung zum Multiplayer nötig ist (Auswahl im Hauptmenu) ist man bei der Souls-Reihe quasi immer Online. Das bedeutet, dass ihr während dem laufenden Spiel entweder Hilfe heraufrufen könnt, was in Form von kleinen Runensymbolen am Boden angezeigt wird, genauso kann es aber passieren dass Gegenspieler in eure Welt eindringen. Bei letzterem spielt es keine Rolle wie weit entfernt ihr vom Leuchtfeuer seid. Im schlimmsten Fall taucht der Gegner mitten in einem schwierigen Kampf auf und ihr habt es mit zwei Widersachern zu tun. Das ist besonders ärgerlich, weil ihr beim Ablegen den ganzen Weg erneut laufen müsst. Besiegt ihr euren Kontrahenten jedoch winken Bonusseelen.

Freundlicher ist die erste beschriebene Variante, in dieser könnt ihr eure Unterstützung anbieten, im Regelfall vor besonders schwierigen Bossgegnern, oder euch einfach selbst Hilfe herbeirufen. Einzige Bedingen ist hierbei, dass ihr zunächst in eine menschliche Hülle schlüpfen müsst. Hierfür gibt es spezielle Objekte ob Punkte von Bossgegnern, die ihr einmal benutzen könnt um eure Menschlichkeit zu erlangen. Sterbt ihr, ist die Menschlichkeit verloren und ihr müsst erneut ein Objekt benutzen. Diese sind zwar limitiert, im Laufe des Spiels aber auch an Farmspots sammelbar. In Gruppen von 2 bis 4 Spielern erlegt man nahezu jeden Boss.

Insgesamt sind die Bossgegner sehr unterschiedlich, obwohl es bei den meisten reicht die Schlagabfolge zu lernen und im richtigen Moment zu blocken, Abstand zu halten oder weg zu rollen. Zum Glück sind die Gegner trotzdem so unterschiedlich das keine Langeweile aufkommt. Jeder Boss bietet seine ganze eigene Herausforderung und ein eigenes Repertoire an Fertigkeiten. In der Regel wird 2-5 gestorben bevor man den Kniff heraus hat. Die Belohnung? Natürlich einige Seelen, aber viel wichtiger ist die Genugtuung des Sieges.

Nicht immer kann man sich sicher sein, von wo der nächste Angriff kommt.

Eine Laudatio!

Ein typischer Auszug aus einem Gespräch zwischen einem Dark Souls Fanatiker und einem Neuling wird wohl lauten: „Ständig verreckten macht doch keinen Spaß“. Entgegen jedem Trend der aktuellen Videospielhochkultur will Dark Souls II – genau wie seine beiden Vorgänger Demon Souls und Dark Souls – seine Spieler nicht verhätscheln. Niemand, auch kein Profi, wird seinen ersten Durchgang durch DSII ohne den „Du bist Tod“-Screen erleben. Dark Souls forciert den frühzeitigen Bildschirmtod mit penibler Genauigkeit und einem Genuss, dass es schon fast die Tränen in die Augen treibt. Es lässt dich immer und immer wieder an schweren aber auch einfachen Aufgaben scheitern, sodass die Grenzen zu verschwimmen scheinen. Ein übermächtiger Bossgegner sorgt nicht mehr oder minder für verzweifelte Wutausbrüche wie zwei geschickt platzierte normale Gegner oder eine undankbare Sprungpassage (auch wenn diese im Vergleich zum Vorgänger deutlich entschärft wurden). Es ist diese herrliche ‚Unausbalanciertheit’, die DS zu etwas Großem macht. Persönlich empfand ich Dark Souls 1 einen Tick besser als den zweiten Ableger, was vor allem an der verwinkelteren Spielwelt und dem noch höheren Schwierigkeitsgrad liegt. Auch die Schauplätze und Bossgegner haben mir besser gefallen, aber das ist Kritik auf ganz hohem Niveau.

Dark Souls II wird nicht jeden begeistern, aber wer sich auf das Spielprinzip einlässt und den ein oder anderen Frustmoment überstehen kann, bekommt etwas großes geboten.

 Videobeispiel für einen kurzen Kampf – Preise the sun!

Dark Souls II Trailer – ProTrailer

Dark Souls II Trailer – The Curse of the Dark Accolade Launch Trailer